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Der Pechvogel


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Angela
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Anmeldedatum: 06.09.2011
Beiträge: 226
Wohnort: Wildon

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BeitragVerfasst am: 22.11.2016, 15:24    Titel: Der Pechvogel Antworten mit Zitat

Es gibt Tage wo man das Bett nicht verlassen will. Wo man auf alles und jeden verzichten könnte. Ja selbst wenn es bedeutet den besten Tag zu verpassen der einen erwarten könnte.
Aber was erzähl ich euch das? Ihr kennt das alles ja bereits. Jeder hat einen Moment wo er glaubt, dass wer an Hebeln hockt um dir jede Menge Probleme zu bereiten.
Vielleicht ist es auch so und falls ich je diesen kleinen Bastard finde, kriegt er alles zurück gezahlt bis auf den letzten Cent.
Wie auch immer. Der Wecker erinnert mich permanent daran aufzustehen. Nahe dran ihn zu packen und einfach aus dem Fenster zu werfen, drücke ich dennoch brav die Schlummertaste.
Ein Minütchen noch. Mehr brauche ich nicht um halbwegs gut in den Tag zu starten.
Schrill verkündet die blecherne Nervensäge, dass bereits zehn Minuten vergangen waren.
Was soll´s. Dieser Tage konnte nicht anders als die anderen sein. Nervig und anstrengend.
Mental darauf einstellend gleich vom Chef angepfiffen zu werden, weil ich mal wieder die Abgabetermine übersehen habe, drücke ich den Button für einen teuren Taps Kaffee. Ich hätte mich nie dazu überreden lassen sollen. Die Taps sind zwar praktisch wenn man eine Tasse will aber wenn man daran denkt Kaffee mitzunehmen zeigt es einem die lange Nase. Und obendrein brannte mir das beschaffen der Dinger ein Loch in mein so schon mickriges Budge.
Verflixte technische Erneuerungen. Ich warte nur noch darauf, dass mein Computer an meinem Arbeitsplatz mir vorschreibt was ich zu tun habe.
Ach ja, tat er bereits und das mit einer nervigen Männerstimme. Gleichberechtigung hieß das Kommentar auf die Frage warum es unbedingt ein Kerl sein musste.
Die Krönung. Reinzufällig klingt dieses intelligente Programm nach meinen Vorgesetzen. Als ob es nicht reichte, dass der mir ständig in den Ohren lag.
Seufzend meinen Unmut über diese ganze Miseria an Unglücksfällen die ich bereits hinter mir habe, nehme ich einen Schluck und spucke ihn gleich wieder in die Spüle.
Die Brühe schmeckte eher nach Spülwasser als nach Kaffee. Toll. Der beste Zeitpunkt um kaputt zu gehen. Da erst kam mir in den Sinn dass ich vor zwei Jahren das Gerät in meine Küche gestellt bekam.
War klar. Die Garantie lief vermutlich gestern aus und prompt darf man sich darauf freuen ein neues zu holen.
Nicht mit mir. Da gab es bessere Varianten um an einen guten Kaffee zu kommen. Nur nicht jetzt.
Die kitschige Uhr mit Vögeln an jeder Stunde machte mir deutlich, dass ich mal wieder viel zu spät dran war. Wenn nicht eine Katastrophe passierte schaffte ich es vielleicht rechtzeitig. Aber dann lernten Schweine eher fliegen.
Meine Jacke schnappend stürmte ich aus der Wohnung, schloss hastig ab und klack…
Der Schlüssel war abgebrochen. Super.
Nein, nicht aufregen. Um das konnte ich mich später kümmern. Die Stufen runter hastend musste ich erneut beweisen, dass ein wenig athletische Fähigkeiten in mir schlummerten. Als wäre es zu viel verlangt die Müllsäcke nicht soweit in den Flur zu stellen, dass man Hürdensprünge üben musste.
Nein, auch darüber lohnte es sich nicht aufzuregen.
Die Sporteinlage half dabei keinen unnötigen Speck anzusetzen.
Und gerade wenn man dachte, das Schlimmste hinter sich zu haben, blockierte ein fettes Sofa die Haustür, das gerade zwei Packleute durch den zu schmalen Türrahmen quetschten.
Was jetzt?
Langsam überkam mich das Gefühl die ganze Welt hasst mich. Egal, damit hatte ich mich längst abgefunden. Meine Aktentasche fester packend riskierte ich mein spärliches Glück mit einem Sprung auf das Sofa und raus auf den Gehweg.
Hach, ich glaube mein Vater wäre stolz auf mich gewesen bei dieser Glanzleistung. Wenn man von dem kleinen Schönheitsfehler absah, dass ein Spiegel meine dreipunkte Landung versaute und in tausend Stücke zerbrach.
Tja, es brauchte er nur noch eine schwarze Katze und alles Pech der Welt wäre auf ewig für mich gepachtet.
Stimmte ja, die war mir letzten Abend vor die Füße gelaufen und hatte mir einen unfreiwilligen Schnupperkurs in eine Mülltonne beschert.
„Sie werden mir das bezahlen!“ Schrie mir die neue Mieterin zwei Türen weiter von meiner Wohnung mich an. Ein hübsches Ding. Ob sie wohl noch alleine lebte?
Lächelnd verneigte ich mich leicht, was ihr schon mal den Wind für einen weiteren Wutanfall aus den Segeln nahm. Mit ihren großen blauen Augen sah sie mich an als ob ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte.
„Natürlich. Schreiben sie bitte die Rechnung und schieben sie sie bitte durch meine Tür. Nummer 13.“
Ja, ich glaube ich hatte zu erwähnen, dass ich diese unglückselige Wohnung genommen hatte ohne mir über die Zahl im Klaren zu sein. Obwohl ich nicht Abergläubisch bin, sollte man bei dem Pech es wohl werden.
Zurück zur Mieterin. Wenn ich sie richtig einschätzte Ende Zwanzig und wohl etwas gut situiert. Ihr Bankkonto wies wohl keine Chronische Ebbe auf. Allein der Spiegel den ich durch meine Einlage zerstört hatte, kostete garantiert ein kleines Vermögen wenn man die goldenen Verschnörkelungen beachtete.
„Ich… ich werde das tun, keine Sorge.“
Es wäre sicher amüsant geworden sich weiter mit dieser unsicher gewordenen brünetten Schönheit weiter zu unterhalten, aber die Zeit drängte.
An ein Taxi brauchte ich meine Gedanken erst gar nicht zu verschwenden. Entweder wurde ich übersehen oder erwischte Betrunkene, Schwerhörige… die Liste könnte ich ins unendliche ziehen.
Also hieß es die Beine in die Hände zu nehmen und laufen dass einem die Schuhsohlen wegbrannten.
Wenigstens kam mir dieser Teil des Sportunterrichts zugute, mit dem mich mein verhasster Lehrer immer gequält hatte.
Darüber sinnierend wie sehr mich dieses Gehetze durch den Turnsaal genervt hatte, übersah ich fast eine rote Fußgängerampel. Im letzten Moment abbremsend rempelte ich unabsichtlich einen Fleischberg an, der wohl noch schlechter in den Tag als ich gestartet war.
Grimmig wurde mir ein Mundgeruch von der Ode namens Komposthaufen präsentiert, vermengt mit einem knurrigen Wortlaut der eher an einem schlechtgelaunten Bären erinnerte.
„Willst du Ärger du halbe Portion?“
Lächeln verneigte ich mich.
„Nein, mein Herr. Es nicht meine Absicht ihnen Leid zuzufügen.“
Perplex wurde meine Antwort entgegen genommen mit einem Grunzen und einem noch weiter geöffneten Mund, der einem den schönen Ausblick auf halb verfaulte Zähne gewährte.
Lächelnd bemerkte ich, dass die Ampel auf Grün umschaltete und deutete auch darauf.
„Entschuldigen sie mich bitte. Ich würde gerne noch länger mit ihnen reden, aber leider fehlt es mir an der Zeit dafür. Vielleicht passt es ja, dass ich sie bei nächster Gelegenheit auf ein Bier einladen darf.“
Ob da ein Bier für eine bessere Laune reichte? Wie auch immer, weiter hastend gelangte ich endlich an die gläserne Drehtür zu meinem Büro. Wenn ich mich beeilte kam ich höchstens fünf Minuten zu spät.
Den spiegelglatten Flur entlang schlitternd verpasste ich knapp den gerade schließenden Fahrstuhl. Hatte ich da gerade den hämischen Blick von meinem Arbeitskollegen gesehen?
Es half nichts. Aus den Fünf Minuten wurden eben zehn Minuten. Selbst ein Sportler schaffte niemals die Stufen in das zehnte Stockwerk in drei Minuten. Oder doch?
Zwei Stufen auf einmal nehmen legte ich mir die üblichen Entschuldigungen zu recht.
Meine Mutter hatte mich angerufen. Nein, das ging nicht. Diese Ausrede hatte ich bereits gestern gebracht.
Erstes Stockwerk geschafft. Meine Lunge verkündete ein leichtes Keuchen und auf der Stirn konnte ich bereits die ersten Schweißperlen spüren.
Mein Großvater war gestorben. Nein, sonst müsste ich erklären wie gleich drei Großväter sterben können.
Zweites Stockwerk. Die Wadenmuskeln beschwerten sich bereits über die übermäßige Belastung. Brennend und zwickend verlangten sie nach einer Pause.
Meine Tante aus Deutschland stand unangekündigt vor meiner Tür. Seufzend ließ ich auch diese Ausrede wieder ziehen. Keiner glaubte daran, dass meine Verwandtschaft so weit reichte. Wobei ganz abwegig wäre es auch nicht bei dem Großvater den ich hatte. Die Frage würde eher lauten wo dieser Mann seine Gene nicht verstreut hatte. Und irgendwie lag das wohl in der Familie.
Dritter Stock. Schnaufend gestattete ich mir ein wenig an der Wand zu verschnaufen. Nur um ein bisschen Luft in meine ausgelaugten Lungen zu pumpen. Da drängte sich einem wahrlich der Gedanke auf, warum Marathonläufer sich das antaten? Weiter.
Dieses Mal die Stufen einzeln nehmend kam mir endlich die rettende Idee. Meiner Nachbarin war ihre Katze entfleucht und hatte sich unglücksseligerweise auf mein Fensterbrett verirrt.
Oh, ich konnte bereits hören wie sich die Kollegen über mich amüsierten. Garantiert scherzten sie darüber, dass bei meinem Glück die Katze in die Tiefe stürzte. Nun ja, vielleicht sollten sie lieber nicht erfahren, dass das wirklich mal passiert war. Aber die Katze überlebte durch eine Landung in einem Bett dass gerade von Packleuten ins Haus getragen wurde.
Dennoch hielt ich die nächsten Stockwerke an dieser Ausrede fest, weil mir einfach keine bessere in den Sinn kommen wollte.
Im achten Stockwerk angekommen, erinnerte mich mein Körper daran, dass was ich da trieb ihn umbrachte auf jede auch nur erdenkliche Weise. Wobei muss ich dazu sagen, ich rauche nicht, verschmähe den Alkohol und bestelle in der Bar Wasser und ernähre mich so halbwegs gesund. Wenn man von den ein zwei Burger in der Woche absah. Okay drei.
Und gerade als das heftige Seitenstechen mir Tränen in die Augen trieb sprang die Feueralarmanlange an.
Schrill teilte sie allen mit, dass man das Gebäude schleunigst wieder verlassen sollte.
Mein Mundwinkel fing unkontrolliert zu zucken an. Hatte die Welt aufgehört mich zu hassen?
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