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Literaturforum Österreich :: Thema anzeigen - Himalaya-Die letzte Festung
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Himalaya-Die letzte Festung
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Kami
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BeitragVerfasst am: 13.09.2013, 07:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hoppla, nein!
Danke für den Hinweis Conrad, mir ist ein Ausschnitt des zweiten Handlungsstrangs hineingerutscht, den ich aus der Geschichte hier aber rauslassen möchte.
Wurde gelöscht, dafür gibt's gleich einen neuen Teil...
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Kami
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BeitragVerfasst am: 13.09.2013, 07:17    Titel: Teil 29 - Gomera Antworten mit Zitat

Teil 29 - Gomera

Es war schwer zu sagen, wie lange er uns schon belauscht hatte, aber gewiss nicht verunsichernd, ob er alleine unterwegs war oder in Gesellschaft. Niemand war in diesen Höhen alleine. Schon gar nicht, wenn er Plattenrüstung und einen Bihänder in bepanzerten Handschuhen trug. Blieb nur noch die Frage, ob es sich um einen Vasallen des Reislords handelte, oder um einen der wenigen, die es wagten sich zu widersetzen und gegen die Invasoren Hand erhoben.
Eine Gruppe in Reihe marschierender Figuren tauchte auf der Kuppe hinter dem Mann auf, um aus den Sichtschlitzen ihrer aerodynamisch geformten Schallerhelme den Sichtkontakt mit ihrem Vorausboten zu wahren. Der Mann ohne Helm, mit einem roten Barett auf dem Kopf, das ihn als Anführer der Truppe auszeichnete, blickte zurück und befahl mit einem Wink nachzurücken. Dann, als er auf Sprechweite an uns herangekommen war, verzog er seinen schwarzen Kriegerbart zu einem verwegenen Lächeln.

„Natürlich kennst du mich, alter Grubenkämpfer“, ging er auf Craig’s vorigen Kommentar ein, der eigentlich nur für meine Ohren bestimmt war. Wie hatte er das hören können? „Mein Name ist Walter von Hohenfels.“
Ich richtete meinen Blick zu Boden und wählte einen Fleck, wo der Untergrund mit möglichst wenig spitzen Steinen gespickt war, um widerwillig niederzuknien.
Mein Herz schlug plötzlich in rasendem Tempo. Unvorbereitet, war ich mitten in die Arme eines Patriarchs gelaufen.
„Zu euren Diensten, Patriarch!“, verbeugte ich mich tief vor dem Anführer. Es blieb nur zu hoffen, dass er uns unsere verspätete Erkenntnis, um wen es sich bei ihm handelte, vergab und uns weiterziehen ließ.
Doch das geschah nicht.
Unzufrieden über unsere Reaktion, war er gezwungen das Wort zu erheben. Es passierte nie etwas Gutes, wenn ein Patriarch gezwungen war, gegenüber einem Niederen das Wort zu erheben. Nicht unter diesen Bedingungen.
„Was ist los, Scherzkeks?“, fragte der Patriarch.
Ich wagte nicht aufzusehen. Ich spürte wie sich seine Hand mir näherte und ich musste nach oben blicken. Die Finger waren ausgestreckt, als würde er mir die Hand reichen.
„Ich mag vieles sein, aber ich bin mit Abstand kein Patriarch. Also komm langsam wieder auf deine Beine, bevor ich verlegen werde“, kam es aus Walter’s lachender Miene.
„Vielleicht darf ich einwerfen, dass von Hohenfels nur ein Künstlername ist“, schritt Drake zur Erklärung ein.
„Danke dass du mir das jetzt sagst“, musste ich Drake für seinen späten Rat rügen. „Es klang authentisch, vor allem bei der Umgebung hier“, verteidigte ich mich und deutete in die Landschaft.
„Macht nichts“, klatschte mir Walter auf die Schulter, indem er sein Schwert an seinem Oberkörper anlehnte. „Ich bin nur ein weiteres armes Schwein wie du, das versucht sich hier eine neue Welt aufzubauen. Der Grund warum ich nicht ständig mit einem Kniefall begrüßt werden möchte, ist nur der, dass hier sonst bald kein Gras mehr wachsen würde.“
Dumpfes Gelächter ging durch die Runde seiner behelmten Mitstreiter.
„Erlaubt mir euch meine Männer vorzustellen, die Wölfe von Dunkelstein. Die größten Haudraufs die du hier je sehen wirst. Eine hervorragende Truppe.“
Ich blickte an seinen massigen Schulterplatten und Schildbrechern vorbei, um die Ähnlichkeit ihrer Rüstungen mit der von gotischen Rittern festzustellen.
„Das kann ich mir vorstellen“, konnte ich gut nachvollziehen. „Wir hätten Einige davon brauchen können, als wir mit den Nomaden zu kämpfen hatten.“
Walter nickte wissend. „Das sind die stärksten Rüstungen, die im B.I.R.T.H. je gebaut wurden. Aber egal was wir aufbringen, der Reislord hat immer etwas, um dagegenzusetzen. Seine Armbrüste durchschlagen selbst die dicksten Panzerungen.“
„Deswegen also keine Schilde“, schloss ich, da sich die Ausrüstung der Eisenwölfe fast ausschließlich aus zweihändigen Waffen zusammensetzte. Neben ein paar Kriegshämmern, die zusammen mit Schilden benutzt werden konnten, bildeten kurze Schwerter die Ausnahme. Die meisten der Wölfe hatten langstielige Hellebarden oder anderthalbhändige Bastardschwerter in ihrem Repertoire.
„Richtig, die Schilde würden einem direkten Treffer dieser Armbrüste nicht standhalten“, erklärte Walter, indem er sich Einen aus den Reihen seiner Männer borgte und mir die Dicke des Schilds zeigte. „Es macht keinen Sinn sie zu tragen. Bei den Reissöldnern ist es wiederum ganz anders. Ihre Schützen verstecken sich beim Nachladen hinter großen, um den Rücken geschnallten Pavesen, sodass unsere Pfeile nur wenig gegen sie ausrichten können.“ Als er den Schild wieder zurückreichte, warf er auch einen Blick auf unsere zurückgelegte Route. „Wenn wir schon dabei sind, seid ihr sicher, dass euch niemand gefolgt ist?“
Sein Augenmerk war vor allem auf den Mann mit dem aufgesetzten Bärenkopf unter uns gerichtet. Ein Anblick, der jeden misstrauisch gemacht hätte.
„Wo habt ihr ihn eigentlich ausgelassen?“, deutete er mit dem Kinn auf Widukind, der unschuldig mit seiner Spitzhacke dastand.
„Aus einer Höhle, unweit von hier“, musste ich mich räuspern, um es mir nicht mit meinem Kumpel zu verscherzen.
„Alles klar“, verstand Walter, was ihm genügte, um keine weiteren Fragen mehr zu stellen.
Fürs Erste war das Eindruck genug von uns und das sah ich genauso. Es war Zeit, dass sie etwas über sich rausrückten und darüber, was es mit Gomera auf sich hatte.
„Du sagtest Reissöldner wären hier im Spiel?“, wollte ich langsam auf den Punkt kommen.
„Ja, diese Feiglinge haben sich hinter ihren Pavesen versteckt und Belagern unsere Burg“, sagte Walter mit wenig Zuneigung.
„Eure Burg? Meinst du Gomera?“, war ich nicht sicher.
„Ja.“

Er führte uns um den Hang herum, an einen Punkt, wo wir Einblick über das ganze Geschehen hatten. Auf dem nächsten Hügel, stand ein verlassener Turm, an dessen Grundfesten einige Eisenwölfe Rast hielten und ihren Proviant verzehrten. Sie hatten ein kleines Feuer im Schutz der Steinmauer aufgeschlagen und lehnten mit den Rückenplatten an den hoch aufgeschichteten Steinen. Ein, zwei Leute waren abkommandiert worden um die Talsenke im Auge zu behalten, aus der Gomera zu voller Macht aufragte. Ihre Mauern waren wie jene des Vorpostens aus dem unzähligen Gestein der Umgebung gebaut worden. Dennoch musste es Jahre gedauert haben, um diese Niederlassung aufzubauen. Wachtürme und Unterstände befanden sich an jeder Ecke der Festung, vor allem um den Eingangsbereich, der durch ein Torhaus und eine Zugbrücke markant heraus stach. Was in Port Halen aus Palisadenzäunen und Hochständen bestanden hatte, war hier fester Stein, ein siebeneckiger Wall, der über einen durchgehenden Wehrgang, hinter Zinnen geschützt, verbunden wurde. Die Dächer der Gebäude innerhalb der Mauer, waren entweder aus Stroh oder robusteren Schindeln gefertigt, um den zeitweiligen Schneefällen etwas Handfesteres entgegenzusetzen.
Oder dem, was die Reissöldner gegen sie aufbrachten.
Auf der Hochebene vor dem Tor war das Lager der verruchten Schergen des tyrannenartigen Reislords von Prion aufgeschlagen. Davor, in sicherer Entfernung, waren Jurten in einem Halbkreis um den Frontverlauf angeordnet, der durch in die Erde gesteckte Pfähle und Palisaden gekennzeichnet war. Armbrustschützen und ehemalige Söldner von Marek warteten dort in Stellung und taten genau das, was die Wölfe von Dunkelstein auf ihrem Wachposten auch taten. Um einerseits Bolzen und andererseits Nerven zu sparen, harrten sie einfach vor den geschlossenen Toren Gomeras aus warteten darauf, dass den Insassen allmählich der Spaß verging.
„Wie seid ihr eigentlich aus der Burg herausgekommen?“, fiel Craig ein, dem das Ganze doch etwas spanisch vorkam.
„Es gibt natürlich eine Hintertür aus der Festung“, antwortete Walter. „Aber wir waren gezwungen den ganzen Berg zu umgehen, um bei dem Ausbruch nicht entdeckt zu werden.“
„Soll das etwa heißen, sie warten vor leeren Mauern?“, fragte ich. „Und die Reissöldner belagern eine leere Festung?“
„Das hättest du wohl gerne, was?“, gab Walter darauf. „Nein, es sind noch jede Menge in Gomera, die nicht herauskönnen. Der Feind hat vor Kurzem den Hintereingang ebenso umstellt und jetzt sitzen sie in der Klemme.“
„Gibt es deswegen Probleme mit der Senkgrube?“, schloss ich daraus.
Walter schnaubte. „Ja, aber nicht mit Unserer. Es ist Ihre die uns Sorgen macht.“
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Kami
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BeitragVerfasst am: 20.09.2013, 15:12    Titel: Teil 30 - Trebuchet Antworten mit Zitat

Teil 30 - Trebuchet

Er zeigte in das Feldlager der Reissöldner. Ihre Rüstungen waren mit hellblauen Bändern und Streifen markiert und vor lauter Gerät, das von ihnen zusätzlich aufgefahren war, wusste ich zuerst nicht, was er meinte. Alles war unter Pavesen in Deckung gebracht. Bis ich ein paar Gehilfen ständig von einem Ende ans Andere durch die Belagerungsgeräte hetzen sah. Sie trugen Tücher vor ihren Gesichtern und einen Eimer in jeder Hand.
Ihr Ziel war ein großer, hölzerner Trebuchet, eine Belagerungswaffe, die Steine oder Brandmunition mühelos über weite Entfernung schleudern konnte. Ich konnte mir schon denken, was sie vorhatten.
Neben der Katapultschleuder stimmten Dudelsackpfeifer ein feierliches Lied an, um die Leute hinter den Siedlungsmauern mental auf die nächste Ladung vorzubereiten.
„Wird euch jetzt Einiges klarer?“, nahm Walter an.
„Mist“, murmelte ich, während wir nur zusehen konnten, wie die Schleuder mit Kurbeln gespannt wurde. „Wieso könnt ihr das Ding nicht einfach einreißen? Oder in einer Nacht und Nebelaktion abfackeln?“, sah ich den letzten Ausweg in der Zerstörung der Wurfmaschine.
Walter verzog das Gesicht, da er daran keine gute Idee fand. „Das können wir nicht tun.“ Er zeigte zur Erklärung mit dem Daumen zu einem seiner Männer. „Ramgar hier, hat das Ding eigenhändig gebaut.“
Ich schaute skeptisch zu dem Soldaten, bis mein Blick von einer ruckartigen Erschütterung wieder nach vorne gelenkt wurde, wo der Wurfarm des Triboks beschleunigte und eine Ladung übel riechenden Abfalls hinter sich her zog.
„Gute Arbeit“, warf ich Ramgar über die Schulter zurück, als wir alle gebannt verfolgten, wie das Geschoß seine Bahn in weitem Bogen durch die Lüfte zog und in einem nassen Klatschen in die Fensteröffnung einer Hütte platschte. „Aber stellt das nächste Mal so ein Ding nicht unbedingt vor die eigene Festung“, konnte ich ihnen einen Tipp geben.

„Du hast Recht“, antwortete Ramgar. Obwohl ich zuerst glaubte, dass er damit die Bewertung seines Handwerks meinte, merkte ich bald, dass er vielmehr über meinen Ratschlag ernsthaft nachdachte. „Was soll’s, weg mit dem Ding.“
„Im Ernst?“, fragte Craig ungläubig, den es schon am allermeisten in den Fingern juckte.
„Ich wusste gleich von Anfang an, er zieht etwas nach rechts“, willigte Ramgar ein.
„Aber was hast du danach dann vor?“, brachte sich ein Anderer der Dunkelsteinwölfe ein. Es war ein leichtbewaffneter Späher, mit einem Scimitar auf dem Rücken.
„Den Tribok wieder aufbauen, genauso wie er war. Balken für Balken“, sprach Ramgar seine Gedanken aus. „Und bei der Gelegenheit fände sich auch bestimmt die eine oder anderer Verbesserung, die sich durchführen ließe…“, fuhr er viel versprechend fort.
Der Aufklärer wusste die viel sagenden Blicke gleich zu deuten. „…an der Abzugslast.“
„Genau. Mit Ausrichtung nach Prion.“
Auf den beiden Gesichtern zeichnete sich ein hämisches Grinsen ab. „Wollen wir, Hauptmann?“

Walter von Hohenfels ließ die Invasoren nicht aus den Augen, ehe er nicht alle möglichen Einflüsse berücksichtigt hatte. Die Chancen standen schlecht, Vier zu Eins in der Unterzahl, aber was waren schon Chancen.
„Es muss schnell gehen“, spann der Dunkelstein-Anführer seine Pläne und beobachtete weiter das Lager der Reissöldner. „Ein Haufen Armbrüste, aber bei der Dauer von Belagerung ist es unwahrscheinlich, dass sie ihre Schusswaffen gespannt halten. Wir haben Zehn Sekunden.“
Doch es war klar, dass auch weniger genügt hätten, um ihn das Risiko eingehen zu lassen, sich für den feigen Beschuss auf Gomera zu rächen.
Zehn Sekunden vom Erkennen unseres Angriffs bis uns die ersten Bolzen um die Ohren flogen. Die hoch entwickelten Armbrüste des Reislords waren zwar durchschlagsstark, aber langsam in der Handhabung. Man musste sie zuerst mit Kurbeln spannen um ihre volle Kraft zur Entfaltung zu bringen. Es war viel Zeit zum Laden. Aber nicht viel Zeit, wenn man den Weg bedachte, den wir nach unten zurückzulegen hatten.
„Es wird nicht reichen“, hatte Craig ernsthafte Bedenken. Nicht um ihn, der unbewaffnet und ungerüstet nach unten stürmen müsste, sondern um den Haufen scheppernder Blechbüchsen hinter ihm. „Sobald sie uns hören, sind wir geliefert.“
„Es wird reichen“, versicherte Walter selbstbewusst. „Wir müssen anfangen etwas zu unternehmen. Verständigt die Reserve beim Turm! Nichts für Ungut, Ramgar, aber wir reißen dieses Drecksding ein!“
Walter nickte zufrieden, als er erkannte, dass sein Kämpfer keinen Anstoß nahm und aufbrach um die restliche Truppe zu verständigen.
„Was ist mit euch, kann ich auf euch zählen?“, wollte er letztlich noch von uns Vieren wissen.
Craig, Widukind, Drake und ich schauten ihn an, als wäre die Frage eine Beleidigung gewesen.

Bald darauf kehrte der Erbauer des Trebuchets mit der Rotte Wölfe im Schlepptau vom Ausguck zurück. Ich dachte daran, dass es jetzt nützlich wäre Jesper an der Seite zu haben, um den Tribok abzubrennen. Aber es gab noch genug andere Möglichkeiten, eine Belagerungswaffe zu Fall zu bringen. Die Wölfe wussten gewiss, dass man sich ebenso auf pure Stärke verlassen konnte.
Alle bereit und darauf brennend, endlich gegen den Feind anzustürmen, fehlten nur noch die letzten wichtigen Worte, um das Fass in jedem Krieger zum Überlaufen zu bringen.
„Also gut“, begann Walter mit der Ansprache. „Ihr wisst, in ferner Zeit wurden Truppen, die mit unseren schweren Waffentypen ausgestattet waren, stets als Speerspitze eingesetzt, um die überzähligen Reihen der Gegner zu lichten. Eine Aufgabe, die nicht gerade das Einfachste von ihnen abverlangte und ihnen zu Recht den Namen Forlorn Hope-Kompanien einhandelte. Jetzt, tun wir es ihnen gleich, nur werden wir dafür sorgen, dass nichts verloren geht!“
Ich tippte Walter auf die Schulter, um ihm noch ein Detail am Rande mitzuteilen. „Marek wäre sehr erfreut, wenn er seine Männer noch in ganzen Stücken wieder sehen könnte.“
Walter war einverstanden. „Keine Toten!“, forderte er seine Männer auf, sich im Zaum zu halten. Er wartete, um die gebannten Gesichter für einen Herzschlag ausharren zu lassen, bevor er ihnen sein letztes Versprechen abgab. „Aber dafür jede Menge gebrochene Knochen!“

Blitzende Schwerter wurden gezogen oder hochgehoben, die meisten von solcher Länge, dass man sie gar nicht mehr ziehen konnte. Hellebarden hoben sich bedrohlich wie die Äxte von Henkern im Abendhimmel.
Nur der Dunkelstein-Späher ließ seinen Krummsäbel aus der Rückenscheide fahren und drehte den Griff seiner Waffe einmal im Kreis, um die Vertrautheit seiner Finger wieder zurückkehren zu lassen.
„Ihr letzter Gedanke wird sein… das Wundern, wie es uns gelang, so nahe an sie heranzukommen“, flüsterte er in seine Kettensturmhaube.

Das Lied der Dudelsackpfeifer spielte immer noch im Abendrot, als sich aus der Senke des Hügels hinter ihnen, Sechzehn Kämpfer erhoben.
Drake und ich liefen an der Spitze voraus, sein weiter Mantel flatternd im Wind und mit der freien Hand stets am Kopf, um seinen hohen Kastorhut nicht zu verlieren. Ich versuchte mit Widukind Schritt zu halten, als er aufholte. Doch er rannte an mir vorbei, wachgerüttelt aus seinem langen Verweilen unter der Oberfläche, als würde er die unerklärlichen Kräfte seinem Totem entziehen, dessen besiegte Überreste er um sich geschlungen trug. Es war wie ein Wettlauf zwischen ihm und Craig, der nicht weniger animalisch mit seinem zerrissenen Hemd und mit bloßen Fäusten auf den Feind zulief.
Dahinter fiel die Phalanx der Wölfe in einen Laufschritt, der Start einer alles überrollenden Lawine tödlichen Metalls. Beinahe lautlos, wie ein am Abgrund stehender Fels, der nur darauf wartete in die Tiefe zu stürzen, näherten sie sich dem ahnungslosen Lager des Reislords, von hinten.

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BeitragVerfasst am: 08.11.2013, 14:42    Titel: Teil 31 - Zehn Sekunden Antworten mit Zitat

Teil 31 - Zehn Sekunden

Die beiden Dudelsackpfeifer wandten sich zuerst zaghaft, dann immer dynamischer um, als ein näher kommendes Schrittgeräusch sogar ihre Musik zu übertönen begann. Ihre entblößten, tätowierten Rücken kehrten sich von uns ab und stattdessen bot sich ein Blick auf ihre überraschten Gesichter, die einige Momente benötigten, um überhaupt zu begreifen, was im Gange war.
Dr. Piemont war ein fest gebauter Spielmann, mit einem Glatzkopf und braunem Vollbart, der sich während des Sackpfeifens um seine zusammengepressten Lippen anordnete. Seine Augenbrauen hoben sich schlagartig, in dem Augenblick, als auch die Musik in einem jämmerlichen Misston verklang.
Sein Gefährte Yellow Pfeifer, in der gleichen Tracht der Spielleute, mit einem roten, karierten Rock um die Hüften und messingfarbenen Schulterdekors, benötigte in etwa die gleiche Zeit, um richtig zu schalten. Sein Haupt, das an den Seiten kahl geschoren war und nur oben lang und zurückfrisiert gehalten wurde, fuhr erschrocken zurück, sodass sein Pferdeschwänzchen wild in die Luft wirbelte.
Wie ein Mann zuckten sie gleichzeitig zusammen und stießen sich vom Boden ab, um schleunigst das Weite zu suchen. Zuerst noch überlegend, ob sie uns ihre Instrumente entgegen werfen sollten, beschlossen sie dann doch, ihre wichtigsten Stücke mitzunehmen.

Mit einem Schlag wandte sich das gesamte Lager uns zu und das Chaos brach aus. Söldner ließen alles Unwichtige wie Essen, Würfelpoker und gelangweilte Schnitzarbeiten liegen und stehen und fuhren so schnell mit der Hand zu ihren Waffen, wie ihnen Adrenalin durch die Glieder schoss. Die zahlreichen Schützen unter ihnen begannen damit, hektisch ihre Armbrüste zu spannen.
„Eins“, sagte ich zu mir und begann innerlich mit dem Countdown zu zählen, wie viel Zeit uns noch blieb.
Überall ringsum wimmelte es von hellblau markierten Reissöldnern, die meisten von ihnen in anatomisch geformten Schalenrüstungen.
„Zwei.“
Auf der anderen Seite führte Walter seine Männer mit über dem Kopf erhobenem Flammenschwert in die Schlacht. Sein Brustharnisch war stolz voran, bereit auf Widerstand zu treffen. Das Zeichen des Wolfes war darauf, mit roten und weißen Banden hinterlegt. Unter seiner Knieplatte war eine versiegelte Schriftrolle angebracht, die den Eid, den er für den Patriarch von Gomera abgelegt hatte, zu verewigen. Sie sollte ihn stets erinnern, für wen er Partei ergreifen musste, auch wenn das zurzeit ganz und gar nicht nötig war. Walter sah den mächtigen Trebuchet vor sich aufragen, der wieder für den nächsten Schuss aufgezogen wurde und wusste was zu tun war.
In den Sekunden Drei und Vier kam es zum ersten Kontakt. Aus den schmalen Pfaden zwischen den Jurten kamen die Söldner des Reislords hervorgesprungen und stellten sich uns mit tief in die Stirn gezogenen, eisernen Reishüten in den Weg. Hohe Turmschilde wurden uns entgegengehalten, doch es war keine Zeit mehr, um den Ansturm zu bremsen.
„Lasst euch nicht aufhalten!“, schrie Craig, bevor er mit den Beinen voran in die ersten Gegner krachte.
Widukind ließ sich auf die Knie fallen, um dem weiten Schwung einer Gleve auszuweichen und dann blitzschnell die Hüfte seines Kontrahenten zu umschlingen.
Hauptmann Walter beobachtete wie an der rechten Flanke Armbrustschützen ihre Füße gegen die zu Boden gerichteten Schusswaffen stemmten und mit schweren Kurbeln die Wurfarme spannten. Laut seinem Zählen, war er bei Sechs, aber es konnte auch sein, dass die Schützen schon vor der zehnten Sekunde fertig wurden. Er kommandierte die Hälfte seiner Leute mit einem Leutnant ab, um sich der Bedrohung der Fernwaffen anzunehmen, bevor diese einsatzbereit waren. Den Rest führte er in die Mitte des Lagers, wo Craig, Widukind, Drake und ich dringend Hilfe benötigten.

In der schmalen Gasse zwischen den Zelten war es uns Vieren gelungen die Söldner stets mit gleicher Anzahl in den Kampf zu verwickeln, auch wenn sich dahinter und an den Seiten mehr und mehr tummelten. Die ersten Versuche uns zu umgehen und uns einzuschließen wurden von Walters Ankunft und seinen begnadeten Schwertfechtern zunichte gemacht. Meist genügten einige wenige Wölfe, um die Durchgänge zwischen den Jurten frei zu machen und in diese Richtung weiter nach vorne zu stoßen.
„Wir müssen zum Tribok!“, erinnerte Walter an das Ziel, welches oberste Priorität hatte. Es war nicht Sinn und Zweck der Aktion, sich in endlose Kämpfe verwickeln zu lassen. Auch wenn das nur kaum zu vermeiden war.
Mit dem Vertrauen in schwere Bewaffnung und Rüstung, stachelte er seine Leute an, diejenigen auszuhebeln oder einfach zu überrennen, die ihnen im Wege standen.
Mit meinem fehlenden Vertrauen in starkes Metall und der Erkenntnis, dass meine Gegenüber genau jenes besaßen, war ich gezwungen einen anderen Pfad einzuschlagen. Die Lederkluft von mir und meinen Freunden war nicht gemacht worden, um viele Schläge zu verkraften. Unser Vorteil bestand in Beweglichkeit und Schnelligkeit, wie Craig es mich gelehrt hatte. Solange wir in der Gasse zwischen den Zelten festsaßen, konnten wir diesen nicht zu unseren Gunsten umsetzen. Schalengepanzerte Schergen des Reislords kamen näher und pflügten mit langen Sicheln durch die Jurtenbefestigungen, um uns noch mehr Raum zu nehmen und ihnen den nötigen zu geben. Dahinter gingen Turmschildträger mit kurzen aber schweren Breitschwertern in Stellung, die sich auf uns stürzen würden, sobald die letzte Deckung fiel.

Die Zeit war abgelaufen. Die abgezweigten Wölfe verwickelten die Armbrustschützen des Reislords in erbitterte Nahkämpfe, doch ihre Fernkampfwaffen waren bereit. Ein Ruck ging durch die Reihen, als die Höllenmaschinen ihre Sehnen nach vorne schnellen ließen und dutzende Bolzen freiließen. Der Leutnant des Dunkelsteins duckte sich unter dem ersten Geschoss, das haarscharf über seinem Helmvisier vorüber zog und einen Mitkämpfer hinter ihm niederstreckte.
„Verteilt euch! Jeder muss mindestens Drei von ihnen beschäftigen!“
Das nächste Spitzgeschoss war unausweichlich und durchschlug seine Schulterplatte. Mit einem Aufschrei des Schmerzes versuchte er das verlorene Gleichgewicht zurück zu gewinnen, das ihn die Wucht des Aufpralls genommen hatte und verlagerte sein ganzes Gesicht nach vorne. Er preschte voran, hinein in den Schildwall der Schützen, die ihnen zum Nachladen die gepanzerten Rücken zuwandten. Doch jede Sehne, war nur gefährlich solange sie gespannt war. Sie wollten um jeden Preis verhindern, dass dieser Fall noch einmal eintreten würde.

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BeitragVerfasst am: 13.12.2013, 14:23    Titel: Teil 32 - Handgemenge Antworten mit Zitat

Teil 32 - Handgemenge

Ich war unterwegs über die Dächer der Jurten, als ich mich mit allen Vieren vorwärts zog und die Gerüste hinter mir nach und nach einbrachen. Walter war mit einer kleinen Gruppe seiner Leute zur Stelle, um einen Bereich zu sichern, in dem wir die gefährlichen Zeltdächer wieder verlassen konnten. Es war nur eine kurze Notlösung gewesen, um der Falle zu entwischen, bevor sie zuschnappen konnte. Doch sie hatte ihren Zweck erfüllt. Wir waren dem Tribok näher als je zuvor und soweit unbeschadet. Zur rechten Zeit sprangen wir von den Jurten in Walters Kreis, als Armbrustgeschosse über uns hinwegzischten und Löcher in die Zeltplanen rissen.
„Wo ist er? Ist dieser Reislord hier?“, fragte ich, mich bei den Jurten umsehend. „Wenn ja, können wir diese Tyrannei ein für allemal beenden. Weiß jemand von euch wie er aussieht?“, hakte ich nach, als mir niemand eine Antwort geben konnte.
„Das weiß ich nicht“, gab Walter zu, der im Moment andere Sorgen hatte.
„Niemand weiß es“, beruhigte mich Craig, am Arm packend. „Aber er wird sicher nicht hier sein, also lass es gleich bleiben, bevor du auf dumme Gedanken kommst.“
„Außerdem hat sich immer noch nichts an der Tatsache geändert, dass dieser Trebuchet noch steht, Freunde“, forderte Walter uns auf, uns auf das Hauptziel zu konzentrieren.

Er übernahm die Spitze und stürmte den Platz, auf dem der Tribok stand. Der Boden war aufgeweicht und erdig, da die in der Nähe liegenden Steine bereits alle für Belagerungsschüsse verbraucht waren. Die tiefen Fußabdrücke der Gehilfen, die Munition heranschleppten, hatten sich mit Wasser gefüllt und verwandelten den Platz allmählich in eine Matschgrube. Rundherum waren Gräben ausgehoben, die nur über provisorische Holzbrücken zu überqueren waren, aus jeder Richtung Eine.
Der Anführer der Dunkelsteinwölfe schwang seine gewellte Klinge um alle Hindernisse vom Übergang zu schaffen, die ihnen die Geschützmannschaft in der kurzen Zeit entgegenbringen konnte, allem voran Fässer und Kisten mit Werkzeug - Nichts was einen Wolf aufhalten konnte.
Die Tribokbesatzung flüchtete in einem heillosen Durcheinander, als der Kämpfer mit dem Wappen des Wolfes seinem Schwert folgend durch die Barriere brach. Eine Schar seiner Waffenbrüder folgte ihm auf Schritt und Tritt. Walter rammte einen Munitionsträger mit der Schulter nieder, ohne sich weiter um ihn zu kümmern. Er war der Erste, der sein Schwert in Reichweite des Triboks brachte und mit einem beidhändigen Horizontalschlag der Maschine an den Kragen wollte. Die Klinge durchschnitt einen Balken und sämtliche Taue, die unglücklicherweise auch einen letzten Schuss auslösten. Die Schleuder schleifte plötzlich, von einem losgelösten Gegengewicht beschleunigt, über den Boden und fing in der Aufwärtsbewegung einen davonlaufenden Waffengehilfen am Fuß ein. Es gab nichts mehr zu tun, als ihm auf seinem kurzen Flug zuzusehen, ehe das Gewicht des Triboks unter dem fehlenden Balken zusammenbrach.
Ein erster Jubelschrei zeugte vom Erfolg der Wölfe. Doch es war noch nicht genug, um sich schon zurückziehen zu können. Der Schaden konnte leicht behoben werden und wir waren schließlich hier, um eine irreparable Spur der Verwüstung zu hinterlassen. Drake ließ unter der Wucht seines Streitkolbens Balken splittern. Ich schlug an seiner Seite Kerben in das Holz, zum ersten Mal mein Schwert mit beiden Händen umfassend, wie um einen Baum zu fällen.
Widukind und Craig schwangen sich in den Graben, um unter den anderen, behelfsmäßigen Zugängen, anrückenden Feinden aufzulauern. Sie wurden von den Wölfen durch die alarmierende Ringformation, die sie um das Plateau formten, in Kenntnis gesetzt, dass von allen Seiten Gegner auf dem Vormarsch waren.
Dumpfe Schritte wurden über Widukind und Craig hörbar, die auch die Schatten der hinüber springenden Reissöldner wahrnahmen. Craig fasste mit einer Hand nach oben um sich das nächstbeste Fußgelenk zu schnappen, ehe sich Widukinds Spitzhacke in die Schuhsohle eines Anderen bohrte. Zwei Männer fielen mit verstummten Schreien neben ihnen in den Graben, wo sie Bekanntschaft mit Craigs Fäusten machten.

Auf der anderen Seite des Lagers, wo der Leutnant mit den Abgezweigten focht, wurde der Wahnsinn immer kompletter. Diejenigen Schützen, die sich nicht in Nahkämpfe verwickeln lassen konnten, hatten in der Zwischenzeit genug Zeit gefunden, um ihre tödlichen Armbrüste neu zu spannen, was die Wölfe zwang sich etwas Neues einfallen zu lassen. Der Leutnant wusste, dass sie mit so viel Verwundeten keinen erneuten Beschuss mehr überstehen würden. Die einzige Möglichkeit bestand darin, etwas zwischen sich und die Anderen zu bringen, das selbst Bolzen aufhalten konnte.
„Über die Flanken ausbrechen und hinter die Mauer!“, befahl er in einem letzten Anflug aus Hoffnung und Verzweiflung.
Die Wölfe wussten nicht, was sein Plan war, doch vertrauten sie ihrem Kommandanten blind. Sie wichen über die Seiten aus, als wollten sie den Schützen des Reislords genau in den Rücken fallen. Nur, dass sich dort die Palisade zum eigentlichen Schutz der Belagerer befand. Diese Deckung ließ sich jedoch für beide Seiten anwenden.
Sie zogen sich hinter den Wall aus Holzpfählen zurück, auf jeder Seite davon eine Armee, die versuchte den Zaun gegen die andere Richtung zu stemmen. Als der Plan nicht aufging, die Mauer umzustürzen und die gegnerische Seite darunter zu begraben, wichen einige über die Enden der Palisade aus, um beim Gegner einzufallen. Die Versuche wurden bitter bestraft, indem Hiebe nach jedem Schädel fielen, der sich zu weit um die Mauer herumwagte.
„Drückt fester!“, machte der Leutnant seinen Wölfen Mut, alle mit Armen und Beinen gegen die Holzpfähle gestemmt.
Er wusste, mit jeder Sekunde, die das Tauziehen länger andauerte, würden sich die zu Ende gehenden Reserven seiner Männer bemerkbar machen, gegenüber einer schier endlosen Zahl an Gegnern. Auf der anderen Seite lief es genauso ab. Man konnte die aufstachelnden Schreie der Kommandanten hören, dem Ringen schnellstmöglich ein Ende zu bereiten.
Man war gleichauf mit dem Feind, Schulter an Schulter und Kopf an Kopf, nur von einem Stück Holz voneinander getrennt. Durch die Spalten und Zwischenräume zwischen den Pfählen sah man die angespannten Gesichter des Feindes. Spucken und Beschimpfungen wurden durch die Sichtluken ausgetauscht, während die Mauer wankte. Schwertkämpfer versuchten ihre Klingen durch die schmalen Schlitze im Wall zu stecken, um so nach den Feinden zu stechen und sie zum Loslassen zu zwingen. Auf der anderen Seite legten Armbrustschützen ihre Waffen an, um durch die Zwischenräume zu schießen. Manchen gelang es, bei Anderen reichte der Spalt nicht aus und der Bolzen wurde zurückgeschleudert und bohrte sich ins Fleisch des Schützen. Wölfe fielen, mitgerissen von der Geschwindigkeit aufprallender Geschosse, oder wurden sprichwörtlich an die Palisade genagelt.
Das Ausmaß ihrer Unterlegenheit wurde erstmals merkbar, als ihre Schuhe den Halt verloren und Schleifspuren durch den aufgeweichten Boden zogen.

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BeitragVerfasst am: 31.12.2013, 00:01    Titel: Teil 33 - Die Initiative übernehmen Antworten mit Zitat

Teil 33 - Die Initiative übernehmen

„Zurück!“, schrie der Leutnant, als er erkannte, dass sie die Mauer nicht halten konnten. Bevor sie sie erschlagen würde, wäre es immer noch besser, loszulassen, als ein paar Sekunden länger auszuhalten. Auf sein Zeichen sprangen die Wölfe zurück, um sich auf den Fall der Mauer vorzubereiten.
„Vorwärts!“, lautete das nächste Kommando, sobald die Pfähle des Palisadenzauns mit einem dumpfen Aufschlag vor ihnen auf die Erde schmetterten. Die ersten Reihen der Reissöldner wurden von der nachgebenden Deckung mitgerissen und stürzten ins Leere.
„Jetzt!“ Mit verzweifelten Schreien traten die Wölfe ihre Flucht nach vorne an, genau in die Aufstellung der Söldner, die sich dahinter gesammelt hatten. Kaum einer war unter ihnen, der nicht mithalf einen Verwundeten zu tragen, oder selbst von einem Bolzen getroffen war. Von den vielen Schrammen, die die schweren Rüstungen einfach weggesteckt hatten, war gar keine Rede. Der Leutnant hatte sein Schwert in die linke Hand genommen und den anderen Arm um den Rücken eines Kameraden geschlungen, der auf der anderen Seite von einem Zweiten gestützt werden musste. Ein Armbrustbolzen steckte tief in seinem Brustharnisch und er war an der Grenze zur Bewusstlosigkeit.
„Bleib bei mir!“, befahl er dem Verletzten wach zu bleiben. Dann überließ er sein Schicksal dem anderen Träger und löste seinen Griff, bereit mit den letzten Standhaften den Weg nach vorne zu pflügen.
Er trat mit seinem ersten Schritt auf die gefallenen Überreste der Holzmauer, ehe er mit einem Zweiten auf die vordersten Reissöldner stieg, die sich auf allen Vieren aufzurichten versuchten. Vom Rückenschild eines gefallenen Schützen aus, stieß er sich mit aller Kraft ab und warf sich über den Schildwall, Waffen und Männer unter sich begrabend. Mit genügend Leuten an seiner Seite, die es ihm gleichtaten, entwickelte sich die Konfrontation zu einer wilden Schlägerei. Ein Fakt, den die schwer gepanzerten Wölfe nur begrüßen konnten.

„Hauptmann, sie kommen durch!“, vermittelte einer der vordersten Kämpfer des Rings aus Schwertern und Hellebarden, das Bild, welches sich vor ihm bot. Die enge Schlachtformation der Reissöldner an der Flanke beim gestürzten Wall spaltete sich in ihrer Mitte wie ein getrenntes Meer. Eine Kolonne schimmernder Ritter kam mit rot bebänderten Waffen und Helmen durch, alle Feinde ringsum vor dem Mut der Verzweiflung der in ihnen aufflackerte, zurückweichend.
Walter wandte ihnen seinen Blick zu, nach dem letzten Hieb, mit dem er einen angreifenden Reissöldner niedergestreckt hatte. Es war dem Gegner schon gelungen, hinter ihn zu gelangen.
„Das bedeutet, wir müssen umso schneller hier fertig werden“, schloss der Anführer daraus, dass die versprengten Wölfe unterwegs waren, sich ihm wieder anzuschließen.
Der Ausreißer, welcher ihm in den Rücken gefallen war, zeigte ihm außerdem, wie gefährlich es war, an der einen Stelle zu verharren, die vier Zugänge aufwies. Aber es war nun einmal der Platz mit dem Tribok und die große Belagerungswaffe war noch nicht zu Fall gebracht worden. „Bringt es zu Ende, Leute!“

Craig war in dem schmalen Graben zu einem weiteren Übergang geeilt und riss die Brücke schlichtweg aus dem Boden, obwohl der nächste Söldner schon darauf gesprungen war. Widukind kam ihm zu Hilfe, beide mit heraustretenden Adern an den Schläfen und Armen, als sie die Plattform drehten und samt Gegner in den Graben warfen. Matsch befleckte die Körper der beiden barbarischen Kämpfer, keine Sekunde zögernd, sich auf den nächsten Feind zu stürzen. Widukind richtete sich zu seiner vollen Größe auf, als die vom Reislord gedungenen Glevenkämpfer erneut zu einer Überquerung des Grabens ansetzten. Zwei waren zur Stelle und setzten die Enden ihrer Stangenwaffen ein, um sich über den Zwischenraum zu hieven. Doch der Anblick eines in Schlamm und Blut getauften Bärenkriegers ließ ihre Versuche in Verzagen ersticken. Widukind fing einen Gegner mit dem Schlag seiner Spitzhacke direkt aus der Luft. Craig beförderte den Zweiten mit einem Tritt gegen den Schaft seiner Waffe in den Dreck.

„Das Erste, was ich vom Patriarch Gomeras sehen will, ist, dass er dafür eine Runde ausgibt!“, wog ich den großen Aufwand auf, den wir bereit waren einzugehen, um wieder einmal alles gerade zu biegen.
Drake hielt in seiner Hackarbeit inne, um mir bei meinem Plan zu helfen, den Trebuchet zu erklimmen. Die riesige Maschine musste aus dem Gleichgewicht gebracht werden, während Walter weiter auf die Stehstützen eindrosch. Ich kletterte über Drake’s übereinander gelegte Hände nach oben und stieg auf seine Schulter, um mich von dort aus auf den Punkt hochzuziehen, an dem die Stützen von allen Seiten zusammenliefen. An den großen Wurfarm der Schleuder festhaltend, begann ich mit den Beinen Druck auf den Schwerpunkt auszuüben. Ich verlagerte mein Gewicht mehrmals in die eine und dann wieder in die andere Richtung, bis das Belagerungsgerät zu wanken begann. Balkenverbindungen rieben gegeneinander, wie ausgeleierte Gelenke und mit jedem Schwung wurde die Belastung größer. Ich schaukelte hin und her, sodass sich sogar die Verankerungen im Boden lösten. Mit jedem Mal wurde das unangenehme Gefühl stärker, das Gleichgewicht zu verlieren und vornüber nach unten zu stürzen. Doch in diesem Fall, war das genau was ich wollte.
Drake schob bei den untersten Stehern an, um meine Bemühungen zu verstärken, den Tribok umzuwerfen, während Walter weiter versuchte, jede Verbindung zum Boden zu kappen.
Als ich ein lang gezogenes Knacksen unter meinen Füßen vernahm und der erwartete Gegenschwung nach hinten ausblieb, wusste ich, dass es soweit war. Der Schwerpunkt war überwunden, der Trebuchet würde fallen. Balken brachen unter dem Gewicht des außer Statik geratenen Aufbaus. Walter wich gerade noch rechtzeitig zurück, schwer von seinen monotonen Hieben abzubringen, die sich in den letzten Minuten zur Hauptbeschäftigung des Anführers entwickelt hatten. All die Zeit zuvor, war kein Ende in Sicht gewesen und nicht absehbar, dass der Tribok tatsächlich in sich zusammenbrechen würde. Auch Drake schob weiter an, als es schon mehr als genug war und trug so dazu bei, dass sich mein eigener Sturz ebenso beschleunigte. Ich konnte mich an den letzten Moment am höchsten Punkt des Schlachtfeldes erinnern, die Szenerie überblickend wie der Späher auf einem Schiffsmast. Dutzende Köpfe waren zu mir gerichtet, als ich die Hand balancierend zur Seite streckte und die Reise nach unten begann. Wie in freiem Fall geriet ich in Vorwärtslage, das Gesicht dem Boden entgegengerichtet. Ich sprang von dem zusammenbrechenden Trebuchet, als keine Chance mehr bestand, dass ich den Aufprall sanft überstehen würde. In einem lauten Krachen fiel der Tribok in sich zusammen, sein Gerippe donnernd auf dem Boden aufschlagend und in einer Flut aus Schlamm versinkend.
Die Dunkelsteinwölfe hatten sich an der gefallenen Palisade nach beiden Seiten hin einen gehörigen Respektabstand eingehandelt. Niemand unter den Armbrustschützen wagte einen Finger am Abzug zu lassen, als sie plötzlich ihren eigenen Leuten gegenüber standen. Die Wölfe waren aus ihrer wilden Auseinandersetzung als Erfolgs versprechende Geiselnehmer hervorgegangen, ihre Opfer als menschliche Schutzschilde vor sich herführend.
„Was habt ihr vor?“, fragte einer der Reislordsöldner, seinen konisch geformten Helm zurechtrückend, der ihm während des Kampfes tief in die Stirn gerutscht war. Als sich mehr von seinem Gesicht zeigte, wurde erkennbar, dass es sich um Ridley handelte, einen weiteren Grubenkämpfer, der durch die Siege in vielen Arenen zur Bekanntheit aufgestiegen war. Er ließ seinen langstieligen Kriegshammer zur Wade senken, als der Kampf zu einer Pause gelangte.
Keine Antwort kam aus den Reihen, die sich hinter den Gefangenen versteckten. Der Leutnant wog seine Optionen ab, unruhig wie ein Tier, das in die Ecke gedrängt worden war.
„Nach Gomera! Wir müssen in den Schutz der Festung“, bat ein Flüstern aus dem Helmschlitz seines nächsten Gefährten.
Er blickte zu der abgeschnittenen Abteilung seines Hauptmanns, die darauf wartete, dass sie zu ihnen durchbrechen würden. Der Leutnant schüttelte den Kopf, für ihn war die Einsicht bereits gekommen.
„Niemand wird die Tore Gomeras öffnen, solange uns Söldner des Reislords auf den Fersen sind.“
An der Stelle, wo zuvor der Tribok in die Landschaft ragte, stand jetzt sein Hauptmann, mit einem erhobenen Schwert, um die Blicke seiner Männer auf sich zu lenken. Er hatte nicht vor, den Kampf gegen die Reissöldner fortzusetzen, doch er würde auch nicht den Rückzug in dieselbe Richtung antreten, aus der sie gekommen waren. Ein ruinenhafter Turm, der über eine Geröllhalde wachte, das war kein Ort, um Verwundete zu versorgen und dort zu sitzen, um die Rache des Reislords zu erwarten. Es war die Flucht nach vorne, der die Wölfe treu bleiben mussten.
„Ich weiß, welchen Ausweg Walter wählen wird“, erkannte der Leutnant schließlich.
„Was habt ihr vor?“, schrie Ridley erneut.

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BeitragVerfasst am: 10.01.2014, 14:23    Titel: Teil 34 - Botha Antworten mit Zitat

Teil 34 - Botha

Die Wölfe schwiegen grimmig, die Arme um ihre gefangenen Opfer noch enger schlingend, als sie sich Schritt für Schritt zurückzogen. Die entwaffneten Körper der Reissöldner zwischen sich und den Feind gebracht, setzten sie sich über weitere Befestigungsanlagen ab. Pfähle, Gräben, Sperren, alles war willkommen, um aus dem Schussfeld der Armbrustschützen zu gelangen.
Ridley und die restlichen Vasallen, die dem Herrn über die Reisanbaugebiete unterstanden, blieben zur Aufgabe gezwungen zurück. Mit der Zerstörung des Trebuchets, hatten die Wölfe erreicht, was sie wollten. Wie ihre wilden Vorbilder, zogen sie sich in den Schutz der einbrechenden Nacht zurück. Ein Heulen ging von einem in Erde getränkten und im Fell eines Bären gekleideten Kriegers aus. Die ersten Verletzten wurden auf Bahren gezogen und zu Heilkundigen gebracht.
Ridley kämpfte dagegen an, die Verfolgung aufzunehmen. Er hielt sich im Zaum, um die Arbeit der Heiler nicht noch mehr zu beanspruchen. Frustriert schleuderte er seinen Turmschild in die Erde, dass er stecken blieb. Er hasste es, wenn jemand einen Kampf beendete, obwohl er noch nicht mit ihm fertig war.

„Warum endet bei uns immer alles in einem Hals über Kopf überstürzten Rückzug?“, hatte ich in einer altbekannten Pose auszusetzen, mit eingezogenem Nacken und auf der Flucht.
Craig kam aus dem Graben zu mir und strauchelte auf dem Weg, als Bolzen zwischen uns durch die Dämmerung zuckten. „Weil wir uns immer in der vorteilhaften Lage befinden, in der Unterzahl zu sein“, schnaufte er aus.
„Das sollte sich einmal ändern.“ Ich suchte das ausgebrochene Chaos nach Walter ab, der anscheinend als einziger einen Plan hatte, wohin es gehen sollte. „Schon ein sicheres Plätzchen im Auge?“, fragte ich, als ich ihm unter dem Gewicht eines verletzten Waffenbruders davon stapfen sah.
Er konnte seinen Kopf nur ein wenig zur Seite neigen, als er während des Bergeversuchs antwortete: „Wir können keine weiten Strecken mehr zurücklegen in diesem Zustand und außerdem gäbe es sowieso keinen Ausweg mehr als Richtung Gletscher zu ziehen.“ Das war etwas, was keiner der Leute hören wollte und Walter kannte die Einstellung seiner Gefährten genauso. „Wir benötigen erste Hilfe und Arznei. Deshalb habe ich vor, uns in der Nähe von hier zur alten Mine zu führen.“
„Botha“, war Drake der Name bekannt, auch wenn sich seine Zustimmung für diesen Plan in Grenzen hielt.
Nur Widukind nahm die Dinge, wie sie sich ergaben und meinte: „Um ehrlich zu sein, ich hatte noch nie etwas gegen einen ordentlichen Stollen.“
Die anderen lachten über den Scherz, mussten sich dabei aber ihre schmerzenden Rippen halten.

Ich schaute zurück auf die lange Kolonne, die sich von dem verwüsteten Lager der Reissöldner aus in den Fortlauf des Tals aufmachte, die Waffen geschultert und angeschlagene Kameraden, die neben ihnen herhumpelten, auf den Schultern stützend.
„Was genau hat es mit dieser Mine Botha auf sich?“, wandte ich mich an Drake, während wir an verlassenen Scheunen und Farmhäusern vorbeiliefen, die bei den ersten Anzeichen einer Belagerung stehen gelassen worden waren.
„Der Eingang zu dieser Mine befindet sich in einem Berghang am anderen Ende des Gomera-Tals“, erklärte er. „Es ist eine alte Schürferkolonie, mit ihrer eigenen Ordnung.“
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort jemand freiwillig arbeitet“, hatte ich Bedenken.
„Genau das meinte ich“, fuhr Drake fort. „Aber jemand muss nun einmal das ganze Erz schürfen, das für die Waffen und Rüstungen im B.I.R.T.H. benötigt wird. Vor allem mit dem Aufstieg des Reislords, wurde dieser Bedarf nicht gerade weniger.“
„Wer arbeitet dann in der Mine?“, wollte ich mich auf unsere nächste Bekanntschaft einstellen.
Drake lachte. „Diejenigen, die dazu gezwungen wurden. Da jedes Lager seinen eigenen Vorrat an Erz benötigt, wird von beinahe jedem Mitglied genug Druck ausgeübt, dass der Abbau in der Mine zügig voran geht. Es wurde sogar ein eigener Patriarch eingesetzt, der die Arbeit der Schürfer in Botha überwachen sollte.“
„Sollte der nicht dafür sorgen, dass der Reislord in die Schranken gewiesen wird, indem er ihn nicht weiter mit Erz beliefert?“, lautete meine logische Schlussfolgerung.
„Mein guter Freund, er ist zwar ein Patriarch, aber vielleicht nicht gerade die Art von Patriarch, die du erwartest“, machte Drake sämtliche Illusionen zunichte. „Botha’s Boss schaut auf seinen eigenen Beutel und hat sich entschlossen, weiterhin beide Seiten mit genügend Material zu versorgen. Ihn kümmert die drohende Hungersnot durch das Reisembargo auf die vereinten Siedlungen genauso wenig, wie die seiner eigenen Leute.“
„Warum sollten wir dann gerade von ihm Hilfe erwarten?“, war mir unklar.
„Das hat auch niemand behauptet“, antwortete Drake. „Wir können nur darauf hoffen, dass er sich uns neutral verhält und nicht zum Schürfen in die Mine steckt.“
Ich hatte noch immer das letzte Bild vor Augen, als ich mir einen Überblick über unseren derzeitigen Eindruck verschafft hatte und er verhieß nichts Gutes.

Lange Zeit hatte mich die Frage noch beschäftigt, wieso Walter sie als alte Mine bezeichnete. In der relativ kurzen Zeit, in der die geheimen Täler des Himalayas vom B.I.R.T.H. besiedelt wurden, konnte es noch keine Anlagen geben, die als alt galten. Und bei der Vorstellung, eine Mine in einen Berg fernab jeglicher moderner Zivilisation und ohne technischer Hilfsmittel gegraben zu haben, ließ sich ausschließen, dass jemand so verrückt gewesen wäre, das Ganze zu wiederholen und eine Neue anzulegen.
Alleine der Eingang des Komplexes war gewaltig, eine überlappende Felszunge, unter der ein riesiger Schlund in das Innere des schneebedeckten Berges führte. Wachen standen in der Kluft von staubigen Buddlern an einer Geländeschleuse im Tal, die durch einen hölzernen Zaun an dieser Stelle verschmälert wurde. Sie waren selbst Gräber und hatten nur für die Dauer ihres Dienstes Spitzhacke und Schaufel gegen hakenförmige Speere ausgetauscht, mit denen sie den engen Weg versperren konnten, oder davonlaufende Schürfer einfingen. Was sie selbst daran hinderte die Flucht aus diesem tristen Nest anzutreten, war neben der fehlenden Möglichkeiten außerhalb der Erzkolonie Nahrung zu finden, auch die Tatsache, dass sie sich ihren harten Weg nach oben zur Wache durch jahrelange Arbeit in der Mine selbst erkaufen mussten. Ein Ausbruchsversuch und der Patriarch würde dafür sorgen, dass man wieder dorthin zurückgesteckt wurde. Egal, ob man als Wache selbst die Flucht antrat, oder einer der Buddler versuchte, zu entkommen.
Meine Frage musste noch geduldig auf eine Erklärung warten, während wir uns in die Höhle des Löwen hineinwagten. Überall von den Wänden des Mineneingangs hingen weder rote noch hellblaue, sondern bräunliche Banner, die den Anschein erweckten, als hätte der Patriarch Botha zu einem eigenen Reich erklärt. Tatsächlich sahen die Abnutzungen am Boden und an den wänden sehr alt aus und ein modriger Geruch lag in der stickigen Luft des Höhleninneren. Der Schlund führte in einer weitläufig ausgeholten Kurve um einen gähnenden Abgrund, an dessen fernen Grund Fackeln und Lichter von Besiedelung zeugten. Überall zweigten schummrig erhellte Stollen in das nackte Gestein ab, aus denen an die Oberfläche tretende Erzadern im Licht glitzerten. Die Hackgeräusche unermüdlicher Arbeiter wurden bald zu einem ebenso vertrauten Geräusch wie die herab glucksenden Wassertopfen, die sich von gigantischen Stalagtiten an der Decke lösten. Nur das zeitweise einsetzende Grummeln, das tief aus dem Herzen des Gebirges drang, war unregelmäßig und schien sogar die abgebrühten Gemüter der Schürfer zu verunsichern.
Ihre feindseligen Blicke zeigten den Neid, schon lange kein Tageslicht mehr erblickt zu haben. Schwielige Hände wischten sich Schweiß und Wasser von den staubverschmierten Gesichtern. „Seid ihr zum Sterben hergekommen?“, war einer der Kommentare, die sie für die Verletzten des Kampfes übrig hatten. „Dann seid ihr genau richtig, in Botha.“

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BeitragVerfasst am: 22.06.2014, 19:08    Titel: Teil 35 - Dunkles Versprechen Antworten mit Zitat

Teil 35 - Dunkles Versprechen

Walter ignorierte die Äußerungen und führte uns weiter den Bogengang nach unten. Eine Nische, die mit einem schlichten Bett und einigen Bücherständern ausgestattet war, stellte Ezekiels Kammer dar, des Patriarchs von Botha. Von einem nahe gelegenen Felsbalkon aus konnte er die Arbeiten seiner Leute beaufsichtigen und über das Kollektiv am kargen Boden des dunklen Abgrundes herrschen.
Walter wandte sich an seinen Leutnant, ehe er sich der Machtperson noch mehr näherte. „Führe einstweilen deine Leute nach unten, vor allem die Verwundeten. Nehmt euch, was nötig ist, ich werde es dem Patriarch schon klar machen. Außerdem verfügen wir über das Recht der größeren Waffenstärke.“
Der Leutnant nickte und deutete den restlichen Wölfen den Gang nach unten fortzusetzen. Erste Hütten und um Lagerfeuer sitzende Schürfer wurden in der Dunkelheit am Grund erkennbar. Ein großer Schleifstein bearbeitete Werkzeug und wetzte an Metall. Gedämpfte Hustgeräusche drangen aus gemarterten Lungen nach oben. Wenn es noch irgendetwas gab, dass die Gesundheit der Arbeiter vor dem völligen Zusammenbrechen bewahrte, würden es ihnen die Wölfe jetzt nehmen.
Walter wartete ab, bis sich Craig, Widukind, Drake und ich um ihn versammelten und schritt dann auf den in graubraune Stoffe gehüllten Patriarch zu.
„Walter“, erkannte Ezekiel den Hauptmann von Gomera, noch bevor er sich umdrehte. Sein großer, kahl geschorener Schädel war mit symbolischen Tätowierungen bewährt, die wie gezackte Blitze seine Kopfhaut übersahen. Winzige, dunkle Augen lagen in den tiefen Höhlen seines Gesichts begraben. Seine heiseren, doch pure Macht gebärenden Worte gaben mir Antworten auf die Frage, welche mich lange gequält hatte. „Das alles hier ist nicht unser Werk“, hob er seien ausgestreckten, bleichen Finger zur Decke seines Gemachs. „Als die ersten Pioniere hierher kamen, fanden sie mitten in der Einöde, zwischen staubigen Geröllhalden und aufragenden Eisriesen einen Berg vor, mit einem verschütteten Zugang. Nachdem die eingestürzten Felsbrocken beseitigt waren, war ein ganzer Stollen vor ihren Augen freigelegt worden und sie waren auf Botha, die alte, in Vergessenheit geratene Mine gestoßen.“
„In Vergessenheit geraten?“, musste ich nachfragen.
Ezekiel sah mich an, als würde er mich bereits kennen, oder vielmehr, sich irgendwoher an mich erinnern.
„Wir, die wir hierher kamen, mit der Hoffnung uns etwas zu nehmen das wir nie hatten, traten nicht auf jungfräuliches Land. Keine unberührten Steine, kein Stück Erde, unter dem nicht uralte Knochen ruhten. Wir sind lediglich in Fußstapfen eines älteren Volkes getreten, die dieses Gebirge ihre Heimat nannte.“
Walter räusperte sich, der langen Ansprache wegen. „Bei allem Respekt Patriarch, wir sind nicht hergekommen, um die Archäologie dieses Berges kennen zu lernen.“
„Nein, ihr versteht nicht!“, explodierte Ezekiel mit einem ungeheuerlichen Feuer in den Augen. „Ihr versteht nicht, dass es hier nicht darum geht, sich wie Pfadfinder mit den Söldnern des Reislords zu prügeln.“ Die Stimme des Patriarchs war harsch, wie die eines strengen Lehrmeisters.
Walter musste sich beherrschen, um nicht auch in Wallung zu geraten. „Diese Pfadfinder kämpften auf Leben und Tod und wenn ihr uns nicht die nötigen Mittel zur Verfügung stellt, wird es für manche auf Tod gewesen sein“, führte er dem Patriarch mit blanken Nerven vor Augen.
„Das ist keine Frage der Zuneigung oder von moralischer Wertschätzung“, schüttelte Ezekiel seinen schwarz gezierten Kopf. „Es ist eine Frage der bloßen Waffengewalt und in Anbetracht dessen, steht euch frei zu nehmen, wonach euch beliebt. Aber glaubt nicht, ihr wärt hier meine Gäste. Jedes Medikament, das ihr uns entwendet, werte ich als Diebstahl und ich werde es nicht vergessen.“
Craig konnte die lebensfeindliche Reaktion des Patriarchs nicht fassen. Er stampfte vor Ezekiel auf und verschränkte seine bebenden Oberarme mit einem erzürnten Klatschen auf seine enormen Muskeln. „Ich wusste nicht, dass Bothas Patriarch seit Neuestem nach der Pfeife des Reislords tanzt“, erhob sich seine Stimme.
„Schwachsinn“, fuhr Ezekiel ihn an. „Wir sind alle Eins, Champion. Zweihundert Menschen aus der Rolle eines Plans gefallen und hier, auf dem abgeschiedensten Ort den man sich vorstellen kann, gestrandet, um um unser Überleben zu ringen. Doch nicht gegen uns selbst, wir sind gleich und gehören zusammen. Es gibt Andere, ja, aber Port Halen, Arkana, Gomera, Reislord hin oder her, diese Rivalität ist alles ein Haufen Mist. Ihr seid derart damit beschäftigt, euch gegenseitig die Schädel einzuschlagen, dass ihr eure eigenen Brüder nicht mehr erkennt. Diese Bruderschaft von Barbaren, die einst aus Lekmanns Laboren entstiegen ist und nun versucht sich ihren eigenen Platz in der Welt zu verschaffen.“
Ich zuckte zusammen, als der Name des Wissenschaftlers fiel, der scheinbar als Einziger wusste, weshalb wir alle hier waren - bevor er verschwand.
„Wovon redest du da überhaupt?“, fand ich es dringender zu erfahren, als irgendetwas anderes in der letzten Zeit meines Lebens.
Ezekiels schwarze Augen blitzten plötzlich auf. „Ich sagte“, wiederholte er langsam, seine Worte die Kammer ausfüllend. „Es gibt noch etwas anderes. Eine andere Macht hier im Himalaya, neben Nomaden und uns.“
„Wen?“, fragten alle Vier wie aus der Pistole geschossen.
„Ich dachte, ihr hättet Verwundete zu versorgen“, lächelte Ezekiel, seine sadistische Ader zum Vorschein treten lassend. „Aber ich verspreche euch Eines, ihr werdet jede Seele brauchen, die ihr noch retten könnt, um gegen sie zu bestehen.“
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BeitragVerfasst am: 29.11.2015, 18:29    Titel: Himalaya - Die letzte Festung erscheint als eBook Antworten mit Zitat

Es ist Feuer am Dach der Welt!
Dass man mit Mitch und Co. den größten Spaß erlebt den man im Himalaya haben kann, wisst ihr schon lange. Aber ihr kennt erst die halbe Wahrheit...

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