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Nach jedem Tunnel kommt ein Licht


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Heinz61
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Anmeldedatum: 11.09.2006
Beiträge: 204
Wohnort: Linz

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BeitragVerfasst am: 09.12.2015, 16:48    Titel: Nach jedem Tunnel kommt ein Licht Antworten mit Zitat

Hallo Freunde!
Anbei der Rohbau für ... Na schaut bitte selbst. Angeregt wurde das Unternehmen von einer Selbsthilfegruppe! Was sagt Ihr dazu???

Heinz Benzenstadler

Nach jedem Tunnel kommt ein Licht

Diagnose: Epilepsie
Ein Mutmacherbuch
für Betroffene, Angehörige, Freunde, Partner, Kumpel und alle anderen


Prolog
Eine Woche vor Ferienbeginn – ich war mitten in den Arbeiten für den Abschluss des Frühlingssemesters meines Institutes für Musikerziehung und den Vorbereitungen zum Sommerbetrieb des angeschlossenen musischen Kindergartens – konnte ich mich eines Morgens in der Frühe plötzlich nicht mehr bewegen. Ungewöhnlich heiße Hitzewellen überrollten meinen Körper, der Kopf war nicht zu bewegen. Unter schneidenden Schmerzen kroch ich zum Telefon, rief meine Mutter an, die bereits an ihrem Arbeitsplatz war: „Bitte Mutti, hilf mir, bitte, bitte, bitte ...“ Als ich wieder zu mir kam, lag ich alleine in einem großen Raum, umgeben von Apparaten, Infusionsanlagen und Messgeräten. In beiden Armbeugen steckten Kanülen, ebenso in einer Halsvene und Elektroden waren überall befestigt. Auf die erste Bewegung hin kam eine weiß bekittelte Frau mit Mundschutz und Gummihandschuhen. „Ganz ruhig liegen bleiben,“ sagte sie mit leiser Stimme, „schön, dass Sie wieder da sind! Dann haben wir wohl das Ärgste überstanden!“ Sagen, fragen wollte ich etwas, brachte jedoch kein Wort heraus. „Sie können nicht sprechen! Wir haben einen Tubus sowie Magensonde zur künstlichen Ernährung einführen müssen. Ich erkläre kurz alles. Wenn Sie etwas nicht verstehen, rühren Sie die Finger der linken Hand, die rechte Hand ist immer ‚Ja’, haben Sie das verstanden?“ Ich bewegte die Finger der rechten Hand. „Gut so! Sie haben eine akute Meningitis, das heißt Hirnhautentzündung. Der Erreger konnte trotz Punktion nicht festgestellt werden. Daher wurden Sie im AKH in einen Isolierpavillon gelegt. Sie sind, nachdem Sie trotz der Genickstarre zum Telefon gekrochen sind, bewusstlos und mit einem Fieberschub von ihrer Mutter gefunden worden. Diese hat gleich Notarzt und Rettung gerufen und Sie nicht berührt. Wir haben punktiert, Ihr Liquor zeigte Anzeichen einer bakteriellen Meningitis, aber der Erreger konnte im Blutbild nicht lokalisiert werden. Wir haben Sie in Tiefschlaf gelegt und ...“ Ich wedelte stark mit der linken Hand. „Sie wollen wissen, wie lange Sie hier sind?“ Ich zog den Daumen der rechten Hand nach oben. „Heute ist Montag, vor einer Woche sind Sie kollabiert. So, ich muss jetzt Bescheid geben, bin übrigens Schwester Ingrid!“ Heiß durchfuhr es mich bei diesem Namen, sollte ich mich doch mit der berühmten Flötistin Ingrid Kramer und den Hamburger Solisten auf Konzerttournee durch Frankreich und die Beneluxstaaten begeben. Aber ich konnte mich ja nicht genug bewegen! Allerdings wussten ich und Schwester Ingrid, dass mein Gehirn wieder funktionstüchtig war.
Nach einigen Minuten kam eine ebenfalls vermummte Ärztin mit der Schwester, untersuchte mich kurz und nickte zufrieden. „Wir werden zu Mittag den Tubus entfernen und zur Kontrolle neuerlich Liquor entnehmen. Ich glaube ja, dass die Ansteckungsgefahr – falls es je eine gegeben hat – schon vorbei ist. Aber sicherheitshalber werden wir die zehn Tage abwarten. Freut mich, dass wir Sie über den Berg gebracht haben. Willkommen unter den Lebenden!“ Die Ärztin streichelte kurz über meine rechte Hand. „Ihre Eltern sind schon verständigt worden, Ihre Frau ist an der angegebenen Adresse nicht erreichbar. Ich soll Ihnen noch ausrichten, dass die beruflichen Angelegenheiten von Ihrer Mutter und deren Schwester geregelt worden sind. Sie brauchen keine Sorgen wegen Musikschule und Konzerttournee haben, es wurde alles rechtzeitig geordnet sowie umorganisiert!“
Zu Mittag befreite man mich vom Tubus. Der Oberarzt merkte gleich an, dass ich bis zum nächsten Tag noch nicht sprechen sollte, um die eine Woche lang malträtierten Stimmbänder und den Kehlkopf zu schonen. Die nächsten Stunden würde ich sowieso kein Wort herausbringen. Dafür legte der Arzt alle Infusionseingänge auf den linken Arm, damit ich mich wenigstens etwas bewegen und auch schreiben könnte. Dann kamen noch zwei Ärzte mit einer Schwester und bereiteten die Lumbalpunktion vor. „Das ist eine Punktion des Duralsacks im Bereich der Lendenwirbel. Dabei wird eine Hohlnadel in den Lumbalkanal auf Höhe der Lende eingeführt und Rückenmarkflüssigkeit entnommen. Der Einstichort liegt zwischen den Dornfortsätzen des zweiten bis fünften Lendenwirbels, also deutlich tiefer als das untere Ende des Rückenmarks.“ Der Chef gab fast geschäftsmäßig diese Erklärung ab, während eine Schwester den Bereich und auch die umliegende Region säuberte und desinfizierte. Plötzlich spürte ich einen bohrenden Stich und dann setzte ein ziehender Schmerz ein, als würde man mir durch die Wirbelsäule das Gehirn aussaugen. „Schon vorbei,“ sagte der Herr Doktor, „das ist leider etwas unangenehm! Ein bisserl Blut brauche ich auch noch, machen sie das, Frau Kollegin. Dann könnt ihr ihm etwas zu Essen geben. Aber nur breiige Sachen! Nicht, dass ihr mir seinen Magen auch noch ruiniert!“
Auf mein schriftliches Verlangen brachte die resche Schwester Ingrid Seife und Wasser und nach Gesichts-, Hand- und Halswäsche wie auch Zähneputzen fühlte ich mich wieder als Mensch, trotz des nur langsam abklingenden Schmerzes im Lendenwirbelbereich. Dann erhielt ich die beste, die köstlichste Haferschleimsuppe meines ganzen Lebens. Jetzt merkte ich erst, wie ausgehungert ich war. Laut Krankenblatt hatte ich über fünf Kilogramm abgenommen, wog keine 55 kg mehr. Bei meiner Größe von 1,80 Metern war das jetzt wohl leerschlank im Gegensatz zu vollschlank.
Auf die Dreißig ging ich zu und war bisher eigentlich rundum mit meinem Leben und dem Erreichten zufrieden. Trotz der Hindernisse, die ein herrischer Vater wie Prügel vor und zwischen die Beine warf. Er war ein Verkehrsunfall gewesen, mitten im ersten Weltkrieg. Noch herrschte seine allerchristlichste Majestät auch über das Königreich Böhmen. Also mussten die Verunfallten heiraten und hatten dies dem Erstgeborenen nie verziehen. Abgeschoben wurde er zu einer Nenntante, die keine Kinder hatte. Also wuchs er auf in strikter Zucht und Ordnung, katholisch und ohne Aussicht, seine triste Lage zu ändern. Zuckerbäcker ließ man ihn lernen, Konditor im heutigen Sprachgebrauch. Das Militär war ihm endlich eine Heimat und mein Vater wurde ein Held mit den Eisernen Kreuzen aller Klassen, Panzersturmabzeichen und ‚Gefrierfleischorden’, der Plakette für das Überleben des Winterfeldzuges im Osten. Verdient hatte er sich damit eine Wohnung mit je einem Bauch- und Beindurchschuss, Granatsplittern in Brust und Lunge sowie einer zerschmetterten Schulter. Später war der gelernte Pfadfinderführer, praktizierende Katholik, Konditormeister, Oberfeldwebel und Sanitäter bei einer Panzerdivision, in das Lazarett der Amerikaner eingeteilt worden. Oberfeldwebel war seine letzter Dienstrang bei der Großdeutschen Wehrmacht, sein damaliger Führer hatte es nur zum Gefreiten gebracht. Die Mentalität eines Herrscher des Alls rettete er in die Demokratie und drangsalierte damit Kind und Familie. Meine Mutter Anna und ihre Schwester – Tante Maria – warfen sich in das Gewühl des ungleichen Kampfes. Letztere spendierte auf Anregung meiner Erstklassler-Lehrerin mit Familienhilfe einen alten Stutzflügel und Mutti putzte für Klavierstunden durch die Pfarrorganistin und –Haushälterin wöchentlich den Pfarrhof. So hatte ich meine Lebensliebe gefunden, die Musik in allen Formen, Farben, Stilen und Ausdrucksweisen. Haupt- und Musikschule schlossen nahtlos an, dann gegen den wütenden Widerstand des Vaters die Lehrerbildungsanstalt. Braver Volksschullehrer, erst am Lande in Alberndorf im Mühlviertel, dann im Linzer Vorort Kleinmünchen waren die Stationen. Um dies zu erreichen, was nur für räumlich getrennte Ehepaare möglich war, heiratete ich eine Kollegin. Damit hatte ich auch die Möglichkeit, dem Diktat und allen Repressalien meines Vaters zu entkommen, da nun auch die Zuteilung einer gemeinsamen Wohnung möglich war.
. Bei allen Sympathien und dem guten Willen, konnte dies alles nicht gut gehen. Meine Frau konzentrierte ihre Interessen auf ihren Beruf und blieb ihm und ihrer Schule in Kleinmünchen bis zur Pensionierung treu. Für Musik, Konzertreisen, Aufführungen und meinen Intentionen eines erfüllten Lebens konnte sie nur wenig bis keine Neigungen entgegenbringen. Heimlich verhütete sie, um keine Kinder zu bekommen. Eine Schmerzphobie war wohl treibendes Element dazu. Es war die Krux dieser Zeit, dass die jungen Paare meist unbedarft in die Ehe und das sogenannte ‚Leben’ entlassen wurden. Einige praktische Hinweise nach Kochrezeptart (man nehme ...) mussten genügen, um ein Leben in Zweisamkeit und den Aufbau einer Familie führen zu können. ‚Bei mir war’s auch nicht anders’, das stellte genug Rechtfertigung dar, um die jungen Menschen nur all zu häufig ins Unglück oder wenigstens gegen harte Mauern anrennen zu lassen. Griffen diese dann zu oft obskuren Aufklärungsbüchern oder eindeutig pornografischer Literatur, wurde dies mit ‚wir haben so was auch nicht gebraucht’ verdammt. Dass genug Frauen ihr Leben als Gebrauchs-, Last- und Nutztiere verbracht hatten, fiel da nicht ins Gewicht.
Konzerte an Cembalo und Orgel in ganz Europa mit verschiedenen Orchestern und den Schwerpunkten Barock, Bach und Händel führten durch ganz Europa und im Osten auch nach Ungarn, Finnland, DDR und bis Kiew. Meiner Partnerin ging ich nicht ab und als gefeierter, von der Damenwelt ab und zu umschwärmter Cembalist auch sie mir nicht wirklich. Über ein Hauptschuljahr landete ich nach dem Abschluss in Cembalo und Orgel im Nachfolger der Lehrerbildungsanstalt, dem sogenannten Musisch-pädagogischen Bundesrealgymnasium in Linz. Der Orgel-, Klavier- und Musikunterricht in diesem ehrwürdigen Gebäude – das ich ja einstmals selbst frequentiert hatte – war Freude une Berufung.
Eine Anekdote, die für später noch bedeutend werden würde, soll hier noch vermerkt werden. In einer der neuen gemischten Klassen saßen zwei Mädchen in der ersten Bank, Edith und Christine. Beiden blieb momentan die Luft weg, als ‚der Neue‘ schwungvoll in die Klasse fegte, kurz die Vorstellungen von einem gedeihlichen Musikunterricht erklärte und auch schon in ‚medias Res’ ging. Als die Schüler wieder normal atmen konnten, sagte Christine deutlich vernehmbar zu Edith: „Der gfoit ma, den kriag i !“
Nach zwei Jahren im MusPädBRG machte ich mich selbstständig und legte mein Leben in die Hände eines zahlenden Publikums und einer ständig wachsenden Schülerzahl. Die Leitung des Studios für Musik und Musikerziehung in Linz war Freudenquelle, verlangte Organisationstalent und brachte zahlreiche Kontakte mit Kollegen, Freunden, Musikern, Komponisten und anderen Künstlern. Zwei Chöre, ein Kammerorchester und das Barockensemble forderten zusätzlich Tatkraft, Energie und Einsatz. Eine Welle von Begeisterung und Erfolg bestätigte meine Lebenseinstellung von Optimismus und Zukunftsvertrauen.
Aber zurück ins AKH. Am Mittwoch war schließlich das Ende der möglichen Inkubationszeit erreicht. Da ich aber neben meiner freiwilligen Weiterversicherung eine ausgezeichnete Zusatzversicherung bezahlt hatte, quartierte man mich am Donnerstag in ein kleineres Zimmer im gleichen Pavillon um. Solange keine Seuche ausbrach, wollte man die Vorteile einer großzügig bezahlenden, guten Versicherung ausnützen. Hier lagen nur rekonvaleszente Klassepatienten in Einzelzimmern, denen jeder erdenkliche Komfort zu Teil wurde. So erhielt ich am gleichen Tag noch ein Telefon mit Durchwahlnummer, die ich sofort an alle Bekannten weitergab. Das erste längere Gespräch geschah mit der Klasseflötistin und Freundin Ingrid Kramer in Hamburg, die sehr erleichtert war, als sie meine gute psychische Verfassung hörte. „Einen Optimisten bringt eben nichts um Und jetzt verliebe dich endlich vernünftig, damit ich weiß, dass du zu guter Letzt jemanden hast, der sich um dich kümmert! Moin moin!“ Das war ihr Abschied gewesen, der wohl den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Kurz vorher hatte mich meine Frau besucht und sich für vier Wochen kühl und kurz verabschiedet. Am Montag flöge sie nach London und würde mit ihrer Freundin Pamela einen Trip durch Schottland unternehmen. „Und sei mir bitte nicht böse, dass ich bisher nicht hier gewesen bin. Aber die erste Woche warst du ja bewusstlos und dann war die Ansteckungsgefahr viel zu groß!“ Ich hatte nur mit den Schultern gezuckt und mich in keine Diskussion eingelassen, täuschte rasende Kopfschmerzen vor, sie verschwand und ich konnte weiter mit denjenigen telefonieren,die mir wirklich etwas bedeuteten und denen ich nicht gleichgültig war.
Nach Mutti und meinem Institutspersonal, welches sehr erfreuliche und aufbauende Nachrichten brachten, öffnete sich noch am späten Abend des Freitags die Türe und meine ehemalige Schülerin Christine steckte den Kopf herein. Als sie merkte, dass ich knapp vor oder schon im Einschlafen war, schlich sie ganz leise ins Zimmer, nahm meine Hand und drückte einen zarten Kuss auf sie. Dann wollte sie wieder verschwinden. Aber in diesem Moment kam Schwester Ingrid und sagte: „Bleiben Sie nur, Fräulein! Ich muss unseren Herrn Professor sowieso aufwecken. Er bekommt noch einen Abendschoppen in der Dämmerung!“ Sie lachte und schob das Wägelchen mit den Infusionsflaschen und Nachttabletten herein. Ich hatte die Geste des Handkusses von Christine sehr wohl bemerkt und bot ihr lächelnd einen Sessel an. Seit ich aus dem Schuldienst war und Christine vollwertig auch schon mit kleineren Soli in meinem gemischten Chor mitsang, waren wir ‚per du’, wie auch mit den anderen ‚Ehemaligen’, wie es in der Singgemeinschaft so üblich war. ‚Du Esel’ sagt sich halt leichter als ‚Sie Esel’.
„Wann bist du denn alleine, ohne Besuch oder Störung?“ Christine flüsterte dies im Bewusstsein, jetzt ja freizuhaben und kommen zu können, wann immer sie wollte. „Zwischen zwölf und eins habe ich Mittagsschlaf, da kommt auch niemand, ein Arzt schon gar nicht! Da oben auf dem Kasten liegt sogar ein Schild ‚BITTE NICHT STÖREN’! Ich habe hier fast jeden Komfort.“ – „Gut, dann komme ich am Montag wieder. Deine Telefonnummer habe ich jetzt, meine weißt du sowieso!“ Sie beugte sich einfach nach vorne und küsste mich so, wie ich es seit ewigen Zeiten und in der Ehe schon gar nicht mehr erlebt hatte. Tief aufatmend löste sie sich endlich und ließ mich wieder Luft bekommen. Dann kam sie noch einmal zu einem endlosen Abschiedskuss hinunter, den schließlich Schwester Ingrid beendete. „So, ich möchte gerne das Gebinde holen und unseren Patienten zur guten Nacht betten.“ Schnell verabschiedete sich die junge Dame und huschte mit hochrotem Gesicht zur Türe hinaus. Die Schwester nickte anerkennend mit dem Kopf: „Sie haben aber einen sehr guten Geschmack!“ – „Ja, sie hat sich zu einer hübschen Person gemausert. Sie hätten Sie vor fünf Jahren sehen sollen, als sie noch meine Gymnasialschülerin war: Eckig, dürr und hochgeschossen. Jetzt hat sie wenigstens einiges auf den Rippen, die Pubertät hat ihr gut getan!“ –„Sieh an, sieh an! Sie sind eine Lehrerliebe! Na so was! Kann ich mir aber gut vorstellen!“ Schwester Ingrid lachte, gab mir eine Beruhigungs- und Schlafspritze, richtete das Bett und die Polster, räumte das Infusionsgestell weg und sagte: „Morgen zum Frühstück dann die nächste Halbe! Gute Nacht!“ Aber da war ich schon weggeschlafen.
Am Montag huschte Punkt zwölf Uhr Christine in einem sehr kurzen, hellroten Kleidchen mit kleinen weißen Blüten drauf ins Zimmer und hängte sofort das Schild ‚Bitte nicht stören, Patient schläft’ außen an die Türe. Dann zog sie den Sessel ganz nahe an das Bett heran und wir beide versenkten uns zuerst in einen langen Begrüßungskuss. Ich war schon wieder ganz gut in Form, nur etwas schwach und eben noch nicht vollständig gesund. Noch befanden sich zu viele Drittelzellen im Liquor, wie eine Schwester mir wichtig erklärte, während ich in der Frühe aufgestanden war und ausgiebig geduscht, mich rasiert und gepflegt hatte. Das mit den Drittelzellen war uns beiden aber ziemlich egal. „Kann jetzt jemand kommen? Deine Frau etwa?“ Kopfschütteln war die Antwort: „Nö, die ist vor vier Stunden in die Luft gegangen.“ – „Schöööön“, lachte Christine. „Warum lässt du dich eigentlich nicht scheiden?“ – „Alles zu seiner Zeit. Ich warte nur darauf, dass sie die Nerven wegschmeißt.“
So tändelten wir ein wenig herum, schmusend und kuschelnd. Plötzlich stand Christine auf, öffnete ihr vorne durchgeknöpftes Kleidchen komplett und ließ es einfach fallen. Dann stieg sie aus den hohen Schuhen und schlüpfte arglos zu mir ins Bett. „Platz ist in der kleinsten Hütte für ein liebend Paar“ konnte ich noch stammeln, dann war es fast still.
„Na bumm, das war aber schon Rettung aus höchster Not,“ konnte Christine nur lachend sagen, als sie später aus dem Waschraum wieder voll angekleidet, geschminkt, duftend und schick zurückkam und sich noch einmal zu mir setzte. Ich schmunzelte leise: „Dein erster Mann war ich aber nicht!“ - „Bitte!!! Ich bin über 20 Jahre alt, weder frigid noch lesbisch. Aber mein erster richtiger, zärtlicher und erwachsener Mann warst du dennoch! Morgen komme ich wieder. Ich muss jetzt noch zu meinen Eltern ins Geschäft!“ Ein endloser Kuss beendete ihren Besuch.
Auch am nächsten Tag öffnete sich um Punkt zwölf Uhr die Türe und Christine huschte ins Zimmer. Diesmal kam sie ohne Umschweife zum Ziel, zog sich aus und schlüpfte zu mir ins Bett. Diesmal genossen es beide aus ganzem Herzen und ich wollte sie dann nicht gleich wieder aus den warmen Pfühlen lassen. „Warum hast du es denn so furchtbar eilig heute? Was ist denn los?“ – „Was soll denn schon los sein? Fastenzeit ist demnächst angesagt und ich will uns eine Überraschung ersparen!“ Jetzt dämmerte mic der biologische Grund ihrer Eile und war ein bisschen traurig.
Langsam erholte ich mich von den Folgen der Meningitis und eine Unmenge an Infusionen und Medikamenten hatte die bösen Zellen schon sehr vermindert. Christine war auch wieder da, frisch und fröhlich eingetrudelt. Die Prüfung für das Musikstudium in Salzburg war kein Problem gewesen. Auch die lästige Tante hatte sie wieder verlassen und ihr neuer Liebling genoss diese Tatsache sehr. Einmal wurden sie allerdings von Schwester Ingrid ertappt, als diese fragen wollte, wer denn das ‚Nicht - Stören – Schild’ außen angebracht hätte. „Hoppla,“ sagte sie, als zwei lustige Köpfe unter der Decke hervor lugten. „Hoppla, wir sind doch kein Bordell!“ – „Aber nein doch,“ gab ich im gleichen heiteren Tonfall zurück, „ich bezahle ja auch überhaupt nichts dafür!“ – „Naja,“ grummelte die Schwester weiter, „besser so als mit einer meiner Schwestern! Manche schwärmen ganz schön von Ihnen!“ - „Welche denn? – Auuu!“ Irgendwo hatte Christine an mir gezogen, gezwickt oder gerissen. „Frag nicht! Du wirst mit mir noch genug erleben!“ Damit hatte sie allerdings vollständig recht! Das würde sich in den nächsten Jahren schon noch herausstellen!
Nach fünf Wochen Aufenthalt entließ man mich als geheilt und gab mir noch ein Pfund Tabletten mit – zur Sicherheit. Mein alter Hausarzt schürzte zwar die Lippen, als er die Medikamente einteilte und portionierte. „Tztztz, wenn die Entlassung nur nicht zu früh war, das mit den Drittelzellen gefällt mir überhaupt nicht. So zehn Infusionen hättest du schon noch vertragen! Na, man wird sehen.“ Er fügte noch ein Antibiotikum zu der Litanei hinzu. „Alles aber bitte bis zum Schluss nehmen, bis nix mehr da ist! G’scheit sein!“

Sechzehn Jahre später
Christine hatte mich ein Jahr nach der Meningitisepisode geheiratet, mir im Laufe der Zeit Sohn und Tochter geschenkt. Mein Studio für Musik wurde an einen Instrumentenhändler verkauft, der es als Musikschule mit der gleichen Struktur für seine Kunden weiterführen wollte. Mit dem florierenden Privatkindergarten als Grundlage machte sich dessen Leiterin selbstständig.
Wir waren nach Wien emigriert, um Anfeindungen und Animositäten der engen, provinziellen Linzer Umgebung zu entgehen. Als Organist und vielen Tätigkeiten in Kirchen und liturgischen Belangen wurden mir Scheidung und Wiederverheiratung als Todsünden angelastet. So lebten wir nun in Wien! Christine hatte hier fertig studiert und war zur Lehrkraft an einem Realgymnasium avanciert. Eine ausgezahlte Eigentumswohnung hatte ich erarbeitet, als Sachverständiger in Plagiatsfällen war meine Sachkenntnis gefragt und ausgezeichnet bezahlt. Nach beruflichen Versuchen diverser Art war ich bei einem bekannten Verlag gelandet und werkte außerdem als Intendant der Mariahilfer Bezirksfestwochen, konzertierte, leitete Chöre, Ensembles, und war damit und mit sowie in meiner Familie glücklich und mehr als zufrieden. Ein Lottotreffer - nicht zu groß, aber auch nicht zu klein - krönte mein Glücksgefühl. Es war ein schöner Gewinn für einen Zusatzfünfer, fast eine halbe Million Schillinge (ca. € 35 700,-). Die letzten Raten für die Wohnung, ein neues Auto für Christine, Urlaub in Tunesien und ein Notgroschen gingen sich aus.
In letzter Zeit hatte ich immer wieder seltsame Konzentrationsschwächen. Wie ein Schleier tanzte ganz kurz eine unbeschreibbare Welle einer leichten Übelkeit um mich, um bald wieder zu verschwinden. Besonders erschien dies bei emotionalen Tätigkeiten, bei Proben und angestrengten Gesprächen. Während der Kulturwoche trat ein einschneidendes Ereignis ein: Im Raimundtheater sollte zum Abschluss der Bezirksfestwochen Mariahilf ein Opernabend mit Kammersänger Eberhard Wächter unter meinem Dirigat stattfinden. Nach dem Holzschuhtanz von Lortzing als Einspielstück probten wir ‚O du mein holder Abendstern’ aus Wagners Tannhäuser. Mir wurde übel, kurz soll ich bewusstlos gewesen sein, wusste nicht mehr, wo ich war, was vor sich ging und drückte den Dirigentenstab dem nächsten Musiker in die Hand. Keiner kannte sich mehr aus und die Vereinsführung trat schnell zusammen. Das Konzert musste abgesagt werden, da in der kurzen Zeit kein Ersatzdirigent gefunden werden konnte. Mein Freund Rudolf brachte mich nach Hause. Ich wusste nicht mehr, was wo gewesen war und fühlte mich wieder gut.
Mein Hausarzt Dr. Pötsch, welcher meiner Familie ein guter Freund geworden war, ordnete eine Reihe interner und neurologischer Untersuchungen an. Ich plante die Termine in meine beruflichen Tätigkeiten ein und trat bei diesen etwas kürzer. Auch meinen Freund und Vorgesetzten verständigte ich davon, der mich in ein Gespräch zog. Es wäre ihm auch schon aufgefallen, dass ich mich öfter an Gespräche und Besprechungen nicht mehr erinnern konnte. Die Untersuchungen wären auch seiner Meinung nach notwendig, ich könne auch Urlaub oder Krankenstand nehmen. Das nun wollte ich keinesfalls, nur nicht mehr alles so exzessiv wie bisher durchführen.
An einem der nächsten Tage fand ich mich auf einem belebten Gehsteig an der Mariahilferstraße liegend wieder, von Blut überströmt in einem Scherbenhaufen. Rundum drängten sich in dichten Reihen gaffende Leute, hauptsächlich tratschende Weiber und alte Männer mit offenen Mündern und neugierigen Blicken. Ein Sandler und ein glatzköpfiger junger Mann bemühten sich um mein Wohlbefinden. Der Sandler band mir den blutenden Arm mit einem Schnürsenkel ab und der Skinhead war bestrebt, den Kopf bequem auf eine Mantelrolle zu betten. Dabei schrie er immer wieder: „Ruft doch die Rettung, ihr Trotteln! Schauen, aber kein Hirn im Schädel! Die Rettung sollt ihr rufen!“ Dann wühlte sich ein Polizist durch die Menge: „Was ist denn das für eine Zusammenrottung? Was ist hier los?“ Einige Weiber kreischten auf: „Die beiden haben den da zusammengeschlagen! Wir haben das ganz genau gesehen! Sperr ’n s’ das Gesindel ein, das unnötige, Herr Inspektor!“ – „OK,“ sagte der Sandler, „Nehmen s’ uns mit in eine warme Zelle und die Zeugen auch alle, bitte! Aber erst rufen s’ die Rettung! Die gaffen alle nur! Kein Einziger hat die Polizei oder Rettung g ‘rufen!“ Jetzt raffte sich der „Herr Inspektor“ auf, rief über Funk Rettung, Notarzt, Funkstreife und sagte: „Und sie alle da rundherum kommen mit auf die Wache zur Zeugenaussage. Weisen sie sich erst einmal alle aus! Ihre Ausweise bitte!“ Schmunzelnd registrierte er, dass er plötzlich mit den Helfern alleine da stand.
Natürlich wollte ich mich aufrappeln, aber der Glatzkopf drückte mich zart nieder. „Net rühr ’n jetzt, weißt ja net, wås des woa. Ganz verkrampft war er, Herr Wachtmeister!“ Der Notarzt verklebte die gröbsten Wunden und ließ sich vom Polizisten berichten, was dieser mitbekommen hatte. Der Trafikant von gegenüber kam aus seinem Geschäft, sperrte es ab und berichtete, dass ich plötzlich durch die Glastüre aus dem Stiegenhaus gegenüber gestürzt und verkrampft zu Boden gefallen wäre. Noch wusste ich von einer Besprechung mit dem Buchagenten im ersten Stock, dann riss die Erinnerung ab. Der Notarzt nickte, legte noch eine Infusion und dann ging’s ab mit Blaulicht und Eilfahrt.
Im Wiener AKH wurden die Schnittwunden versorgt, ein EKG und sicherheitshalber auch ein EEG vorgenommen. Anschließend konnte ich meine Frau anrufen, da eine stationäre Pflege nicht notwendig war. ‚Epileptischer Anfall’ lautete die knappe Diagnose, die auch im Arztkurzbrief stand. Christine holte mich ab, ging mit mir essen und dann brachte sie mich Widerstrebenden mit sanfter Gewalt zum ‚Onkel Pötsch’. Der überwies mich zu einem ihm bekannten Neurologen. Er bekam einen Termin – für vier Wochen später.
Die nächste Probe mit der Ars Musica, einem gemischten Vokal – Instrumentalensemble, verlief in gedrückter Stimmung. Das Fiasko mit Kammersänger Wächter lag allen auf der Seele. Keiner machte mir jedoch einen Vorwurf. Aber bei der Buxtehude – Kantate ‚Cantate Dominum’, welche ich dirigierend auch am Cembalo begleitete, stürzte mein Ego plötzlich wieder in sich zusammen. Alles verkrampfte sich und ich war ungefähr drei Minuten ohne Bewusstsein. Dann stand ich plötzlich auf: „Was war denn los?“ Rudolf brachte mich mit Christine nach Hause und sie rief Dr. Pötsch privat an, was sie denn tun sollte. Der beruhigte sie und gab den Rat, mich ins neurologische Ambulatorium der Krankenkasse an der Mariahilferstraße zu bringen. Ich sollte am nächsten Morgen die Überweisung bei ihm abholen.
Dieses Bangen zwischen Ahnung und Gewissheit setzte mir wie Christine ziemlich zu. Als Berufsoptimist kuschelte ich diese Nacht arglos in ihren Armen und glaubte einfach an die Liebe.
Am nächsten Morgen holte ich mir die Überweisung, der gleich eine Krankmeldung beigefügt war. Dann pilgerte ich in die Ambulanz, in der gar kein Andrang war. Nach fünfzehn Minuten bat man mich zu einer älteren, weißhaarigen Dame. Diese klemmte sich erst hinter das Telefon, ließ sich nach meinem ersten Bericht EEG und den Befund vom AKH faxen. Dann fertigte sie ein neues EEG an, um den Unterschied zwischen einem kurz nach der Anfallattacke erstellten und dem nach einer Schlafperiode angefertigten zu erkennen. Die üblichen neurologischen Tests begleitete sie mit „aber bitte nicht schummeln dabei, Herr Professor! Ich sehe aus ihrem Curriculum von Dr. Pötsch, dass sie sich mit Musiktherapie und Schwingungsbeeinflussung beschäftigt haben. Also bitte ehrlich sein!“ Ich grinste: „Mag ich gar nicht, wenn mich jemand durchschaut!“ Dann war ich ehrlich, vertiefte mich auch voll in den Farbkurventest. „Mir wird übel!“ Schon stürzte ich mit voller Wucht rücklings vom Hocker, schlug auf und verkrampfte mich, mit einer Hand umklammerte ich den Sesselfuß vor dem Schreibtisch. Eine Assistenzärztin stürzte herein, wollte mir den Sesselfuß entwinden. „Das geht jetzt nicht, Frau Kollegin, außer sie brechen ihm die Finger! Achten sie darauf, dass er genügend Luft bekommt!“ Die Chefin zog eine Spritze auf, entblößte ein kleines Stück der Hüfte, desinfizierte und stach die Hohlnadel ein. Nach weiteren zwei Minuten löste sich die Verkrampfung und ich schlug die Augen auf. „Ich habe Kopfweh! Was war los?“ – „Bitte ruhig liegen bleiben! Sie hatten einen Anfall!“ Die Ärztin klingelte nach Schwestern und ließ mich vorsichtig auf das Notbett legen. Dort legte sie mir neuerlich die EEG – Näpfe an, setzte mir den Gummihelm auf und ließ das Gerät arbeiten. Sie nahm Blut ab, konstatierte eine ‚partielle Epilepsie’, gab mir noch eine Injektion und verordnete eine Epilan – Therapie. (Das Medikament hemmt die Erregungsausbreitung über die Nervenzellen und verhindert dadurch Krampfanfälle, eingesetzt bei Grand Mal – Anfällen, den ganzen Körper erfassende epileptische Anfälle.) Epilepsie wurde früher auch als Fallsucht bezeichnet. Es handelt sich um eine Funktionsstörung des Gehirns, ausgelöst durch Nervenzellen, die unkontrolliert elektrische Impulse abschießen.
Dann schickte sie mich für vier Wochen in Krankenstand und ordnete eine Anzahl von Untersuchungen an. Ich verstand mich gut mit meiner neuen Neurologin. Sie hatte mir auch gleich erklärt, dass ich kein Narr sei und mich dieser Anfälle wegen nicht schämen müsste. Bis zu fünf Prozent der Bevölkerung hätten in ihrem Leben mindestens einen epileptischen Anfall, viele wüssten das gar nicht. Jetzt müsste man untersuchen, ob die Sache chronisch wäre und wo die Ursache liege. Auf Anraten meiner Mutter hatte ich auch die Befunde meiner Hirnhautentzündung vor 16 Jahren mit und gab Kopien zu den Akten. Frau Dr. Bresgen – auf meine Anfrage nicht wissentlich verwandt mit dem von mir außerordentlich verehrten Komponisten – schloss nicht aus, dass dort die Ursache liegen könnte. Sie gab mir ein Epi - Tagebuch mit, in dem meine Auren und Anfälle verzeichnet werden sollten. Zu der Beschreibung meiner Vorahnungen mit ihren Übelkeitsgefühlen gab sie den Rat, mich einfach hinzusetzen und zu entspannen. Sie verschrieb auch ein Notfallmedikament aus der Gruppe der Benzodiazepine, das ich - wenn möglich - zerbeißen und schlucken sollte, falls eine Aura auftreten würde. Frau Dr. Bresgen erklärte auch, dass Epilepsien neurologische Erkrankungen mit einem äußerst vielfältigen Erscheinungsbild seien. Deshalb wird in der Regel nicht von der Epilepsie, sondern von den Epilepsien gesprochen. Um eine Epilepsie genau beschreiben zu können, ist es wichtig, zwischen dem Krankheitsbild als solchem (der Epilepsieform) und den Symptomen der Erkrankung (den epileptischen Anfällen) zu unterscheiden.
Die folgenden Wochen waren wie ein Wechselbad der Gefühle, eine Waschmaschine für das Nervenkostüm. Die Unsicherheit des Gesundheitszustandes paarte sich mit Zukunftsängsten und den psychischen Bedrohungen. Ein Besuch in meinem Verlag und die ehrliche Schilderung meines Krankheitsbildes ergaben die Kündigung mit dreimonatiger Frist nach dem Ende des Krankenstandes. Ich verzichtete auf die Frist und ließ mir die drei Monate ablösen. Sobald ich wieder halbwegs ‚auf dem Damm’ wäre, würde ich schnell wieder Arbeit und Beschäftigung finden. Nie war ich ein Pessimist gewesen und glaubte ganz einfach an die Zukunft!


Nackenschläge
Wankelmütig sind die Frau ’n, nur ein Tor wird ihnen trau’n! Diesen Vers von Victor Hugo hatte ich manchmal gebraucht, um ein Weibsbild zu ärgern. Den Kern dieser Aussage selbst erleben zu müssen,, das wäre mir nie in den Sinn gekommen. Christine war besonders lieb in diesem Krankenstandsmonat. Noch dazu hatte ich die ansehnliche Summe meiner Abfertigung angekündigt. Am Samstag der vierten Woche ging die Familie mit Kind und Kegel gepflegt zu Abend essen und ich genoss die ehelichen Freuden mit meiner besonders gut aufgelegten sexy Gattin. Auch meine Kinder, nun 14 und über 10 Jahre alt, waren (bei der Schmauserei) natürlich dabei. Das war eine Tradition, immer bei Gedenktagen, Glücksfällen und Extraeinkünften. Es war ganz einfach Glück und keine Wolke weit und breit am Horizont.
Am Montagmorgen schlenderte ich zu meiner Neurologin ins Krankenkassenambulatorium und schaffte es nicht mehr, die Notfalltablette zu zerbeißen. Ich kollerte unter dem Gekreische der Umstehenden die Treppe ins Kellergeschoss hinunter, direkt vor die sich öffnende Tür zur Ordination meiner Ärztin, welche der Bedeutung des Geschreis auf den Grund gehen wollte. Ich schüttelte mich, stand auf und fragte: „Was war denn los?“ Bei meinen Anfällen stand mir bisher immer das Glück, ein Schutzengel oder sonst ein Nothelfer zur Seite. Normalerweise wäre ich ständig im Spital gelandet, das aber wollte die Ärztin nicht mehr riskieren. Sie informierte mich, dass sie mich arbeitsunfähig stellen müsse. Bei der Häufigkeit meiner Grand Mal – Anfälle könnte sie eine weitere Berufstätigkeit nicht verantworten. Meine Rente würde zwar nicht sehr hoch ausfallen, aber meine Frau verdiene ja sehr gut bis ausgezeichnet und ich hätte einiges an sozialer Hilfe zu erwarten. Mit schreibenden Tätigkeiten könnte ich diese Pension etwas auffetten. Das dürfe sie aber nicht laut sagen. Pscht! Falls ich einstmals gut eingestellt wäre und aus dem Medikamentenspiegel langsam ausschleichen könnte, dann wäre bei jahrelanger Anfallsfreiheit eine berufliche Rückkehr nicht auszuschließen! Jetzt allerdings, bei fast täglichen Anfällen, da gäbe es wohl keinen anderen Weg!
Etwas deprimiert schlich ich nach Hause. Christine würde um zwölf Uhr Unterrichtsschluss haben, dann erhoffte ich eine gemeinsame Planung und etwas Trost von ihrer Seite. Heiter wie immer kam Christine aus ihrem Gymnasium, gab mir einen dicken Willkommenskuss, setzte sich hin und sagte: „Also, was ist los?“ Die Erzählung, im vorstehenden Absatz beschrieben, schloss mit der Frage: „Das ist alles, mein Schatz! Was machen wir jetzt?“ Ohne zu zögern, antwortete Christine eisig und kalt: „Jetzt lasse ich mich scheiden! Du verdienst nicht mehr viel, wirst auch sonst kein Geld mehr nach Hause bringen und ich will keinen kranken Mann pflegen! Ich habe schon telefonisch meine Mutter gefragt und die hat auch gesagt, wenn das so ist, dass ich mich dann scheiden lassen soll!“ Mir stand momentan der Verstand still. Vor mir kreisten bunte Figuren des Erstaunens.
Schnell nahm ich sicherheitshalber eine Notfalltablette, zerkaute und schluckte sie. Dann stotterte eine unbekannt raue Stimme: „Aber du liebst mich doch? Das Wochenende war so wunderschön. Wir haben trotzdem noch ... Du hast es genossen und warst nicht weniger glücklich ...“ Schroff kam Christines Retourkutsche: „Alles gespielt und vorgemacht! Ich mag dich schon lange nicht mehr, ich glaub, das sind schon acht Jahre oder mehr. Da graust mir schon vor dir! Aber du hast immer wieder so viel Geld dahergebracht, da zahlte sich das schon aus. Und jetzt ist Schluss!“
In mir krampfte sich zwar alles zusammen, aber jetzt nur keine Schwäche zeigen! Die eiserne Disziplin, geübt am Instrument und Podium, kam jetzt zum Vorschein. Besonders als sie noch anfügte: „Du kannst ja im Kinderzimmer vom Mädel hausen, gegen Bezahlung natürlich!“ - „Du weißt genau, dass ich das nicht aushalten würde! Quälen lasse ich mich nicht! Schließlich habe ich Dein Studium geleistet, das Auto gekauft, die Wohnung ist bis auf die laufenden Betriebskosten schuldenfreies Eigentum. Du bekommst die Eigentumswohnung samt Einrichtung als Alimentenvorschuss, ebenso das Auto und unsere eiserne Reserve. Mehr an Alimenten bekommst du nicht! Sonst erzähle ich dem Richter, dass du dich wegen meiner Krankheit scheiden lassen willst. Dann wirst du nie und nimmer geschieden. Deine gierige Freundin kann sich dann von mir aus aufhängen. Glaubst Du, Dein Depp hätte ohnehin nichts von dieser Lesbenschlampe gemerkt? Aber anscheinend war ich zu großzügig! Ich übersiedle nach Linz, bei meiner Mutter finde ich immer einen Unterschlupf. Komm, Martin ist zu Hause. Von dem lassen wir uns alles juristisch formulieren!“ Dann rief ich noch meine Mutter an und teilte ihr den Eklat mit. „So ein Mistvieh, ein nixnutziges! Komm nur, zu mir kannst du immer kommen, samt Kind und Kegel!“ Anschließend marschierte ich zum Jus-Praktikanten Martin hinüber, erzählte die ganze Chose und bat ihn um Hilfe. Am frühen Nachmittag polterten die Kinder daher und erfuhren die Katastrophe. „Eure Mutter will sich scheiden lassen! Ich übersiedle nach Linz, wer mit mir gehen will, kann das. Ich bin aber nicht böse, wenn ihr wegen Schule, Freunden und Wien hier bleiben wollt. Mein Sohn nickte und zischte: „Ja, Papa, i bleib da, aber weg’n da Mama net!“ Meine Tochter heulte nur und schmiegte sich an mich. Mein Großer ging dann mit mir ins Kaufhaus, von dem er mit mir zwei riesige Kartons holte. Darin wurden CDs, Bücher, die Stereoanlage und persönlichen Sachen eingepackt, meine Kinder verschwanden in ihren Zimmern und drehten die Schlüssel im Schloss. Mein Eigentum deponierte ich im Abstellkeller. Dann klopfte ich die Kinder heraus und versicherte ihnen, dass sie immer willkommen wären, wenn sie wollten. Die Mutter würde sie auch zu jeder Zeit ziehen lassen und ein Anruf genüge im Notfall, ich wäre in drei Stunden bei ihnen! Dann verabschiedete ich mich von Martin und dessen Frau. Auf dem Weg zum Bahnhof schaute ich noch zum Abschied beim Hausarzt vorbei. Dr. Pötsch erstarrte bei meinem Kurzbericht und schüttelte dann ständig den Kopf: „Das ist nicht richtig, das ist nicht richtig, das ist nicht richtig ...“
Drei Wochen später zerflatterten fünfzehn Jahre Ehe in Nichts ...

Ich richtete mich bei meiner Mutter ein, so gut es eben ging. Aus dem Institut hatte damals, noch vor dessen Verkauf, meine Mutter ein rotes Sofa mit den Polstersesseln ‚entwendet’ und diese Garnitur statt der zerschlissenen Alten eingestellt. Auf der sollte ich nun schlafen, da das große, zusammenlegbare Doppelbett sonst zu viel Platz einnehmen würde. Der Neuankömmling protestierte erst, da er das Sofa für zu schmal hielt. Aber mit zwei Handgriffen klappte es meine Mutter auseinander und sagte ,voilà’! Ich schlug mit der Hand auf die Stirn: „Eine Klappcouch! Und ich habe mich damals bei der Herstellung vom Herrn Sohn auf der schmalen Hälfte von dem Ding abmühen müssen! Ja wer denkt denn in der Leidenschaft der Sinne an so etwas!“
Im Moment war ich wieder dort angelangt, wo alles seinen Ausgang genommen hatte. Allerdings gab es neue Vorhänge jetzt, ebenso schwer, ebenso dicht, ebenso lange wie früher, aber in hellem Braun gehalten. Die Möbel waren dieselben, nur ein dicker roter Handknüpferteppich war noch dazu gekommen, aus Tante Mitzis Erbe. An der Wand hing die handgeschnitzte Madonnenstatue aus Südtirol, einstmals von einer Chorreise mitgebracht. „Die habe ich deiner Ersten noch abverlangt. Wer keine Kinder will, braucht auch keine Schutzmantelmadonna!“ So wurde ich Stück um Stück von der Vergangenheit eingeholt.
Die erste Nacht war ich wach gelegen, hörte die wohlbekannten Geräusche und Muttis vertrautes Geflüster mit „Geht`s dir eh gut, ist alles in Ordnung?“ Der Fußboden knarrte noch genau so wie vor einem Vierteljahrhundert. Christines Bruder hatte aus Freundschaft - ohne einen Groschen zu verlangen - mit einem geborgten Kleinbus mein Eigentum aus Wien geholt und geholfen, die schweren Schachteln ins Haus zu tragen.
Ich kopierte Briefe mit Anschriftenänderung, neuer Telefonnummer und ein paar persönlichen Zeilen. Diese wurden an Freunde, Bekannte und halboffizielle Kontaktpersonen verschickt. Auch die Wiener Szene verständigte ich so von seiner Übersiedlung und Flucht.
Vom Hausarzt Dr. Kurzfeld meiner Mutter ließ ich mir Namen und Anschrift eines guten Neurologen heraussuchen. Er verwies mich an einen Spezialisten, dessen Name Dr. Kreczi zwar unaussprechlich ist, der aber einen ausnehmend guten Ruf genoss und genießt. Mit den Abschlussbefunden vom AKH Wien und meiner Wiener Neurologin machte ich einen ungewollt dramatischen Antrittsbesuch. Ich wollte zwar nur einige Behandlungstermine vereinbaren, aber in der hellen, freundlichen Dachgeschossordination ereilte mich ein besonders schwerer Anfall. Der Kopf knallte an den runden Stützpfeiler in der Mitte des Raumes. Bei der Verkrampfung griff ich wie üblich nach allem in der Nähe und erwischte eine der hübschen Schwestern, welche mir zu Hilfe eilen wollte, am Fußknöchelgelenk. Dort klammerte sich nun ein Schraubstock fest. Der Herr Doktor eilte herbei und sagte zur Schwester in der Falle nur: „Tut mir leid, das müssen sie jetzt aushalten, wird nicht lange dauern. Epi?“ Die zweite Schwester sah auf die Überweisung und nickte. „Geht’s noch?“ fragte er die andere Schwester, die den Kopf schüttelte. Tränen schossen ihr aus den Augen und verwandelten die Lidstriche in dunkle Bäche, welche über die Wangen flossen. Von einer Sekunde auf die andere war alles vorbei. Ich ließ los, setzte mich auf und rieb meinen schmerzenden Schädel. „Ein Anfall?“ So fragte ich und stand auf. Der Arzt sagte zur Schwester, dass sie Eis auf das Gelenk packen sollte. „Der als Grand mal bezeichnete tonisch-klonische Anfall bietet ja einen eher theatralischen Anblick. Bei dieser Gattung eines Anfalls stürzt die anfallskranke Person unkontrolliert in Folge einer Verkrampfung des ganzen Körpers (tonische Phase). Möglicherweise läuft er auch bläulich an. An diesen Sturz schließt sich eine Phase mit groben Zuckungen an (klonische Phase), wobei der Betreffende sich möglicherweise auf die Zunge beißt.
Ganz anders dagegen ist die als Absence bekannte Anfallsform, die für Außenstehenden meist gar nicht sichtbar wird. Absencen sind durch Bewusstseinspausen mit abruptem Anfang und Ende gekennzeichnet. Dabei ist der Betreffende nicht ansprechbar, benimmt sich ansonsten aber ruhig und unauffällig.
Und kommen Sie nie mehr einem Anfallpatienten zu nahe. Egal, ob er tobt oder krampft! Aber Erfahrung ist der beste Lehrmeister,“ grinste er. Und zu mir: „Kommen Sie bitte gleich zum EEG, das ist jetzt die beste Gelegenheit. Sie haben aber einen Griff! Wird ein blauer Knöchel werden!“ Ich entschuldigte mich bei der Schwester, die mir humpelnd die EEG – Näpfe anlegte. „Ach, Sie sind ein gelernter Tastentiger! Na dann ist ja alles klar! Der Knöchel wird auch noch grün werden, Schwester!“ Der Neurologe lachte, nachdem er die Anamnese durchgeackert hatte. „So, und jetzt zu Ihnen!“ Er war nicht ganz der gleichen Meinung wie seine Wiener Kollegin und stellte einen komplizierten Medikamentenplan auf, änderte die Medikation .
Dann füllte er die Formulare zur Überstellung in die Berufsunfähigkeit aus und auch gleich die medizinischen Sequenzen der Ansuchen. Als er die Letztverdienste sah, pfiff er kurz und bemerkte: „Na, das wird jetzt finanziell nicht leicht für sie werden!“ Ich entgegnete: „Ich weiß, darum hat sich meine liebende Frau ja auch sofort scheiden lassen!“
Nach der Untersuchung und dem Erhalt weiterer Termine bedankte ich mich, fuhr mit dem Lift hinunter, kaufte in einer Konditorei der Hauptstraße eine große Bonbonniere. Dann fuhr ich wieder hinauf in die Ordination, schenkte das Konfekt der misshandelten Schwester und bemerkte zu ihr, die den Knöchel eben mit einer Salbe dick bestrich: „Das tut sicherlich gut! Und hier ist noch ein Heilmittel von innen heraus! Schenken sie mir trotzdem weiter Ihr Wohlwollen!“

Die ersten Wochen vergingen kaum ohne täglichen Anfall, Aura, Absence oder Amnesie (griechisch, Mangel des Erinnerungsvermögens), dann schien sich die neue Therapie einzupendeln. So blieben mir nur Spaziergänge durch das mir wohlbekannte, aber in den letzten fünfzehn Jahren reichlich bebaute und zubetonierte Viertel. Es gab nur ein Kaffeehaus, welches ich anfangs reichlich frequentierte. Jetzt schlug ich wirklich meine Zeit tot, aber mit wachem Ohr und scharfen Blicken. Da die schöpferische Tätigkeit in der Musik durch die emotionalen Intuitionen mit meiner Epi schmerzlich kollidierte, verlegte ich mich aufs Schreiben. Ich hatte für mich einen neuen Computer angeschafft und hielt, was ich hörte und sah, in Mundart und Versen fest. Gegen diese unkulturelle, provinzielle Atmosphäre der kleinbürgerlichen, engstirnigen Vorstadt, an welcher ich ständig aneckte, musste man sich einfach wehren,. Kultur war hier Villacher Fasching und Musikantenstadel, der grobschlächtige, primitive Humor beschränkte sich auf Verunglimpfungen, Schadenfreude und Fäkaliensprache.
Nur mehr wenige Bekannte von früher traf ich an. Von den älteren waren schon viele verstorben, ungefähr gleichaltrige waren damals ebenso geflüchtet, verzogen, ausgewandert. Die Bildungsstruktur hatte sich noch weiter nach unten nivelliert. Zu den wenigen verbliebenen Gewerbetreibenden waren nur einige jüngere dazu gekommen. Die Arbeiterstadt hatte hier ihre Wohnungsabteilung. Man wohnte hier und lebte nicht dabei. Zu einem Kino oder Theater musste man ‚in die Stadt’ oder ‚aufs Land’. Ich ohne Fahrzeug war chancenlos. Hier lag das Getto der Interesselosen. Das neue Konzerthaus lag an der Donau, also am anderen Ende der Stadt. Im Umkreis von fünf Kilometern gab es keine kulturelle Einrichtung. Die neuen Siedlungen schoben den Stadtrand immer weiter hinaus, das kulturlose Gesicht der Stadt wurde immer länger.
Oft fuhr ich zum Bahnhof, setzte mich in den nächsten Zug und fuhr nach Wien. Dort ging ich mit meinen Kindern essen, spazieren, bummeln und plaudern. Dann bestieg ich wieder den Zug, der öfter zwischen Wien und Linz verkehrte, als ein abendlicher Bus zwischen Bahnhof und Vorstadt. Ich hatte die Erwerbsunfähigkeit und Invalidität bescheinigt bekommen, so ein Jahr hatte es gedauert und viele schmerzhafte Erfahrungen nach sich gezogen. „Herr Doktor, Herr Doktor, kommen sie doch schnell!“ – „Wozu denn, Schwester? Ich weiß doch eh, wie ein epileptischer Anfall aussieht!“ Im neurologischen Krankenhaus war ich oft, bis die Kontrollspezialisten auch drauf kamen, dass ich an Epilepsie litt und dementsprechende Bescheinigungen ausstellten. Mit dem Behindertenausweis ermäßigte sich die Bahnfahrt auf ein erträgliches Maß und auch die Fahrten mit den Öffis wurden erschwinglich. Meine Monatsrente wurde auf knapp 6000 Schillinge (428 Euro) festgesetzt, also auch zum Sterben zu wenig. Das Problem war, dass meine Mutter eine gute Rente bezog und eine gesetzliche Verpflichtung hatte, für mich in Notfällen zu sorgen. Mütter können (und wollen meist) sich nicht von ihren Kindern scheiden lassen ...
Anlässlich eines Besuches bei meinem Neurologen wollte ich meine ehemalige Schwiegermutter aufsuchen, um sie zu befragen, ob sie wirklich ihrer Tochter den Rat gegeben hätte, sich scheiden zu lassen. Im Geschäft sagte mein einstiger Schwiegervater, mit dem ich mich eigentlich immer gut verstanden hatte, dass seine Frau nicht anwesend wäre. „Musst du auch schon für deine Weiberbrut lügen? Ihr Mantel samt Tasche hängen da in der Garderobe, also ist sie da!“ Ich ging einfach nach hinten in die Werkstatt, in der die Näherinnen um einen großen Werktisch saßen. Meine Ex - Schwiegerliche wollte sich mit gräulich verzerrtem Mund, Speichelflocken, zitternden Händen und ängstlichem Blick hinter einigen Stoffstücken vor mir verbergen. „Feig auch noch sein, Ehen zerstören und vor Angst schlottern, wenn`s heißt, zu etwas stehen! Pfui Deibel, da werden Weiber zu feigen Hyänen, wie Schiller sagt.“ Vor diesem Anblick flüchtete ich und wusste ab sofort, was Ekel ist.
Es traf mich neuerlich wie ein Blitz, heftig, unerwartet, fast schmerzhaft. Ich stand im O-Bus und bemerkte plötzlich wieder sie: groß, rothaarig, mit einer Million Sommersprossen auf der hellen Haut. Gesehen hatte ich sie noch nie, seitdem ich wieder in Linz war. Als ihr mein starrer Blick auffiel, stellte sie sich zu mir und begrüßte mit einem festen „grüß dich, Heinz! Auch wieder da?“ – „Ja leider!“ Wir setzten uns auf zwei freie Plätze und ich erzählte in Stenogrammform seine Geschichte. „Und was ist mit dir? Verheiratet mit fünf Kindern?“ Lachend schüttelte sie den Kopf. „Nichts von alledem!“ – „Da könnten wir ja einmal ausgiebig tratschen!“ Ich überlegte kurz: „Heute um drei - drenta da Schodagruam?“ Hinter der ‚Schottergrube‘ hatte ich mein erstes Rendezvouse, meine ersten Küsse und so mit meiner ersten Liebe Eveline in der damaligen Wildnis getauscht. Sie stimmte in mein Lachen ein: „Ja drenta da Schodagruam ist nix mehr, nur mehr Beton!“ Ich überlegte kurz: „Aber im LASK – Restaurant ein Kaffee, was hältst du davon? Da ist kein Betrieb um die Zeit!“ Eveline nickte. „Passt, aber bitte erst um vier! Oder musst du um sechs zum Essen zu Hause sein?“ Wir beide lächelten wehmütig in Erinnerung an unsere tyrannischen Väter damals und dachten das Gleiche: „Was wäre gewesen, wenn ...?“
Ja das LASK – Buffet! Der wirklich bedeutsame Linzer Fußballklub, sogar Österreichischer Meister - erstmals aus den Bundesländern - war er gewesen (1965), hatte seinen Trainingsplatz hierher in die Schottergrube verlegt. Hier hatte man sie alle gesehen, den Trubrig, Lindenberger, Sturmberger und Köglberger, das farbige Besatzungskind, den Wunderstürmer, gekommen aus Steyr. Sie alle waren Nationalspieler gewesen und trugen den Ruf des Linzer Athletik – Sport – Klubs weit über die Stadtgrenzen hinaus. Ein Restaurant hatte sich etabliert, im Dunstkreis des Linzer Fußballs. Hier konnte man sie alle treffen, die Heroen der Kickertiger!
Und da trafen sich auch Eveline und ich, genau dreißig Jahre nach unserem ersten heimlichen Treffen in der Au. Sie war auch alleine, hatte einen Sohn aufgezogen und stand auf dem Standpunkt, dass Männer nur dann gut wären, wenn sie nicht stören würden. Man hatte sie als nicht verheiratete Alleinerziehende natürlich ebenfalls angefeindet, aber wie bei mir war auch ihr durch den Vater ein dickes Fell anerzogen worden und gewachsen. Ihr Sohn war vor kurzer Zeit zu seiner Verlobten gezogen und so war Eveline wieder alleine.
Wir beide beschlossen also, uns öfter zu treffen. Unsere gegenseitigen Sympathien hatten über die Jahrzehnte nicht gelitten. Nach einem Unfall und mehreren Brüchen war Eveline für Bürotätigkeiten umgeschult worden, nach -zig Jahren schlitterte die Firma in den Konkurs und Eveline hatte so viel Zeit wie ich. Wir gingen zusammen ins Kino, unternahmen Stadtbummeleien und nach einem Hilferuf aus dem Café Sperl in Wien fuhr sie einfach mit. Der Cafetier fragte bei mir an, ob ich noch so ein Buch wie ‚Wien ist ganz anders’, jedoch alleine über das Kaffeehaus schreiben könnte und wollte. Natürlich konnte und wollte ich das, packte die Unterlagen zusammen und kassierte die Anzahlung. Zum Fotografieren würde ich noch extra an einem Sonnentag antreten.
Zum Mittagessen trafen wir mit meiner Tochter Agnes zusammen, der Eveline sofort sympathisch war und ihr zuflüsterte: „Das ist schön, dass sie ihm ein bisserl helfen. Ohne Frau ist mein Vati ja wie ein Rennauto ohne Räder!“ Die Angesprochene lachte laut auf und erwiderte: „Kannst ruhig ‚du’ zu mir sagen, ich glaube, wird werden uns noch oft treffen!“ – „Glaube ich auch!“ sagte ich. „Wisst ihr was, für das Restgeld vom Buchhonorar fliegen wir irgendwo hin, nach London zum Beispiel. Eveline war fast noch nie im Ausland gewesen und geflogen ist sie auch noch nie. Dort gehen wir ins Theater und machen uns drei schöne Tage. Wer ist dagegen?“ – „Niiiiemand!“ tönte es lachend im Chor und Eveline fügte hinzu: „Aber Deinen Bruder Stefan müssen wir auch noch fragen, ob er mit will!“ Agnes legte die Stirne in Falten: „Fragen schon, aber der will sicher nicht. Er hat ein neues Hobby, Billardspielen, und da will er Weltmeister werden. Er ist fast nicht mehr zu Hause.“
Auf der Heimfahrt im Zug hingen Ich und Eveline unseren Gedanken nach. Plötzlich brach sie unvermittelt das Schweigen: „Wenn wir beide schon durch die Weltgeschichte fliegen wollen, dann könntest du ja gleich zu mir ziehen. Agnes ist überdies reizend!“ Abrupt wechselte sie das Thema, ohne auf Antwort zu warten. Auf mehr Einladung wartete ich auch nicht, umarmte sie und wir versenkten uns in einen langen Kuss. Da wir alleine im Abteil waren, kamen wir uns vor wie damals verbotener Weise in der Wildnis. Vielleicht wäre sogar noch mehr passiert, wenn sich nicht abrupt die Abteiltüre geöffnet und ein Mann in blauer Uniform schmunzelnd „Die Fahrscheine bitte“ gesagt hätte.
Natürlich ließ Ich mich nicht lange bitten und übersiedelte wieder ein Mal. Eveline hatte eine Wohnung ganz in der Nähe, im dritten Stock, ohne Lift. „Fesch, da erspare ich mir ein Fitnesscenter,“ lachte Ich nach der ersten Ersteigung und schleppte bald Stereoanlage, CDs, Computer und Bücher ins neue Domizil. Es war alles so selbstverständlich, als ob sie die letzten dreißig Jahre beisammen gewesen wären. Das ehemalige Kinderzimmer, eigentlich als Kabinett gedacht, wurde zum allgemeinen Arbeitszimmer umfunktioniert. Einige offene Schrankwände nahmen meine tausend CDs auf, ein Schreibtisch mit stummem Diener versorgte Stereoanlage, Computer und Zubehör. Alles griff reibungslos ineinander, alles war wie früher. Sogar die Starrsinnigkeit von Evelines Eltern und Schwester mir gegenüber hatte sich nicht verändert und ich prallte mit meinem guten Willen ab wie an einer schroffen Granitwand. Eveline zuckte die Schultern und meinte, dass ich ja mit ihr und nicht mit den Dickköpfen ihres Clans leben müsste. Ihr Sohn hingegen nahm es als ganz normal hin, dass seine Mutter nicht alleine bleiben wollte, und verstand sich gleich mit mir. ich wiederum war froh, dass wir uns nicht auch noch mit meinem schon mehrere Jahre verstorbenen Vater herumplagen mussten.
Für die Osterferien besorgte ich ein Arrangement für London mit Flug, Hotel, Halbpension und Musical in einem der berühmten Theater und legte gleich noch drei Wochen Gran Canaria für die Sommerferien dazu, da ein Hilferuf von Direktor Solleder eingelangt war. Mein Zustand hatte sich so weit stabilisiert, dass ich gut über die Runden kam und mit seinen Notfalltabletten während einer Aura das Schlimmste abfangen konnte. Wohl hatte ich manchmal noch Amnesien und wusste nicht, warum ich wo war, aber da ich jetzt meist in Begleitung auftreten konnte, spielte dies nur eine kleine Rolle. Die Medikation hatte gut gegriffen, es gab keine Bedenken, Reisen zum Vergnügen zu unternehmen.
Einmal wollte ich auf der neuen Orgel der Pfarre spielen. Das war jedoch emotional zu viel und ein Anfall schleuderte mich grausam zu Boden. Jetzt wurde klar, dass andere Betätigungsfelder für mich gesucht werden mussten. Aufgeben kam für mich nicht in Frage. Nur musikalische Emotionen mussten auf logische Tätigkeiten umgepolt werden. Nur die Zeit totzureiten kam nicht in Frage.
Das Sperl – Buch als Sachbuch forderte mich kaum und ging locker von der Hand. Es sollte im Herbst fertig werden. An einem Sonnentag fuhr ich mit Eveline nach Wien, fotografierte um und im Sperl, traf Agnes und nannte ihr gleich die Termine für Ostern und den Sommer. Sie sollte ihre Mutter fragen, ob ... „Nix fragen, geht schon!“ Sie lachte und freute sich ungemein. Andreas ließ ausrichten, dass er nicht mitfahren wollte. Dafür erhielt er ein exquisites, neues, teures Queue für seine Billardleidenschaft und war sehr zufrieden mit seinem Vater.
Gleichzeitig, quasi zur Entspannung, arbeitete ich an einem Mundart – Gedichtband. In diesem sollte alles vorkommen, von Vorstadt und Frauen, Schimpfwörtern, Autofahrern bis Schoßhunden, also quer durch den Gemüsegarten. ‚Kraut und Ruam’ nannte ich es deshalb. Ich war richtig gut aufgelegt, seitdem ich mit Eveline zusammen wohnte. Sie war für mich wieder das Licht nach dem langen Tunnel. Das alles schlug sich in vergnüglichen Versen und humorig polternden Strophen nieder. Vieles skizzierte ich im Kaffeehaus, praktisch gleich an der Quelle. Aus meiner Wiener Zeit karikierte ich diesen Dialekt und führte das Landlerische mit dem Wienerischen zusammen. So entstand ein lustiges Sammelsurium, das bald einen Verleger fand. Der versprach mir jedoch keine goldenen Aussichten oder Millionenauflagen, da dieser Band doch sehr spezialisiert im Anspruch war.
In der Karwoche ratterte ich mit Eveline per Zug nach Wien. Wir luden Agnes ins Taxi und fuhren zum Flughafen. Per Linienmaschine steuerten wir London an. Rund um die britische Hauptstadt und bei herrlichem Frühlingswetter war der Luftraum total überlastet. Der Jet musste eine Warteschleife um die andere über der Stadt ziehen, eine niedriger als die vorhergegangene. Wie ein räumlicher Stadtplan lag sie unter uns und wurde von Runde zu Runde deutlicher und greifbarer. Der Buckingham Palace, die Towerbridge, der Tower, die Themse, der Trafalgar Square, wie eine Spielzeugstadt wurde London immer größer und fassbarer. Etwas Besseres hätte gar nicht passieren können als diese Kreiserei über der englischen Metropole. Besonders Eve war begeistert von ihrem ersten Flug und dessen traumhaftem Ende. Eve? Agnes hatte ihr in Erwartung der England – Tage diesen Anglizismus verpasst und blieb dabei.
Ein kleines altenglisches Hotel erwartete uns. Agnes freute sich über ihr Einzelzimmer mit dem schweren Holzbett und sogar einem Baldachin drüber. Am Abend folgte ein kleiner Bummel durch die Umgebung. Auch eine U - Bahnstation war gleich in der Gegend. Das Abendessen verdrückten wir in einem kleinen Pub, gleich mit Auffrischung der Schulenglischkenntnisse.
Der nächste Tag führte zuerst zum berühmten Buckingham Palace, der aus der Luft so winzig ausgesehen hatte. Wir kamen genau zur Wachablösung zurecht und Agnes machte einige Luftsprünge vor der anmarschierenden Garde, um einwandfreie Angeberfotos zu bekommen. Nachmittags ein Einkaufsbummel, der Abend war dem ‚Phantom in der Oper’ vorbehalten. Die Aufführung wurde zum unvergesslichen Erlebnis, da diese Art Musicalkultur nur dort so intensiv beeindrucken kann, wovon sie ausgegangen ist.
Agnes war anschließend richtig hundemüde, wollte nichts mehr essen, sondern nur mehr ins Bett. Ich steckte sie in eines der berühmten Londoner Taxis, erfragte den Fahrpreis, legte ein anständiges ‚tip’ (Trinkgeld) drauf und war sicher, dass mein Goldstück gut abgeliefert werden würde. Auch Eve war überhaupt nicht schläfrig. Zuerst fuhren wir ein Stück mit der Underground, dann gingen wir in ein Pub, aßen eine Art gegrillte Würstchen in Strohkörbchen und marschierten anschließend frisch drauf los. Wir bestiegen einen Bus und nach einiger Zeit verließen wir ihn wieder. Ein stockfinsteres Viertel umfing uns. Wo wir waren, wussten keiner, bis wir in der Ferne eine beleuchtete Straße sahen. Auf diese zu wanderten wir durch die Nacht und fanden uns plötzlich in Indien wieder. Hier war das Leben auf die Straße verlegt worden, Markt, Gaststätte und Wohnzimmer in einem. Kinder schliefen auf Strohmatten, Alte tratschten beim Tee und Frauen kauften schrill handelnd ein. Jetzt wurde uns etwas mulmig, da sonst keine Europäer zu sehen waren. Wir gingen schnell die Straße entlang, bis zu einer U – Bahnstation. Dort suchten sie auf dem Streckenplan ‚unsere’ Heimatstation und orientierten uns. Dann hatten wir es geschafft, lagen bald in den Betten und träumten auf Österreichisch von Indien in London.
Nach einem Stadtbummel am folgenden Tag führte am Nachmittag der Weg zu Madame Tussot. Ich passte, als ich die lange Warteschlange vor der Kasse sah und verzog mich in ein kleines Pub in der Nähe. Ich kannte die Wachsfiguren bereits von früher und konnte ihnen nur wenig abgewinnen. Meine Weiblein blieben aber standhaft, stellten sich an und nachher gingen die Plappermäulchen über, besonders bei Agnes. So vergingen die paar Tage schnell und harmonisch. Der Rückflug führte über Linz. Dort stiegen ich und Eve aus, da meine Ex am Telefon versprochen hatte, Vatis Liebling vom Flughafen Schwechat abzuholen. Das klappte sogar! Obwohl Christine wieder ihren Namen der Ledigenzeit angenommen hatte und nun anders hieß als ihre Kinder!
Jetzt packte Eveline das Reisefieber, auf welches sie so lange verzichtet hatte. Ich urlaubte mit ihr und Agnes in den diversen Sommerferien auf Gran Canaria, in Tunesien, auf der griechischen Insel Skiathos.
Dann feierte das Dreigespann Weihnachten und Jahreswechsel in Israel, am Roten Meer. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, am Christtag mit einer riesigen Eistüte am Meer zu liegen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Dann ein Sprung in das warme Wasser und die ganze Welt schien in Ordnung zu sein. Die latente Bedrohung unter der Oberfläche war jedoch durch die scharfen Kontrollen und der Präsenz des Militärs deutlich spürbar.
Nach dem Jahreswechsel kamen Busse auf einen Abstecher zum Roten Meer, welche Pilgergruppen schnell noch zu den Stätten des Alten Testamentes brachten. Hauptsächlich Deutsche rückten da an, bekleidet nach den Vorschriften des Kalenders mit dicken Pullis und warmen Mänteln. Sie legten sich in voller Montur zwischen die bei 30 Grad im Bikini Badenden auf die Holzpritschen und ließen sich die Sonne in ihre schwitzenden roten Gesichter und auf die warmen Mäntel scheinen. Es war ja schließlich Winter.
Zwei Jahre nach dem Zusammenziehen von Eveline und mir, dem Altspatzenpaar, wie bald gespöttelt wurde, starb Evelines Vater. Er hatte wie mein Erzeuger bis zum Ende stur auf seinen Prinzipien beharrt. Auch bei ihm sollten sich – früher einmal – die Unterrichtszeiten der Enkel nach seinen Essgewohnheiten richten. Ich machte mich erbötig, für die musikalische Umrahmung der Totenmesse zu sorgen. Dank meines Neurologen mit dem unaussprechlichen Namen war ich medikamentös so eingestellt, dass ich es nun riskieren konnte, eine Messe an der Orgel zu gestalten, ohne künstlerische Emotionen zu fordern. Über das Konservatorium wurde schnell ein guter Tenor eruiert, mit dem ich einige Trauergesänge und Choräle probte, darunter auch das unvergängliche ‚Panis angelicus’ von César Franck (1822 – 1890) und zur Messe am nächsten Tag aufführte. Da blieb kein Auge trocken und ab diesem Zeitpunkt war Ich in die Familie aufgenommen worden!
Das ‚Sperl’ – Buch über das Wiener Kaffeehaus war geliefert und für gut befunden. In einer Festivität für Stammgäste hielt Ich eine Lesung und signierte die Bücher. Eveline war natürlich auch mitgekommen nach Wien. Sie unterhielt sich herzlich mit Agnes, ging am freien Samstag mit ihr ins Theater. Den Fehler, ihren Liebsten alleine verreisen zu lassen, den wollte sie nicht begehen. Im Gegenteil. Vom Buchhonorar und zwei weiteren Plagiats-Hilfeschreien aus Wien leisteten wir uns das Lieblingshobby und flogen nach Athen, Istanbul, Malta und Sardinien. Jetzt entwuchs auch Agnes nachdrücklich Vatis Fittichen. Sie hatte es gerne, wenn er kam, mit seiner feschen Tochter (die ihm im Orient bald einmal abgekauft worden wäre), gepflegt essen und ins Theater ging. Aber ihre Freizeit verbrachte sie jetzt lieber schon mit ihren Freundinnen und Freunden, auch Vati musste eben loslassen. Stefan war schon lange dem Zuhause entflohen und drauf und dran, sich an eine Frau zu binden. Sie waren alle nicht ‚aus der Welt’, aber das Band, welches lange gehalten hatte, zerbröselte, ohne die Verbindung zu zerstören.
Mir blieben meine Mutter und Eveline, die eine lange vermisste Zweisamkeit genoss und darin schwelgte, sich auf jemanden bedingungslos verlassen zu können. Sie war der ruhige Typ, welcher Gefühle zartfühlend auffangen konnte und diese auch so zurück gab. Ganz anders als die bisherigen Eheerfahrungen gewährte sie auch Verlässlichkeit und Sicherheit. Sie wollte nicht nur nehmen, sondern spendete innig aus vollem Herzen.
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