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Graffito


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georg
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Anmeldedatum: 22.02.2008
Beiträge: 13225

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BeitragVerfasst am: 17.06.2009, 16:07    Titel: Graffito Antworten mit Zitat

Es gab mal eine Tunte, die ich kannte.
Indessen, dieses geile Luder pennte
mit mir nur dann wenn es sich für sie lohnte.

Ich ging zu meiner alten Tante,
die hatte eine schöne Rente.
Im Souterrain das sie bewohnte
besucht’ ich sie. Die Alte thronte
am Leibstuhl grad, als ich mich wandte
an sie und meine Wünsche nannte.

Doch ach, die weise Tante roch die Lunte.
Sie rief: „Du willst das Geld für diese Tunte!
Was du erzählst, das ist nur eine Finte!“
Da ward ich zornig, griff zu Tantchens Flinte.
„Na warte!“ kreischt’ sie, „meine Testamente ...“
Doch ich drückt’ zweimal ab, es war ihr Ende.
Blut, Hirn und Leibstuhlinhalt spritzten an die Wände.
Den Sparstrumpf riss ich von der hohen Kante
und rannte.

Entsetzen, Reue fast mich übermannte.
Was ist mir diese Tunte, die verdammte?
Doch dann in ihren Armen einen Augenblick ich wähnte
das Schauderhafte zu vergessen... wie ich stöhnte
als sie mich nahm.... woher der Zaster stammte
fragte sie nicht, Das Blutgeld. Das verpönte.
.
Dies schreib ich jetzt an meiner Zelle Wände.
Sie starr’n mich an bis an mein Lebensende.
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beislschmidt
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Anmeldedatum: 25.02.2009
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BeitragVerfasst am: 18.06.2009, 10:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Georg,

eine etwas ungalante Art an Tantes Erbteil zu gelangen. Nun ja, dein blutspritziges Werk hätte besser in die Rubrik „Lustig“ gepasst, denn im Pulp Fiction Modus ist es beispielhaft für die missglückte Straftat und damit auch mit dem entsprechenden Zwinkern ausgestattet.
Das Werk ist eher was für die Kleinkunstbühne und lebt vom Spiel und einem guten Vortrag, dann kommt der Sarkasmus wohl am besten rüber.

Zum Handwerk: Die Metrik hast du so ganz außer acht gelassen, das stört etwas beim Leserhythmus. Das könnte man natürlich noch etwas entholpern. Auch der Wechsel vom Kreuzreim zum Paarreim ist für das geübte Lyrikauge gewöhnungsbedürftig. Inhaltlich gibst du keine Antwort darauf, warum es eine Tunte sein muss. Der Reimschuldner „Lunte“ kann es doch nicht allein gewesen sein. Also ist es so wie es eben ist??? Oder liegt in der Aussage die Mutmaßung begründet, dass Tunten besonders geldgierig sein sollen???

Ich würde dem Werk noch einmal eine Stunde Gedankenschmalz gönnen, denn es ist witzig, spritzig, für einen Kabarettisten geradezu ideal - und hätte es sicher verdient.

Gern gelesen und kommentiert

Lieben Gruß vom Hans
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georg
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BeitragVerfasst am: 18.06.2009, 12:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, beiserl,
vielen Dank fürs Lesen und besprechen.
Ich habe mich so gut ich halt konnte bemüht, etwas zu fabrizieren .... tja .... von dem ich hoffe, dass es manche als Reimakrobatik auffassen könnten. Und als Wörterdemo.
Die Tunte war freilich ein Produkt der Lunte, aber noch mehr der Tante. Dieses Dipolelement soll den thread beherrschen. Dass Tunten (der Begriff hat ja übrigens gar keine eindeutige Festlegung) allgemein geldgierig wären, soll keineswegs postuliert werden ... wohl aber jene unter ihnen, die sich als Geheimprostituierte betätigen --- wie die meisten dieser Berufssparte es ja des Geldes wegen machen.

Die Ausgangsidee war eigentlich, alle ante/ente/ inte/onte/unte - Paare zum Einsatz zu bringen ... und natürlich, die te/de - Endungen durchzuziehen.

Meinst du, ich sollte versuchen, den ganzen Text so wie die drei ersten Zeilen auf elf Silben (Amphibrachys und vier Trochäen) hinzutrimmen? Eigentlich wars von mir so konzipiert, dass ich mit 3x11 beginne, dann Neunsilberer folgen lasse und dann, wenn die shotgun kracht, ein wohlgezieltes Inferno folgen zu lassen. Das ist halt meine Art von "moderner" Lyrik, dass ich zwar so gut es geht reime, aber die Zeilenstruktur irgendwie dem Inhalt anpasse. Auch das Einbauen der Kreuzreime soll den Leser zuerst den festen Halt verlieren und einige Zeilen später wieder finden lassen, dem dramatisch sein wollenden Handlungsablauf teilsynchronisiert.

lg
georg
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beislschmidt
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BeitragVerfasst am: 19.06.2009, 11:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Georg,

wenn du es so angedacht hast, dass du alle te/de Endungen verarbeiten wolltest, ist es doch ein wunderbarer Buchstabensalat und in deinem Sinne richtig angemacht.

Liebe Grüße vom Hans

P.s. Es kommt immer auf den Zweck und die Verwendbarkeit an. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Inhalte am besten transportiert werden von 9 max. 12 Silben und das Ohr den Kreuzreim als wohltuend empfindet – Paarreime aber eher der Karnevalsschublade zugeordnet werden. Bei schwierigeren Inhalten – wenn auch das Reimlexikon schweigt benutze ich auch schon mal abcb.
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georg
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BeitragVerfasst am: 19.06.2009, 12:56    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber beiserl,
es wird schon im wesentlichen stimmen, was du sagst. Die Transportfähigkeit bei maximal 12 Silben.
Wo lasse ich nachdenken?
Am ehesten dort, wo ich mein Herz verloren habe, beim Bert Brecht (jedenfalls ein Teil meines literarischen Klopfers hängt an ihm). Speziell: Dreigroschenoper - für mich epochal.
Paarreime, bunt gemischt mit Kreuz-und Unreimen, finden sich in der 3g-oper en masse. Zum Beispiel im Song der Seeräuberjenny:

-2-
Man sagt: Geh, wisch deine Gläser, mein Kind
Und man reicht mir den Penny hin.
Und der Penny wird genommen, und das Bett wird gemacht!
(Es wird keiner mehr drin schlafen in dieser Nacht.)
Und sie wissen immer noch nicht, wer ich bin.
Aber eines Abends wird ein Getös sein am Hafen
Und man fragt: Was ist das für ein Getös?
Und man wird mich stehen sehen hinterm Fenster
Und man sagt: Was lächelt die so bös?
Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beschiessen die Stadt.

Mir hat dieser Song ja schon immer fast so gut gefallen wie die Soldaten, die auf den Kanonen wohnen:

John war darunter und Jim war dabei und George ist Sergeant geworden.
Doch die Armee, sie fragt keinen. wer er sei und marchierte hinauf nach dem Norden
Soldaten wohnen auf den Kanonen von Cap bis Couch Behar.
Wenn es mal regnete und es begegnete
ihnen ne neue Rasse, ne braune oder blasse,
dann machen sie vielleicht daraus ihr Beefsteak Tartar.

Aber glaub bitte nicht, dass ich damit die in meiner TaTuntengeschichte vorkommenden Dreizehn- und Fünfzehnsilberer rechtfertigen will. Denn ich gestehe mir ein, dass der berühmteste Song von Brecht/Weil DEINEM Konzept entspricht: die MORITAT VON MACKIE MESSER...

Und der Haifisch, der hat Zähne
Und die trägt er im Gesicht
Und Macheath, der hat ein Messer
Doch das Messer sieht man nicht.

7-8 Silben (je nach Kadenz) ... Kreuzreime .... das ist offenbar das Material aus dem ein Spitzenprodukt besteht.

lg
georg
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beislschmidt
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BeitragVerfasst am: 21.06.2009, 10:24    Titel: Antworten mit Zitat

hey Georg,

ein Hinweis auf den Titel des Gedichtes wäre noch angebracht, den krieg ich nämlich so gar nich in einen Kontext.

Grunz Gruss vom Hans
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georg
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BeitragVerfasst am: 21.06.2009, 11:25    Titel: Antworten mit Zitat

hi, beiserl,
Wikipedia hat Folgendes geschrieben:
Graffiti, Einzahl Graffito, steht als Sammelbegriff für von privater Hand angebrachte Bilder oder Schriftzüge auf Oberflächen des öffentlichen Raums. ...
. Ich hab mir halt gedacht, die Wand in der Gefängniszelle is eher ein öffentlicher Raum als Privateigentum des Arrestanten.
Der Text ist als Grafitto zu verstehen.
lg
georg
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