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Literaturforum Österreich :: Thema anzeigen - Dircien-kritik sehr erwünscht
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Dircien-kritik sehr erwünscht


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cuty4
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Anmeldedatum: 13.12.2009
Beiträge: 1

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BeitragVerfasst am: 13.12.2009, 21:23    Titel: Dircien-kritik sehr erwünscht Antworten mit Zitat

Dircien ist ein Dunkler, Emerelle eine Lichte. Eigentlich sind ihre beiden Völker verfeindet, denn Marwin, dem Herrscher der Dunkelheit, dürstet es nach Blut und Rache. Sein Sohn soll ihm diese beschaffen. Doch Dircien Denkt gar nicht daran. Auf der Fluch vor den Häschern seines Vater, gelangt er in das Reich der Lichten und rettet Emerelle das Leben. Was beide nicht wissen, ist, dass diese Begegnung die Zukunft für imer verändern wird.

Kapitel 1:
Sanft wogen sich die Gipfel der Bäume im Wind. Es gab selten Tage wie heute und dass nicht nur wegen des Wetters. Nicht oft bekamen die Krieger die Möglichkeit ihren eigenen Beschäftigungen nachzugehen.
Die ewigen Kämpfe gingen ihm schon langsam extrem auf die Nerven. Er sehnte sich danach endlich wieder ein wenig Ruhe in sein leben zu bringen, wusste aber gleichzeitig, wie unmöglich das in Wirklichkeit war.
Aus diesem Grund genoss er jede einzelne Sekunde, in der sich der Wind um seinen Körper schmeichelte und Blätter und Staub vom Boden auffegte. Der Tanz des Windes hielt ihn in seinem Bann. Er vermochte es nicht, seine Augen von diesem Spektakel zu lösen. Wie lange war es her, dass er sich Ruhe gegönnt hatte? Die Soldaten seines Vaters und die Schlachten gegen die Lichten nahmen seine ganze Aufmerksamkeit in Kauf. Da blieb einfach keine Zeit sich auszurasten. Täglich kamen neue Aufgaben auf ihn zu.
Erst gestern kam ein Bote zu ihm und teilte ihm seinen nächsten Auftrag mit. Bis dahin blieben aber zum Glück aber noch mehrere Tage.
Denn auch wenn er keine Ruhe bekommen würde, so mussten sich seine Soldaten dennoch von den Strapazen der letzten Tage erholen und ihren Sieg feiern.
Außerdem gab es auch auf dem Schloss seines Vaters wichtige Dinge, die er erledigen musste. Er verdrängte diesen Gedanken, noch früh genug würde er sich damit befassen. Im Moment wollte er einfach nur so schnell wie möglich seinen alten Freund und Lehrer wiedersehen.
Die Sonne strahlte heiß vom Himmel. Ein dünner Schweißfilm bedeckte seinen Körper, er hätte doch die Rüstung samt Fellen ablegen sollen, als sich ihm die Möglichkeit bot. Nun würde er wohl noch Stunden darin herum rennen müssen.
Gerade eben erst kam er von der Hütte seines Lehrmeisters. Dirciens Ausbildung lag schon Jahre wenn nicht Jahrhunderte zurück. Da Zeit für ihn keine Bedeutung hatte, nahm er es damit auch nicht so ernst.
Desto mehr Jahre ins Land zogen, desto schwieriger fiel es ihm den Überblick zu behalten. Vor allem da man ihm das Alter im Vergleich zu seinem Meister nicht ansah.
Dieser war durch die Jahre deutlich ergraut, was aber nichts an seinen Fertigkeiten als Krieger änderte. Einst führte er als einer der besten Generäle dieses Landes die Heere in die Schlacht. Nun aber zwangen ihm seine alten Verletzungen zu einem weniger gefährlichen Leben. Weshalb er es sich zur Aufgabe gemacht hatte, wenigstens die Soldaten für die Schlacht auszubilden. Dircien konnte er zwar nichts mehr beibringen, aber dafür lieferte er ihm immer wieder neue Rekruten und Übungsgegner.
Heute schien Dircien allerdings Pech zu haben, denn er hatte Ricmet anscheinend knapp verfehlt. Wahrscheinlich trainierte er noch die Neulinge auf dem Übungsplatz. Er machte sich auf den Weg dorthin.
In gewisser Weise unterschied sich sein Lehrer doch sehr von den anderen. Er wurde mit einer Ausnahme von fast allen auf dem Schloss respektvoll behandelt. Schließlich hatte er sie auch alle unterrichtet.
Obwohl ihm nahezu jeder gut gesonnen war, lebte er abseits vom Schloss, wo er seine Ruhe hatte.
Irgendwo beneidenswert, dachte Dircien still. So lange er hier unter der Aufsicht der Gefolgschaft seines Vaters lebte, musste er sich besonders beherrschen. Ein falsches Wort konnte seinen Tod bedeuten und das obwohl diese Gegend schon seit seiner Kindheit seine Heimat war.
»Dircien?«
Fast schon hatte er seinen Begleiter vergessen, der mit ihm gekommen war um Ricmet einen Besuch abzustatten.Wie Dircien war auch Dracon einst von ihm unterrichtet worden.
»Was ist?«, erklang die mürrische Stimme des Dämons.
»Nichts, ich wollte nur sicher stellen, dass du mir auch wirklich zuhörst, aber dem scheint ja leider nicht so…«
»Nein, ich habe nur nachgedacht.«
»Großartig. In letzter Zeit bist du immer öfter in Gedanken. Überlass das Planen von Intrigen lieber den Frauen, die sind besser darin.«
Dircien warf dem Jungen neben ihm einen verächtlichen Blick zu.
Er war solche Bemerkungen zwar von ihm gewohnt, aber dennoch hieß das nicht, dass er sie auch immer für passend hielt.
Dracon beschwerte sich so gut wie immer. Das lag gar nicht so sehr daran, dass er an allem Anstoß fand, er konnte seine Zunge einfach nicht im Zaum halten.
Darunter sollte ihre Freundschaft aber nicht leiden. Außerdem war es ganz gut manchmal jemanden, wie Dracon um sich zu haben, der ganz offen seine Meinung sagte. Und dennoch seine gute Laune nicht verlor.
»Sag bloß sie wollte dich schon wieder nicht?!«
Dracons Liebesleben war eine Sache für sich.
Schon vor langer Zeit hatte Dircien den Überblick über Dracons unzähligen Frauen verloren. Dircien wusste, dass sie ihm alle so gut wie nichts bedeuteten. Genau das war wahrscheinlich auch der Grund, weshalb nie mehr als nur eine Nacht daraus wurde. Dircien konnte sich gut vorstellen, dass seinem Freund, dieses freie Leben mehr gefiel als nur ein Weib mit dutzenden Kinder zu haben, die auf ihn warteten.
Es fiel Dircien zwar schwer, das nachzuvollziehen, aber dennoch störten ihn die Beziehungen seines Freundes nicht. Immerhin stand es ihm nicht zu sich da einzumischen, es sei den Dracon trieb es zu weit. Doch so wie er ihn kannte, würde das nie geschehen, dafür besaß er zu viel Verstand. Es störte Dircien auch nicht, dass einige seiner Weiber sich nachher zu ihm ausheulen kamen.
»Was heißt hier schon wieder?!«, gab Dracon empört zurück, »Wie viele Weiber haben sich denn schon mit dir eingelassen? Ich wette nicht eine einzige, die haben wahrscheinlich viel zu viel Angst vor dir. Immerhin bist du im ganzen Land bekannt als Dämon. Die befürchten sicher, dass du sie tötest und auffrisst, anstatt sie zu küssen.« Dracon lachte, während Dircien nur wütend knurrte.
»Lass meinen Namen da raus, sonst fängst du dir eine!«
Dracon brauchte gar nicht so groß reden, immerhin war er selbst eine Bestie.
Außerdem so kindisch, wie er sich manchmal aufführte, würde er eh nie eine finden, die es lang mit ihm aushielt.
»Ein wenig mehr Respekt würde dir wirklich nicht schaden, und auch an deiner Selbstbeherrschung solltest du arbeiten Drachenjunge!«
Die beiden Jungen erstarrten, als die Stimme ihres Meisters neben ihnen erklang. Sie drehten sich nahezu gleichzeitig zu ihm um. Das Bild das sich ihnen bot, ließ sie beide den Atem anhalten. Der alte Mann war schwer verwundet und blutete aus zahlreichen Wunden an den Armen und Beinen.
»Meister! Wie oft habe ich Ihnen gesagt, dass sie viel zu alt sind zum kämpfen?«, gab Dracon spöttisch zurück, noch bevor Dircien ihn daran hindern konnte.
Wut blitzte kurz in den Augen des Meisters auf, dann wurde Dracon zu Boden geschleudert.
Wieso musste es jedes Mal so enden, wenn die beiden sich begegneten?
Diese Frage stellte sich Dircien nun wohl schon zum hundertsten Mal und immer noch wusste er keine Antwort darauf. Er hatte nie wirklich das Gefühl gehabt, dass Ricmet Dracon anders behandelte, als die anderen Jungen, aber dennoch stritten sich die beiden jedes Mal wenn sie sich sahen. Es waren letztendlich wohl doch Dracons aufbrausende Art und sein Humor, den sein Lehrer nicht ab konnte.
»Reiz mich ja nicht Dracon, ich kann nicht behaupten, dass ich nach einem solchen Tag noch viel Geduld mit dir haben werde!«
Als Dracon nichts erwiderte, fügte Dircien noch hinzu: »Das hättest du eigentlich auch annehmen können Dracon.«
Dircien musste einfach eingreifen, immerhin kannte er seinen Meister gut genug um zu wissen, wann mit ihm nicht mehr zu Spaßen war. Außerdem besaß er im Gegensatz zu Dracon den nötigen Respekt vor seinem Ausbilder.
Der Drachenjunge stand auf, klopfte sich den Staub von der Hose und antwortete schnippisch: »Nicht jeder hat eben eine so gute Beobachtungsgabe wie ihr Herr.«
Dircien glaubte zuerst sich verhört zu haben bei seinen ersten Worten, doch als Dracon sich auf mehr als lächerliche Weise vor ihm verbeugte, wusste Dircien, dass Dracons Stichelei diesmal ihm galt. Als Dracon den Kopf neigte, konnte Dircien immer noch die spitzen, weiß Zähne sehen, die durch Dracons Grinsen zum Vorschein kamen. Während ihr einstiger Lehrer nur mehr den Kopf schüttelte, holte Dircien mit dem Fuß aus und trat Dracon brutal in den Bauch.
Wenige Sekunden später lag Dracon auf dem Boden und krümmte sich vor Schmerzen. Dircien lachte unbeschwert. Mit diesem Schlag hatte er nicht gerechnet. Als er sich wieder einiger Maßen erholt hatte, setzte sich Dracon mit einer eleganten Geste aufrecht hin. Diesmal machte er sich gar nicht erst die Mühe wieder aufzustehen.
»Meister, warum seit ihr verletzt?«, wollte Dircien wissen. Seine Stimme klang kühler als beabsichtigt, doch es verfehlte seinen Zweck nicht. Diesmal würden keine dummen Kommentare von Dracon das Ganze ins Lächerliche ziehen.
Als Ricmet eine ganze Weile nichts sagte, bestätigte sich Dirciens Verdacht.
Es gab nur einen, der es wagen würde Ricmet etwas Derartiges anzutun. Dircien wusste das, doch er musste es von seinem Meister selbst hören.
Jede Sekunde, die ohne Worte verstrich, brannten ein Loch in Dirciens Gedanken. Er wusste was jetzt kommen würde.
Er hatte wieder einmal versagt.
Sein Lehrer starrte weiterhin in die Luft. Ein verzweifelter Ausdruck bedeckte sein Gesicht. Dabei war es so einfach das Monster zu nennen, das ihm das angetan hatte.
Marwin.
Er hatte das getan, denn es gab nur einen, der zu so solch Grausamkeiten fähig war.
Allerdings trug die Schuld daran jemand anderes. Nämlich Dircien selbst.
Nur er alleine war für die Qualen seines Lehrers verantwortlich. Er hatte Marwin erzürnt und eigentlich sollte auch er dafür bestraft werden. Doch statt seinen eigenen Sohn zu schlagen, bestrafte Marwin ihn lieber auf diese Weise.
»Meister, ich…«, er brach ab. Unfähig zu sprechen und dem Mann, der für ihn fast so etwas wie ein Vater war, anzusehen.
»Dircien schau mich an«, forderte Ricmets sanfte Stimme. Doch Dircien konnte es nicht ertragen. Er wollte den tröstenden Blick seines Meisters nicht sehen.
Es war zu viel für ihn. Es war endgültig genug.
Wie viele Wesen mussten noch wegen ihm leiden?
Wieso bestrafte Marwin ihn auf diese Weise?
Wollte er ihm wieder zeigen, wie wertlos er war?
Das musste sein Vater nicht tun, er hätte es auch so gewusst! Es war nicht nötig ihm das immer wieder vor Augen zu führen, er hatte es schon längst verstanden. Der Tod seines Bruders hatte ihm das nur allzu deutlich vor Augen geführt.
Als sein Bruder noch lebte, war alles anders gewesen. Karun hatte für ihn gesorgt. Dircien wusste damals schon, dass Marwin ihn nie lieben würde, egal was er tat.
Sein Leben war für Marwin bedeutungslos.
Spätestens die Woche in der Folterkammer hatte ihn das gelehrt.
Er war nutzlos, überflüssig.
Er verdiente den Tod, nur das war der Sinn seines Lebens, den Tod und das Leid derer mit anzusehen, die ihm etwas Bedeuteten. Um dann am Ende ebenso qualvoll vom Antlitz dieser Welt zu verschwinden.
Sanft legte sich eine Hand auf seine Schulter, er nahm sie zuerst gar nicht wahr.
Er hörte das Knarren des Leders, als sich der Griff auf seiner Schulter verstärkte. Doch das war auch schon alles. Die eindringliche Stimme seines Meisters drang nur gedämpft zu ihm durch. Er versuchte gar nicht erst sie zu verstehen. Denn wenn es etwas gab, dass er nicht hören wollte in diesem Moment, dann waren es all die Aufmunterungen und die Lügen, dass alles besser werden würde.
Er konnte es einfach nicht mehr ertragen und wandte ihnen den Rücken zu. Wenn er ehrlich war, wollte es eigentlich auch gar nicht.
Wieso konnte er nicht einfach sterben? Mussten denn alle, denen er etwas Bedeutete und die ihm etwas Bedeuteten leiden?
Das war nicht gerecht.
So sollte es nicht sein. Er ganz alleine sollte für seine Vergehen bestraft werden, nicht die anderen. Er stellte sich vor welche Genugtung und Befriedigung Marwin empfunden haben musste, als er seine Stärke gegenüber dem alten Mann beweisen konnte. Ricmet hatte es einfach nicht verdient so behandelt zu werden. Immerhin war Ricmet es gewesen, der sich um Dircien gekümmert hat, als sein Bruder nicht mehr lebte um ihm den Vater zu ersetzen.
Marwin war ein Monster, aber er selbst war noch viel Schlimmer. Nur wegen ihm litten die treusten Diener, zu keinem anderen war Marwin so grausam wie Dircien gegenüber.
Keinen Anderen bestrafte er auf diese Weise. Also konnte es nur an Dircien selbst liegen.
Er war wahrlich ein Dämon. Wer auch immer Marwin zu diesem Namen geraten hatte, wusste, was für ein Monster sein Sohn in Wirklichkeit war.
Er war ein Fluch für alle, die mit ihm leben musste.
Vielleicht war es besser einfach zu verschwinden.
In dem Moment, als er diesen Gedanken erfasste, wurde er heftig zur Seite geschleudert. Sein Meister zwang ihn den Blick zu heben und sich seinen Verbrechen zu stellen. Doch das konnte er nicht, er konnte es nicht einfach so akzeptieren, wie er.
Dircien ertrug die ganze Situation nicht mehr. Es war ihm als öffnete sich ein großes Loch unter seinen Füßen und wollte ihn verschlingen.
Für seinen Vater war er nichts weiter als ein Mittel zum Zweck. Er war nichts weiter als ein Untergebener, eine Marionette, die man in die Schlacht schickte um neue Gebiete zu erobern und so viele Lichte wie möglich damit umzubringen. Es war ihm egal, wie Dircien sich dabei fühlte. Gefühle spielten keine Rolle, es ging nur darum seine Anforderungen zu erfüllen. Sterben würde er so oder so früher oder später, und es war nicht Marwins Leben, das gefährdet war, also wieso sollte sich sein Vater dann darum kümmern.
So viele Schlachten hatte er schon geführt, so viele Menschen und andere magischen Wesen in den Tod gerissen, doch es bedeutete ihm nichts, es war nicht sein Sieg um den Dircien mit den Lichten kämpfte, nein es war der seines Vaters. Dieses mächtigen Mannes, der nur selten selbst auf dem Schlachtfeld stand und dennoch so viel Ruhm erntete.
Wie sollte es auch anders sein?
Er hatte sich schon Jahre zuvor als guter Krieger bewiesen. Er hatte diese kleinen Kämpfe nicht mehr nötig, er hatte sich das Wohlwollen des Volkes schon längst gesichert. Keiner erhob mehr Einspruch gegen ihn, Marwins Wort lag über dem der Anderen. Und do h schickte er immer mehr Soldaten in den Krieg, immer noch fanden Wesen jeden Tag den Tod und trotz allem war es Marwin nicht genug.
Nicht das Dircien etwas gegen diese Schlachten auszusetzen hatte, nein er genoss es förmlich diese Lichten niederzumetzeln, immerhin waren sie es gewesen, die seinen Bruder gegen Marwin aufgehetzten. Natürlich hätte er gerne, wie alle anderen in seinem Alter noch mit Ricmet trainiert. Doch das ließ sein Vater nicht zu. Ab dem ersten Tag, wo er ein Schwert richtig führen konnte, musste er schon in die Schlacht ziehen. Und Dracon gleich mit ihm. Er schloss die Augen, wieder überfiel ihm eine Welle des Schmerzes, er wollte fliehen, er wollte nicht mehr mitspielen, wollte nicht mehr lernen das Schwert zu führen und zu töten.
Er hatte Angst so zu werden wie sein Vater, aber das war wohl sein Schicksal. Schon jetzt wurde er vom Volk gefürchtet.
Das war seine Zukunft.
Hoffnungslos und das bis in alle Ewigkeit, denn solange würde er leben.
Und wie sollte er auch hoffen, dass ihn jemand aus diesem Gefängnis rettete?
Es gab niemanden, der sich gegen Marwin auflehnte. Genauso wenig wie es jemanden gab, der seine Stärke mit der von Marwin messen konnte. Es gab einfach niemanden. Nur Marionetten und Diener seines Vaters.
Wie so oft schon kam es ihm vor, als bliebe ihm die Luft zum Atmen weg.
Luft, die er doch so sehr zum Überleben brauchte.
Diese Unterdrückung brachte ihn langsam aber qualvoll um. Als Dämon geboren würde er auch einen solchen Tod sterben. Aber bis es endlich soweit war, würden noch Jahrhunderte ins Land ziehen.
Es gab nichts, was dagegen unternommen werden konnte, es war einfach sein Schicksal und doch starb dieses Feuer des Zorns in ihm nicht. Es gab nichts, dass er mehr wollte, als den Tod seines Vaters und ein Leben in Freiheit.
Blind vor Verlangen nach etwas, das er doch nie bekommen würde, riss er sich los und rannte.
Rannte bis seine Füße ihn nicht mehr trugen und seine Schwingen diese Aufgabe übernehmen mussten.
Immer weiter weg von der Finsternis, in die er geboren wurde und doch immer tiefer hinein in die Dunkelheit, die ihn umhüllte.
Gab es denn nichts, was ihn erlösen konnte?


Während Dircien verzweifelt einen Ausweg aus seiner für ihn so dunkel vorkommenden Zukunft zu finden versuchte, kämpfte nur wenige Meilen entfernt ein ganz ähnliches Wesen um ihr Überleben.
Dieses Geschöpf war wie Dircien ein Flügelwesen, wenn auch ein lichtes.
Emerelle war eine Waise.
Ausgesetzte Kinder waren zu dieser Zeit nichts Ungewöhnliches, und doch waren sie nicht gerne gesehen. Vor allem dann nicht, wenn sie wie Emerelle gezielt ausgesetzt wurden. Auch wenn das Gesetz der Lichten besagte, dass diese »verlorenen« Kinder nicht abgewiesen oder getötet werden durften, war ihr Leben dennoch nicht das, was man als gut bezeichnen konnte.
Ihr Herr legte nicht viel wert auf sie, wodurch ihr Leben trotz aller Gesetze an einem seidenen Faden hing. Da sie nicht unter seinem Schutz stand, wurde sie oft Opfer der Schikanen der anderen Diener.
Emerelle fragte sich oft, welches Vergehen sie begangen hatte, um so bestraft zu werden.
Einst vor etwa hundert Jahren hatte sie es gewagt diese Frage an ihren Herrn zu richten.
Ein schwerer Fehler. Nicht nur, dass er betrunken war und sie so hart gegen die Mauer schlug, dass sie eine riesige Platzwunde am Kopf hatte, auch seine Antwort war nicht gerade schön ausgefallen. Ganz unverblümt, machte er sich über sie lustig, über ihre Dummheit und ihre Nutzlosigkeit. Er meinte damals, es sei kein Wunder, dass kein anderer ein solches Wesen, wie sie wollte. Dieser eine Satz hatte sie damals mehr verletzt als seine Fäuste zuvor.
Es dauerte zwei Monate bis sie über seine Antwort hinweggekommen war und einen für ihr weiteres Leben wichtigen Entschluss fasste. Niemals wieder, würde sie irgendjemandem außer sich selbst vertrauen. Denn der Schmerz, der danach folgte, war schlimmer als jede körperliche Verletzung, die man ihr zufügen konnte.
Sie schwor sich an diesem Tag, dass auch wenn ein Mann stark genug sein würde, um sie körperlich in die Knie zu zwingen, er ihren Willen nie brechen würde. Sie würde kämpfen und sich wehren.
Dieser Entschluss veränderte sie und die Leute begannen sie zu meiden. Emerelle empfand nie so etwas wie Einsamkeit, sie hatte nie gelernt jemanden zu haben, der sich um sie kümmerte.
Richtig kümmerte. Jemand, der ihr Mut zusprach, sie zum Lachen brachte und mit ihr herumtollte.
Die Anderen nahm sie nicht als Individuen wahr, sondern als etwas, dass einfach lebte um sie zu quälen.
In dieser Welt, die sie eigentlich hassen müsste, gab es dennoch etwas, dass ihr Trost spendete und das war der Wald rund um Erkans Anwesen.
Es schien ihr, als würde er sich ihrer Stimmung anpassen. Wenn sie traurig war, fielen die Blätter von den Bäumen, doch sobald sich ihre Stimmung aufheiterte, begannen die Blumen ihre Köpfe aus der Erde zu strecken und das ganz unabhängig von den Jahreszeiten. Sie wusste nicht genau was es war oder wie es funktionierte, aber es hatte auf jeden Fall mit Magie zu tun.
Wann immer Emerelle von ihren Gefühlen überwältigt wurde, schlich sie sich aus dem Haus und rannte bis tief in den Wald hinein. Sobald sie die Stille umgab, konnte sie loslassen und ihre Gedanken neu ordnen.
An jenem Tag saß Emerelle wieder einmal auf dem Moos bewachsenem Waldboden.
Sie runzelte die Stirn, denn sie spürte, dass etwas nicht stimmte.
Es schien, als wäre der Wald leer, als hätten all seine Bewohner die Flucht ergriffen.
Emerelle konnte die Gefahr deutlich spüren. Etwas näherte sich, ein Ereignis, das bald stattfinden würde.
Etwas Mächtiges kam auf sie zu.
Nicht zu wissen, um was es sich dabei genau handelte, brachte sie beinahe um den Verstand.
Es war nicht das erste Mal, dass sie dieses beunruhigende Gefühl hatte.
Vor Jahren hatte es sich schon einmal bemerkbar gemacht. Damals zeigte es sich intensiver und es vergingen Wochen bis es wieder so plötzlich wie es gekommen war, verschwand. Sie wusste nicht, was es auslöste, aber sie wollte es auch gar nicht genau wissen.
Erfahren hatte sie es allerdings dennoch, jedenfalls war sie überzeugt, dass dieses Ereignis mit dem Gefühl zusammen hing. Ein Stallknecht erzählte ihr damals, dass eine Schlacht gegen die Wolfsstämme im Westen stattgefunden habe. Die Wölfe hatten sich mit dem Lichten verbünden wollen, doch der dunkle Herrscher wollte das nicht zulassen und ließen sie alle auslöschen. Es soll eine blutige Schlacht gewesen sein, bei der unzählige Dunkle den Tod fanden. Noch Wochen quälte sie der Gedanke es nicht verhindert zu haben..
Und nun Jahre später war dieses seltsame Gefühl schon wieder da. Irgendetwas würde geschehen, etwas Schlimmes und zwar hier in ihrer Heimat.
Nur was?
Sie wüsste es zu gerne, doch es war schon fast Mittag und sie sollte sich wieder auf den Rückweg machen.
Es dauerte nicht lange, bis sie auf dem kleinen Hügel oberhalb des Anwesens stand. Von hier aus führte eine breite Straße zum Hauptgebäude. Im Sommer kamen die Händler mit ihren großen Karren immer diesen Weg hinab. Zu dieser Jahreszeit versuchte Emerelle deshalb diesen Pfad immer zu meiden, was ihr oft mühsame Umwege zu ihrem Lieblingsplatz einbrachte. Außer diesem Weg, gab es noch einen wesentlich größeren, der zum Haupttor des Hauses führte. Diese Straße führte, wie Emerelle erfahren hatte, direkt zur Hauptstadt des lichten Reiches. Emerelle war noch nie außerhalb von Erkans Grundstücks gewesen, aber sie hatte auch nicht vor es zu verlassen, immerhin gab es keinen anderen Ort, an den sie gehen konnte. Sie war alleine auf dieser Welt. Erkan verpflegte sie mit allem, was sie zum Überleben brauchte.
Würde sie ihn verlassen, wäre das zu hundert Prozent ihr Tod. Auch wenn sie ihren Tod schon lange, als bessere Alternative als ihr jetziges Leben ansah, so glaubte sie dennoch nicht, dass ihre Eltern ihren Tod gewollt hätten. Dann wäre sie immerhin schon längst nicht mehr am Leben. Was blieb ihr anderes übrig, als zu hoffen, dass sie irgendwann kamen um sie von hier fortzuholen.
Sie würde Erkan nicht verlassen, nicht solange die Zeit dazu nicht gekommen war.
Neben diesen beiden großen Straßen, gab noch den kleinen Trampelpfad, den die Dienerinnen und Emerelle benutzten, wenn sie Wasser vom Fluss holten. Ansonsten gab es keinen Weg, der von seinem Haus fortführte, es sei denn man nahm die Mühen auf sich und ging abseits der Wege, was durch all die gereizten Waldbewohner sehr gefährlich war.
Emerelle huschte über den Hof und ging eilig um das Anwesen herum. Als sie sich zur Hintertür hinein schleichen wollte, hörte sie eine raue Stimme hinter sich.
»Wohin so eilig?«
Es war nicht Erkan. Die Stimme ihres Herrn hätte sie sofort erkannt. Sie gehörte Fazor, einem Krieger der schlimmsten Sorte. Sie wollte sich zu ihm umdrehen, da packte er sie grob an den Haaren und zog sie hinter sich her in Richtung der Privatgemächer ihres Herrn.
»Fazor lass mich los! Ich habe nichts Unrechtes getan!«, stammelte sie.
»So klingt nur eine Lügnerin!«
Sie hasste und fürchtete zugleich den verächtlichen Ton in seiner Stimme.
Es dauerte nicht lange, da waren sie vor einer großen Tür aus Eichenholz angekommen. Fazor trat sie auf und gab ihr einen kräftigen Stoß.
Sie stolperte in den Raum.
»Richtet sie angemessen her!«, befahl er und schloss die Türe ohne einen weiteren Blick auf sie zu werfen.
Emerelle atmete erleichtert auf. Sie war nicht zu Erkan gebracht worden, das war gut, denn das bedeutete, dass er sie nicht wieder schlagen würde. Sie erinnerte sich noch gut an die Zeit, als er sie seinen Gästen, wie ein wildes Tier vorgeführt hatte. Keiner der Gäste hatte nur einen Finger gerührt, als er sie bis in die Bewusstlosigkeit schlug. Das Lachen der Anderen hallte ihr bis heute noch in den Ohren.
Als sich etwas hinter ihr bewegte, zuckte sie zusammen.
Ruckartig drehte sie sich um und bemerkte einige Dienerinnen. Ein paar der Gesichter kamen ihr bekannt vor, aber sie versuchte gar nicht erst den Gesichtern Namen zuzuordnen. Zuerst wirkten die Dienerinnen etwas Schüchtern, doch dann trat eine der älteren hervor, packte sie an den Schultern und zog sie auf die Beine.
Als Emerelle versuchte sich klein zu machen, lachte die Dienerin und sagte: »Seht sie euch an! Wie sie dasteht! Und erst ihre Kleider, einfach schrecklich. Hast du denn gar keine weiblichen Züge? Schämst du dich nicht? Was sollen bloß die Männer von dir denken?«
Diese Aussage verwirrte Emerelle.
»Wieso sollte ich mich schämen? Sie schlagen und treten mich ohne das ich irgendetwas tue.«
Vielleicht hätte sie besser den Mund gehalten, denn der strenge Blick der Dienerin verunsicherte Emerelle noch mehr.
»Na das ist mal einen lustige Antwort. Unsere Lena ist da ganz anders nicht wahr, wenn man sich ihr Benehmen gegenüber Männern anschaut und es dann mit ihrem vergleicht...«
Das Mädchen kicherte, die anderen Dienerinnen stimmten mit ein, als sie von dem Mädchen, das neben ihr stand in die Seite geboxt. Nur die alte Frau, der Emerelle geantwortet hatte, blieb ernst.
Als sie sich räusperte wurde es sofort wieder still im Raum.
»Los zieht sie aus und wascht sie!«, befahl die Frau. Sobald das letzte Wort ihre Lippen verließ, kam Leben in die anderen Gestalten. Sie huschten herum, halfen ihr beim Ausziehen, sowie beim Waschen und Anlegen des neuen Kleides.
Emerelle konnte ihnen nur stumm zusehen, sie war es nicht gewohnt, dass ihr jemand half. Und sie hoffte inständig, dass sie sich auch nicht daran gewöhnen würde, da es sie später nur noch mehr verletzen würde.
»W-Warum?«, stammelte sie, als die Frauen ihre Arbeit vollbracht hatten und sie wie ein Meisterwerk betrachteten.
»Weil Besucher vor einigen Tagen bemerkten, dass du aussähst, wie ein wildes Tier und um diesem Gerücht ein Ende zu bereiten, beschloss Meister Erkan, dass es an der Zeit wäre, dir deine Freiheiten zu nehmen. Von nun an wirst du dich jeden Tag waschen und deine Kleider wechseln!«
Sie taten es also nicht ihretwillen, dachte Emerelle.
Obwohl sie damit gerechnet hatten, war sie dennoch verletzt.
Tränen rannen ihr über die Wange. Sie konnte sie nicht stoppen. War es das wovor sie gewarnt werden sollte? Das sie schon bald hinter den Mauern diese Gebäudes gefangen war?
Nein, dass konnte nicht sein, immerhin war dieses Gefühl immer noch vorhanden. Außerdem war sie schon ihr ganzes Leben lang eine Gefangene und würde es auch immer sein.
Die Älteste hatte die anderen Mädchen wieder entlassen, so dass sie wieder ihren gewohnten Pflichten nachgehen konnten. Sie betrachtete das Mädchen vor sich.
Nein, das war kein Mädchen mehr, dieses Wesen war schon fast 200 Jahre alt, rief die Alte sich ins Gedächtnis. Dennoch sie benahm sich wie ein Kind, sie hatte auch erst den Körper einer jungen Frau.
»Hör auf zu weinen. Sieh doch du kannst immer noch nach draußen, du wirst weiterhin Wasser holen und Wäsche waschen, auch wenn sich die meisten deiner zukünftigen Arbeiten auf das Haus konzentrieren werden!«
Das Mädchen schien ihr nicht zu glauben, ihr Blick war leer, fast schon seelenlos und doch rannen ihr Tränen über die Wangen.
Wie konnte das sein?
Was stimmte mit diesem Geschöpf nicht?
Dieses Ding war ihr mehr als nur unheimlich.
»Mutter, wir brauchen noch Wasser!«, erklang eine Stimme von der Tür. Die alte Dienerin nickte, dann wandte sie sich Emerelle zu. Die Alte wartete eine Weile, dann ging sie zur Tür, nahm den Eimer und warf ihn Emerelle vor die Füße.
»Geh.«
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