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Literaturforum Österreich :: Thema anzeigen - Oslo 22.07.2011
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Oslo 22.07.2011


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Yggdrasil
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BeitragVerfasst am: 23.07.2011, 10:04    Titel: Oslo 22.07.2011 Antworten mit Zitat

Spontan, wütend - unbearbeitet:

Oslo 22.07.2011

Aus brauner Wurzel Pest verbreitend
Unsichtbar im Gleichschritt schreitend
Weltweit vernetzt
Wird virtuell gehetzt
Agitierend bis in Kinderstuben
zu Nazis werden gute Buben
Ein Einzelner zum Führer sich erhebt
Hass versprüht bis Oslo bebt.

© Marten Petersen
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georg
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BeitragVerfasst am: 23.07.2011, 10:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Yggi!

1,Veranlasst mich formale admin-pflichterfüllung, deinen gereimten Text aus dem Kurzgeschichtenbereich zur Lyrik zu verschieben.

2.Ich verabscheue zutiiefst Hitler, die Hitleristen und ähnlich gesinnte.
Aber ich halte es mit Spinoza ("ich will diese Welt nicht beweinen und auch nicht bewerten - ich will sie verstehen, so wie sie ist").
Und so frage ich mich: CUI BONO?
Die grässliche Bluttat von Oslo hat wenigstens den positiven Nebeneffekt, dass in Norwegen, aber auch sonstwo der Abscheu vor Rechtsrabiaten drastisch zunimmt und dass, wie in deinem Text genannt, die Gefahr in Null zusammenschrumpft, dass ein rechtsradikaler es zum "Führer" bringen könnte.

mfg
georg
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qualcunouno
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BeitragVerfasst am: 23.07.2011, 14:06    Titel: Spontan, wütend - unbearbeitet: überflüssig Antworten mit Zitat

Gestern noch die Islamisten, heute schon die welt weit vernetzten Rechten. Man weiss noch nichts von den Tätern, und betätigt sich schon als ideologischer Trittbrettfahrer. Die Wortschwall ist ähnllch zu bewerten wie scheinbar falsche Bekennerschreiben der Islamisten, Trittbrettfahren.
Sein eigenes Süppchen mit den Opfern zu kochen, ist schäbig. Unendlich weniger schlimm als die Tat, wer immer sie auch begangen haben mag, aber trotzdem schäbig und vorallem überflüssig wie ein Kropf.

Ein herzliches

Pfui, mir graust


Zuletzt bearbeitet von qualcunouno am 23.07.2011, 14:14, insgesamt einmal bearbeitet
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qualcunouno
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BeitragVerfasst am: 23.07.2011, 17:23    Titel: Antworten mit Zitat

@georg
Mit Respekt widerspreche ich auch Dir. Man weiss noch viel zuwenig um irgendetwas aus diesem Verbrechen lernen zu können. Gestern Islamisten, heute früh Nazi, jetzt fundamental christliche Churchillfans und antideutsche Widerstandskämpfer.
Zitat:
Als Idole sind auf der Facebook-Seite der britische Premierminister Winston Churchill (1874-1965) genannt und Max Manus (1914-96) - Widerstandskämpfer während der Zeit der deutschen Besetzung Norwegens.

Und auch wenn man mehr wissen wird. Nicht aus jeder Katastrophe kann man irgendwas lernen, vermutlich auch aus dieser nicht.
Ausser das, was EAV schon vor langem gewusst haben_
Zitat:
Das Böse ist immer und überall.


Damit möcht ich sicher bei diesem Leid nicht lustig sein, aber auch das Leid ist oft banal und völlig unpädagogisch.
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georg
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BeitragVerfasst am: 23.07.2011, 18:04    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Harry, bis auf den Respekt akzeptiere ich alles

dereschpeck-tierlichst
georg
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qualcunouno
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BeitragVerfasst am: 23.07.2011, 18:14    Titel: Antworten mit Zitat

Verzeih mir meine ab- und zugigen Versuche Dich als mein Alterego zu mißbrauchen. Auch ich bin immer wieder versucht in allem und jedem einen Sinn zu sehen und hab diese meine eigene Sentimentalität Dir - mit Respekt - unterstellt um meine eigene Schizophrenie zu camoouflieren.
Aber es fällt eben schwer eine solche Tragödie als sinn- und planlos hinzunehmen. Aber damit muss ich mich halt abfinden.
Als Vater frag ich mich wieviele der Opfer Einzelkinder waren oder Geschwister, ihre Eltern inzwischen zu alt fürs gebären und aufziehen anderer neuer Ebenbilder ihrer selbst. Wievielen Eltern wurde der ganze Lebenssinn genommen. Ohne Sinn von einem Tag auf den anderen. Und als Atheist kann ich nicht einmal beten, dass das uns erspart bleiben möge, sondern nur hoffen.

LG

Harry
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georg
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BeitragVerfasst am: 23.07.2011, 18:41    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, die Kinder, konsequenterweise dann die Kindeskinder usw., die für so etwas wie Unsterblichkeit sorgen sollen ...
aber es ist natürlich ein Truggebilde ...
Ja, vielleicht ein halbes Jahrhundert ist dieses Weiterleben in späteren Generationen ansatzweise da ... aber wie ein Windhauch im erbarmungslos-hirnlosen Äther nur ...
Doch was denn, wenn weitere Halbjahrhunderte ins Land ziehen? Ich halte vielleicht noch mit meinen vor siebenundfünfzig und fünfzehn Jahren verstorbenen Eltern ein wenig einseitige Zwiesprache, aber wie Löwenzahnsamen taumeln diese Gedanken durch die Luft, setzen sich im Nichts und vergehen.
Der verzweifelte Versuch, sich mittels Nachfahren an diese dreckige Welt zu klammern, scheitert kläglich.
Meine zwei Söhne, Anfang dreißig, Atheisten und schonungslos klare Denker wie ich, durchschauen das Trugbild und haben beschlossen, keinen Nachwuchs zu zeugen. Sie meinen, in einigen Jahrzehnten steht Europa so Schreckliches bevor, dass sie es potentiellen Kindern nicht zumuten wollen, und ich untersfchreib das voll.

Servus, alter Ego
georg
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qualcunouno
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BeitragVerfasst am: 24.07.2011, 08:43    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Georg,

ich weiss nicht, ob Dir aufgefallen ist wie widersprüchlich dein letztes Posting zu diesem Thema war:

Zitat:
Meine zwei Söhne,...... wie ich, .... dass sie es potentiellen Kindern nicht zumuten wollen, und ich unterschreib das voll.


Und jetzt sagen Dir Deine weitergebenen Seelen, dass es keine Seele gibt. Es ist aber völlig wurscht, wie oft Du Dich an Deine Eltern erinnerst. Du trägst Sie in DIr in jedem Moment Deines Seins. Und wenn Du Dir die Eier kratzt machst Du das vermutlich wie Dein Papa, auch wenn Du dabei nicht an ihn denkst. Und ob Du willst oder nicht.

Miteinanderreden, Aneinanderdenken ist ja ganz lieb, aber nichts im Vergleich zur Macht der Basenpaarsequenzen.

Ich erkenn in meiner Tochter nicht nur die Gesichtszüge, die Mimik, Gestik und den Bewegungshabitus meines Opas, sondern auch seinen Zorn und seine sonstigen Stimmungen. Meine Tochter ist mehr als 20 Jahre nach seinem Tod geboren, hat ihn nie gesehen oder gesprochen und trotzdem trägt sie ihn in sich in jedem Moment ihres Seins. Ob ihr und mir das eine Freude macht oder nicht. Und ich bin mir da nicht so sicher. Ich war ihm als sein Lieblingsenkerl zwar sehr nah, aber "Wilder Hund" beschreibt ihn nur andeutungsweise. Genauso trägt sie ihre Mutter in sich. Das wird ganz deutlich bei ihrer grafischen Begabung. Sie hat altersgemäß die nahezu identische kalligraphische Schrift wie ihre Mutter und wir haben ihr das Schreiben nicht gelernt, sondern das der Lehrerin überlassen. Und ich glaube kaum, dass sie sehr viel von dem gelesen hat, was ihrer Mutter mit 7 geschrieben hat.

Die Basenpaare tragen nicht nur die körperlichen Eigenheiten weiter, sondern auch die Begabungen und Unzulänglichkeiten, und auch die "Seele".

Wenn ich einmal im Altersheim sieche, wäre es natürlich schön, wenn meine Kinder und Enkelkinder zu Besuch kämen. Aber wichtiger viel wichtiger ist es, dass sie existieren. Sie können aber müssen mich nicht ehren, respektieren, besuchen oder gar lieben. Das ist nur ein kleines Extrazuckerl. Es reicht vollkommen, wenn sie existieren. Und sogar meine Liebe zu ihnen ist dann nicht mehr unverzichtbar, zumindest nicht für sie. Sie hilft nur mir, mich mit meinem eigenen Schicksal, mit meiner eigenen Vergänglichkeit abzufinden. Letztendlich ein recht egoistisches Gefühl.

Hätte ich keine Kinder, gäb es schon einmal einen sehr guten Grund weniger mit meiner oder irgendeiner Frau dauerhaft und in Treue zusammenzuleben. Gut in meinem Fall, gibt es da noch jede Menge weiterer, aber keiner ist so gut wie der der Kinder. Angesichts der Tatsache, dass ich objektiv ein eher schwieriger Charakter bin, von schlampig, faul bis konfrontativ, gäb es für meine Frau vielleicht gar keinen Grund mich 24/7 auszuhalten. Sie könnte ja das Wochenende mit mir verbringen, wenn ich brav wär.

Und auch in der Hockn bräucht' ich mir noch weniger die Haxn auszureißen, als ich das ohnehin schon tu. Für eine Garconniere, mein Papperl, mein Pipperl meine Tschick und das Internet würde auch viel weniger reichen. Manche schaffen, dass sogar mit Sozialhilfe und bei Gott verachte ich sie dafür nicht. Aber beneiden tu ich sie auch nicht darum, dass sie grenzenlos frei sind, auch frei sich ins Grab zu saufen, zu rauchen und zu schnupfen, weil ihnen sowieso keiner nachweint und eine Garconiere frei wird.

Diejenigen aber, die sich einen Haxn ausreißen ohne Kinder zu haben, die verachte ich vielleicht schon ein bisserl, wenn auch diese Verachtung in ihrer edelsten aber auch absolutesten Form daher kommt, nämlich als Mitleid. Die haben es einfach nicht geschnallt. Versauft Euch doch, stehlt dem Herrgott, an den ich nicht glaube, den Tag, ihr könnt ja ohnehin nix ins Grab mitnehmen.

Ich wünsch' Deinen Söhnen aber auch Dir, dass die sich es noch einmal anders überlegen. Auch ich hab bis 40 gebraucht Weil wenn nicht, können Sie der Bedienerin, im Altersheim die vermutlich nicht ihre Sprache spricht, die Fotos von ihren Mercedes oder Seychellenurlauben zeigen, und nicht die von ihren Kindern und Enkerl. Der polnischen oder türkischen oder rumänischen Putzfrau, die dann ihr einziger Sozialkontakt ist, ist das eine so wurscht wie das andere, aber ihnen selber sicher nicht. Lieber Sandler mit Prole, als kinderloser Gutsbesitzer mit Personal.

Ich hab vor einem halben Jahr meinen Vater des öfteren in der Reha besucht. Kein Mann der Worte, weder der kleinen und schon gar nicht der großen. Und normalerweise reicht es uns beiden wenn wir miteinander ein Bier trinken, das verbindet und jetzt teilen wir es uns das eine Bier. Nach so einem geteilten Bier hat er mir was gesagt, was mich nicht nur freut sondern etwas was ich auch als sehr weisen Rat verstehe. Er meinte, er hätte sein Lebtag seinen Bruder, meine Onkel bewundert. Ein fescher, gscheiter, wirtschaftlich erfolgreicher Frauenliebling. Jetzt würde er das nicht mehr tun, wenn er seine Kinder und Enkelkinder sehe. Mein Onkel musste den Tod seines einzigen Kindes miterleben. Und darum erschreckt mich diese Geschichte ihn Norwegen so.

Und das mit Europa wird soviel schlechter werden, dass man keine Kinder in die Welt setzen sollte, ist mit Verlaub - der Respekt stinkt Dir ja - ein Schmarren oder um wenigsten einmal im Leben eine gelungene Metapher aus meiner dritten bis vierten Heimat an passender Stelle verwenden zu können - gequirrelte Scheiße.

Aller Voraussicht wird es nicht so schlecht wie das Europa, in dem meine Elten aufgewachsen sind im Krieg. Als ungeliebte Waise bei Verwandten oder ihm Heim und Vater in der Gefangenschaft und danach noch immer 10 Jahre Hunger, den nicht alle meine Onkel und Tanten überlebt haben. Und ihre Kinderaugen haben Dinge gesehen, vor denen mir heute noch graust, auch wenn sie mir nur erzählt wurden.

Vielleicht war es von meinen Großeltern und meinem Vater gedankenlos, ja gar verantwortungslos diese vielen Kinder in die Welt zu setzen. Aber es war dennoch richtig. Weil das ist der einzige Grund, warum ich lebe, und warum meine Kinder leben. Und für meinen Teil bin ich für den überwiegenden Teil meines Lebens mehr als nur dankbar, vor allem die letzten 12 Jahre seit auch ich Vater bin.

Die Weigerung Kinder in die Welt zu setzen ist nicht so sehr und nicht in erster Linie Mord an der eigenen Gesellschaft und Kultur, das mag ja je nach Gesellschaft im Einzelfall tatsächlich gerechtfertigt sein, sondern Selbstzerstörung, Zerstörung der eigenen Seele. Ich bin zwar nicht besonders eitel, aber so weit würd ich mit meiner Seele nun doch nicht gehen, selbst wenn ich die Welt wie sie zu kommen scheint nicht immer liebe.

Erzähl das nicht deinen Söhnen, oder vielleicht doch. Ich hab je älter ich wurde auf das gehört was meine Eltern und Großeltern gesagt haben und es hat mir nicht geschadet.

Wenn Du Ihnen einfach recht gibst, mag sie das im ersten Moment zwar beruhigen, man hört immer gern man hätte recht mit dem was man tut. Aber genau genommen heißt es auch, dass Du bereust sie in die Welt gesetzt zu haben. Und das tust Du in Wirklichkeit ganz sicher nicht.

Ich wünsch Die einen schönen Sonntag, vielleicht schaut ja der eine oder andere Sohnemann vorbei. Und sogar wenn ihr Euch gegenseitig nerven solltet, immerhin existiert ihr.

Liebe Grüße


Harry
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georg
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BeitragVerfasst am: 24.07.2011, 09:22    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Harry

mit Erlaub, so sehe ich das überhaupt gar nicht. Vor 60 oder 65 Jahren (ich bin Jahrgang 1947) gab es HOFFNUNG. Ich sehe, was soll ich denn machen außer ehrllich sein; heute keine Hoffnung. Die derzeitigen Europäer werden aus diesen oder jenen Gründen von der Bildfläche verschwinden.
So wie die Byzantiner verschwunden sind. Und viele andere.
Aber das sag ich nur so.
Im Innersten bin ich der SF-Autor, der davon überzeugt ist, dass uns die künstliche Intelligenz überrunden wird. Sobald die Elektronengehirne oder woswasi Quantenpakete erheblich intelligenter sind als die Menschen, werden sie wahrscheinlich die Herrschaft antreten. Das ist Evolution!
Evolution ist der Mechanismus, der diese Welt antreibt. Der Mensch ist nicht die letzte Stufe.

servus alter Ego georg
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ralfelinchen
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BeitragVerfasst am: 24.07.2011, 09:47    Titel: Antworten mit Zitat

interessante anrisspunkte in deinem letzten beitrag GEORG. da decken sich meine wirr-visionen teilweise teilend mit deinen. das auflösungsszenario sehen wir deutlich im planlosen 8-fachen anlauf euro-politischer schwachköpfe, das griechen-debakel zu lösen, was - ohne einen souverainen bankrott des landes - an sich ein ding der unmöglichkeit ist. (verbindlichkeiten ca 526 milliarden euro) dazu in einem der wirklich erstklassigen u.s. wirtschafts-blogs: der schweizer ökonomist

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qualcunouno
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BeitragVerfasst am: 24.07.2011, 14:45    Titel: Antworten mit Zitat

@georg
Bei allem mit Dir geteiltem zeitgenössischem Kulturpessimismus verwundert mich die Interpretation Deiner eigenen Biographie.

Du bist vermutlich im Jahr des deutsch/österreichischen Armageddon gezeugt worden. Dem denkbar schlechtestem Augenblick ein Kind zu zeugen. Sei deinen Eltern gerade deswegen dankbar dafür.

1946 war der Zusammenbruch eines mörderischen Regimes, und Ordnung, aber keineswegs hoffnungsvoll. Du kannst Dich nicht erinnern aber es in den Geschichtsbüchern nachlesen oder hättest Deine Eltern und Großeltern fragen können. Hungersnot, marodierende, plündernde und vergewaltigende Horden in der Stadt. Die einzige Hoffnung war, dass es nicht mehr viel schlechter werden würde. In der Tat die Russen hätten sich noch schlimmer in Wien aufführen können, nämlich so wie unsere Väter bzw. Großväter kurz davor bei ihnen zuhause. Aber das was sie getan haben war übel genug.

In dem Jahr, in dem Du geboren wurdest, ist mein Großvater aus der Gefangenschaft zurückgekehrt. Seine erste Aktion war kreuz und quer grösstenteils zu fuß übers Land zu ziehen, und seine anfänglich noch acht Kinder wieder einzusammeln von den Bauern, zu denen sie der Hitler in Kost verfrachtet hatte, bis rauf nach Augsburg. Mein damals 10 jähriger Vater hat es gleich 45 selbst vom Jugendheim in Mödling in die Stadt zur Oma geschafft, vorbei an SS und Russen. Nicht alle haben es geschafft. Im Heim hatten die Ältereren den "Erzieher" abgestochen, als man ihnen eröffnete hat man würde sie heim ins Reich nach Westen weg vom Russn verschicken.

Als mein Opa ins Weinviertel kam, begrüsste ihn mein Onkel, indem er zu seinem "Ziehvater" rief: "Vota spias Dial zui, de Zigeina kemman" Er hatte seinen richtigen Vater nicht mehr erkannt.

Was war daran hoffnungsvoll? Und die Hoffnungslosigkeit hat noch gut ein Jahrzehnt angehalten.
Mein Opa fand Arbeit am St. Marxer Schlachthof. Er ernährte die 9 köpfige Familie, in dem er Fleisch über die Mauer meinem Papa zuwarf und das mein Vater zu fuß vom dritten in den zwanzigsten schleppte, in der Hoffnung weder von den Russen noch von den hungrigen Strassenkindern erwischt zu werden. Was ihm manchmal doch passiert ist.

Was bei ersteren nicht lustig war. Die älteren Strassenkindern nahmen ihm das Fleisch einfach ab und er und die Familie würde nur einen Tag mehr hungern.

Die Menschheit wäre längst ausgestorben hätte sie sich angesichts der verschiedenen voraussehbaren und tatsächlich eintretenden Katastrophen, die ihren Kinder noch ins Haus stehen würden, geweigert hätten sich fortzupflanzen. Denn 46 war fürchterlich aber nicht einzigartig, vielleicht sogar typisch für das was die Menschheit eigentlich schon immer erlebte, Kriege, Pest, Hungersnöte Ausbeutung.

Und trotzdem bin ich meinen tausenden von direkten Vorfahren dennoch dankbar, dass sie es gegen jede Vernunft jede Generation wieder gemacht haben.
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georg
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BeitragVerfasst am: 24.07.2011, 15:45    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Harry, BEWARE OF THE TEACHER!
Die Lehrer können es nicht lassen, Fehler auszubessern-
Ich versuche es so guts halt geht, mir diese ungute Art zu verkneifen ... aber hier gehts nicht anders, weil der error sinnentstellend wirkt-
1946 war das europäische Armageddon schon acht Monate vorüber.
Und 1947, in dessen Februar ich ins Freie gesetzt wurde, schon zwanzig Monate. So lang braucht nicht einmal eine Elefantin.

Dass ich während des Hitlerregimes (ehelich) gezeugt worden wäre, hat der Totengräber Europas zu verhindern gewusst. Mein Vater besaß nämlich keinen "Ariernachweis", und so durfte ihn meine arische Mutter nicht heiraten.
Dann, Mitte 1945 war der Spuk auf dem europäischen Kriegsschauplatz dank der roten Armee (deren Trosse dann im besetzten Land oft gewütet haben, ähnlich wie bei der deutschen Wehrmacht die Frontsoldaten in den seltensten Fällen Plünderung und Vergewaltigung usw betrieben, dafür aber die bunt zusammengewürfelten rückwärtigen "Dienste") .... also dank Marschall Konjew und Co war der Nazispuk vorbei, für Luise Rack und Viktor H. öffneten sich die Tore des Standesamtes, die ihnen sieben Jahre verschlossen gewesen waren, ... und so Mitte 1946 beschlossen die beiden, Arierin und Ariernachweisloser, ein Kind zu zeugen/zu empfangen --- was meine seltsame Existenz zur Folge hatte.
So schlecht ging es uns nicht einmal (wie mir später erzählt wurde), denn mein Vater betätigte sich; außer als Adressat einer winzigen Frühpension; als Handelsvertreter für Papier, wodurch er von den stets einwickelpapierbenötigenden Fleischhauern öfters neben der Lebensmittelmarkenration fette Happen abbekam (und ich zu fett wurde).

Den größten Teil des Jahres 1947 allerdings atmete das Baby Georg nicht die in Besatzungszonen aufgeteilte Wiener Luft, sondern den unvergleichlichen Duft des Mühlviertels, wohin es Vatermutterkind verschlagen hatte ...

servus, Alter Ego
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BeitragVerfasst am: 24.07.2011, 16:55    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin dem Lehrer dankbar. Ich hab mein "Wissen" aus der Zeit, aus mündlicher Überlieferung von Leuten die damals Kinder war, und es wurde mir übermittelt als ich Kind war. Da ist zwar auch nicht schlechter als der Geschichtsunterricht über diese Zeit, der doch sehr siegerlastig war aber auch nicht authentischer.

Die Geschichte meiner Familie war eine andere. Der Amaggedon dürfte von längerer Dauer gewesen sein. Auf dem Hochzeitsfoto 58 ist mein Vater hautundknochen. Die Ernährungsprobleme offenbar über längere Zeit akut.
Trotzdem komm ich nicht umhin, den tausenden Vorfahren für meine Existenz zu danken. Trotzdem glaube ich nicht das meine Ausgangslage nur annähernd so aussichtslos war wie die ihre.

Ich erziehe meine Kinder in dem Sinne, dass die Fortpflanzung das alles andere überragende Lebensziel ist. Alles andere ist dem untergeordnet nur ein Mittel zum Zweck des Selbsterhaltes. Nicht nur Wohlstand sondern auch Bildung.

Wenn sie nicht auf mich hören wollten, oder könnten -weil sie zum Beispiel schwul oder unfruchtbar wären, ich werd sie trotzdem lieben. Denn ganz kann man der Vergänglichkeit auch mit Kinderkriegen, nicht das Haxl stellen. Irgendwann vorher, schlägt der Meteorit ein, irgendwann explodiert die Sonne, und dann ist Schluß aus mit allen, auch der kollektiven Seele.

Aber jede Generation, die wir dem Schicksal noch abringen ist ein Wert für sich. Man kann mit diesem Plan ganz fürchterlich einfahren. Aber wenn man den Weg nicht weitergeht kann man sicher nicht gewinnen.

Und aus diesem Grund ist mir beim Tod so vieler junger Menschen und Kinder, nicht danach über die politischen Motive des Täters zu spekulieren. Mich berührt als Vater das Schicksal der Eltern. Ich weiss, sowas würd ich nicht durchdrucken. Es gäb keine Grund mehr mich nicht vollkommen zu versaufen.

Wahrscheinlich waren es psychiatrische Gründe des Täters. Wie aber aus den zirkulierenden PDF Datein klar ist, war er genauso wenig ein Idiot wie Hitler. Schreibt verständlich, streckenweise logisch. Wären die Idioten gewesen hätten sie ihre Taten nicht in dieser Form vollbringen können. Der eine musste eine auch technisch logistisch komplexe Wahnsinnstat intellektuell meistern. Das war keine Rohr oder Briefbombe wie die vom Fuchs. Der andere musste Leute von seinem Wahnsinn überzeugen ohne ihn zu entarnen. Beides beachtliche, wenn auch verachtenswürdige Leistungen.


Liebe Grüsse

Harry
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