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Verloren


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sophia
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Anmeldedatum: 01.03.2009
Beiträge: 160
Wohnort: Mühlviertlel

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BeitragVerfasst am: 23.01.2010, 16:35    Titel: Verloren Antworten mit Zitat

Endlich ist sie mal rausgegangen
Endlich an die frische Luft gegangen

Und sie selbst kämpft sich durch den Nebel, will die grauen Geister gar nicht sehen. Geht, geht, geht. Sie will es nicht und geht. Was sonst? Sie hasst die blassen Wölkchen vor ihrem Mund, die sie nur an Seelen erinnern. Die Seele.
Sie kämpft wie immer, wenn sie aufwacht, außer Haus geht, heimkommt und drinnen bleibt. Wenn sie den leeren Platz neben sich spürt, das leere Gefühl, wenn es so ist, als würde sie die dritte Person sein. Sie kämpft in der Hoffnung alles würde wie früher werden, in dem Wissen, dass es gelogen war, dass Zeit Wunden heilt. Das einzige was sie weiß ist, dass sie nicht mehr Statist sein will in ihrem eigenen Film, dass nicht nur Hauptdarsteller sein sondern auch die Regie führen möchte.
Und doch kann sie es nicht.
Kalt scheint die Sonne durch das Grau des Nebels. Die Bäume waren kahl aber trotzdem wunderschön. Kahl. Kahl. Eigentlich ein Wort ohne Bedeutung und doch bedeutet es alles im Gedanken an ihn. An seinen kahlen Kopf zum Schluss. An die Bäume, die ihre Blätter verloren haben, die erstickt vom Schnee am Boden zerbrechen. Und ihre Mütter, die in stummer Ohnmacht kahl verbleiben.
Ruhig bleibt sie stehen und schließt ihre Augen um die Gespinste nicht mehr zu sehen. Leise streckt sie ihre Hand ins Leere, versucht kaum zu atmen. Nur zu fühlen. Seine Hand, da, wo jetzt nur Nebel ist. Langsam setzt sie den Fuß vor den anderen, achtet nicht darauf, dass es allein ihre Schritte sind, die die blasse Schneedecke durchbrechen. Und sie spürt und spürt. Bis sie beinahe zerspringt. Ein einziger Augenblick der sofort Vergangenheit ist und der kurz darauf wieder auflebt und stirbt, eine Folge und immer dieselbe Hoffnung, er möge ewig fortfahren.
Kalt fällt sie in den Schnee und ihre Hand fühlt nur mehr kaltes Wasser. Verwirrt starrt sie sie an, verblüfft, dass es wirklich nur Wasser ist.
Die Kälte fängt an zu fesseln und sie dreht um und geht nach Hause. Nach Hause. In Erinnerung. Und mit der Sehnsucht nach einem Frühling der neue Blätter sprießen lässt. Mit der Hoffnung.
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schreiberin
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BeitragVerfasst am: 25.01.2010, 18:04    Titel: Antworten mit Zitat

hallo sophia!

dein text hat mich sehr berührt

besonders gelungen finde ich die verstärkungen der aussagen durch die wiederholung.

wenn ich mir diesen text lese kann ich ich mir die situation bildlich vorstellen, du hast es sehr gut beschrieben

gruß
schreiberin
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stasi
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BeitragVerfasst am: 26.02.2010, 09:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sophia!

Dein Text gefällt mir sehr gut
Du beschreibst die Situation so, dass man sich leicht mir "ihr" identifizieren kann.

"Das einzige was sie weiß ist, dass sie nicht mehr Statist sein will in ihrem eigenen Film, dass nicht nur Hauptdarsteller sein sondern auch die Regie führen möchte. "
Das kenn ich nur zu gut, die Stelle find ich toll.

Liebe Grüße
Anastasia
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sophia
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BeitragVerfasst am: 26.02.2010, 14:31    Titel: Antworten mit Zitat

hallo anastasia,
ganz lieben dank fürs Lesen. Freut mich dass sie dir gefallen hat.
gruß
sophia
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Karl Feldkamp
Satz
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BeitragVerfasst am: 26.02.2010, 19:14    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe sophia,
ein mitreißender Text, der mich in die Emotionen der Protagonistin hineinzieht. Nur an einer Stelle hast du den Fluss unterbrochen :
Langsam setzt sie den Fuß vor den anderen, achtet nicht darauf, dass es allein ihre Schritte sind, die die blasse Schneedecke durchbrechen.

M.E. kann sie in der Gegenwart nicht auf etwas achten, auf was sie nicht achtet. Wer ganz in seinem Gefühl ist, hat einfach diese Distanz nicht zu sich.

Ich würde vorschlagen zu schreiben: Langsam setzt sie einen Fuß vor den anderen. Allein ihre Schritte durchbrechen die blasse Schneedecke.

Ansonsten ist dein Text einfach nur großartig.
Gruß
Karl
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sophia
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BeitragVerfasst am: 05.03.2010, 22:42    Titel: Antworten mit Zitat

hallo karl,
ja stimmt, danke. das ist mir echt nicht aufgefallen. über bestimmte sachen liest man selbst einfach drüber... danke!
gruß
sophia
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georg
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BeitragVerfasst am: 06.03.2010, 02:13    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe sophia,
beschämt gestehe ich, dass ich beim ersten Lesen deines Textes vor über einem Monat zu oberflächlich war. Ich fand ihn (wie natürlich auch jetzt) sehr gut, aber irgendwie und dummerweise hab ich manchmal Hemmungen, nur Beifall ohne konkrete Hinweise auf den einen oder anderen Punkt zu posten.
Nun, angeregt durch Karls Hinweis, finde ich mich endlich ein.
Nochmal Zitat:
Zitat:
achtet nicht darauf, dass es allein ihre Schritte sind, die die blasse Schneedecke durchbrechen.


Was Karl hinsichtlich "achtet ..." sagt, ist zwar durchaus nicht naheliegend, doch goldrichtig.
Ich möchte aber noch ergänzen, dass man vielleicht auch den mit "allein" beginnenden Satz hinterfragen könnte ... denn dass es allein ihre Schritte sind, ist ohnehin klar, somst rührt sich ja nichts in dieser Waldeinsamkeit. Auch wirkt mir das "allein" als Satzanfang irgendwie zu monolithisch.

Sie setzt langsam einen Fuß vor den anderen. Makellos liegt die blasse Schneedecke vor ihr, die sie nun Schritt für Schritt durchbricht und damit gleichsam entweiht.

?

lg
georg
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sophia
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Wohnort: Mühlviertlel

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BeitragVerfasst am: 06.03.2010, 12:08    Titel: Antworten mit Zitat

hallo georg,
umso schöner, dass du jetzt doch noch zeit und wort gefunden hast, den text zu kommentieren Sehr glücklich

das "allein" habe ich eher darauf bezogen, dass sie eben "jemand" neben sich spürt, der hier noch ein letztes mal mit "ihr" geht. ihre augen sind geschlossen, es ist für sie selbst aber klar, eben nicht allein zu sein. außenstehend betrachtend, sind es aber "allein ihre Füße, die die blasse Schneedecke durchbrechen".
wobei hier ist die schwierigkeit, wenn man es schon aus auktorialer sicht betrachtet, dass es natürlich klar ist, dass "sie" alleine ist. da hast du recht. schwierig...

danke
sophia
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