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Literaturforum Österreich :: Thema anzeigen - Das Fossil
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Das Fossil


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zwaraplotzwart
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BeitragVerfasst am: 20.01.2017, 15:47    Titel: Das Fossil Antworten mit Zitat

Das Fossil

Auf meinem Schreibtisch,
zum Beschweren von Papier,
da liegt ein tellergroßer Ammonit,
aus schwarzem Marmor, glänzend, glatt poliert.

Ein gänzlich ausgestorbnes Tier,
verschüttet und erstickt; nach seinem Tod
hat ein so zum Dekor geeignetes Konglomerat
seinen Spiralenkörper ausgefüllt.

So angenehm und schön sein Anblick ist,
kein Funken Leben ist nunmehr in ihm,
was bleibt ist nur der Abdruck toter Form.

Schriebe ich beispielsweise ein Gedicht
und wär die Form gedrechselt und perfekt,
die Sprache schillernd, Perlmutt gleich,

es wäre aber ohne jeden Hauch Genie,
so wie das Leben in dem schönen Stein,
bliebe es dennoch nur ein toter Klotz.
_________________
Als Spötter, als Dichter, als Literat -
verstreu ich der Worte verfängliche Saat.


Zuletzt bearbeitet von zwaraplotzwart am 23.01.2017, 10:26, insgesamt einmal bearbeitet
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georg
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BeitragVerfasst am: 20.01.2017, 19:59    Titel: Antworten mit Zitat

Mit der ehrfurcht gebietenden Wucht des Ammoniten stellt sich der Siebzehnzeiler vor den Leser, aber er lässt denselben nicht zurückprallen, sondern "haut ihn viere".
Tiefschürfend, dieser Vergleich Regelkunstwerk ohne Seele/lebloses Paläozooikum.

Wer bekritteln wollte, dass ein Sonett nur 4 Strophen mit durchschnittlich 3,5 Zeilen haben "dürfe", kriegt es mit mir zu tun.
Ebenso der Krittlerich, der es, weil nicht gereimt, statt in "Klassische Poesie" in einer anderen Rubrik unterbringen wollte.

Bei Z15 hab ich zu "das Genie" einen Vermerk ...
oder eineinhalb Vermerke ...
"Genie" ist irgendwie missverständlich, ich denke an "Genieblitz".
"Genieblitz" geht natürlich nicht, es mutet viel zu geschwätzig an.
Eine Möglichkeit wäre sowas wie:
"Es wäre aber ohne jeden Hauch Genie..."
was auch die Nebenwirkung hat, dass das zweite "beispielsweise" ausgeschafft wird.
Winkend
_________________
.
Georg Rack, Aufbruch der Kerfe
http://www.amazon.de/Aufbruch-Kerfe-Georg-Rack/dp/3844881921/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1322065044&sr=8-1
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zwaraplotzwart
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BeitragVerfasst am: 23.01.2017, 11:34    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Georg!

Vielen Dank für die (vielleicht) freundliche und ausschweifende Rezension.
Ein Sonett wollte (und konnte) ich ohnehin nicht schreiben, zumal es ungereimt noch mehr Angriffspunkte lieferte und mir der zusätzliche Wickel des dritten Triplets wichtiger war.
Die Einordnung in die Rubrik geschah mehr oder wenige zufällig, das Wort „klassisch“ hat ja seit dem Deutschen Idealismus so viele Abänderungen erfahren, dass es auf diesen kleinen Ausrutscher nun auch nicht mehr ankommen soll!

Deinen Vorschlag zur Verbesserung nehme ich aber gerne an – das zweite beispielsweise gehört ja wirklich weg!

Danke
und liebe Grüße
zwara
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Einer_von_uns
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BeitragVerfasst am: 25.01.2017, 00:22    Titel: Antworten mit Zitat

georg hat Folgendes geschrieben:
Mit der ehrfurcht gebietenden Wucht des Ammoniten stellt sich der Siebzehnzeiler vor den Leser, aber er lässt denselben nicht zurückprallen, sondern "haut ihn viere".
Tiefschürfend, dieser Vergleich Regelkunstwerk ohne Seele/lebloses Paläozooikum.

Wer bekritteln wollte, dass ein Sonett nur 4 Strophen mit durchschnittlich 3,5 Zeilen haben "dürfe", kriegt es mit mir zu tun.
Ebenso der Krittlerich, der es, weil nicht gereimt, statt in "Klassische Poesie" in einer anderen Rubrik unterbringen wollte.

Bei Z15 hab ich zu "das Genie" einen Vermerk ...
oder eineinhalb Vermerke ...
"Genie" ist irgendwie missverständlich, ich denke an "Genieblitz".
"Genieblitz" geht natürlich nicht, es mutet viel zu geschwätzig an.
Eine Möglichkeit wäre sowas wie:
"Es wäre aber ohne jeden Hauch Genie..."
was auch die Nebenwirkung hat, dass das zweite "beispielsweise" ausgeschafft wird.
Winkend


Des Genius Anflug,......

Georg wie wäre es damit ?

Gruß

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1793 Lichtenberg
mit der Verpflichtung für uns heute, das dieser Spiegel der Zeit nie blass werden möge.
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georg
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BeitragVerfasst am: 25.01.2017, 01:36    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Norbert,
"des Genius Anflug" gefällt mir sehr ...
wie diese Formulierung allerdings in Zwaraplotzwarts Gedicht rhythmisch einzubauen wäre ... das ist eine andere Geschichte.
Aus dem Handgelenk schaff ichs nicht, aber dieser mein Körperteil leidet ja schon seit Jahren an Arthrose.

Gruß aus Arthritistan
georg
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Georg Rack, Aufbruch der Kerfe
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Einer_von_uns
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BeitragVerfasst am: 25.01.2017, 07:19    Titel: Antworten mit Zitat

georg hat Folgendes geschrieben:
Lieber Norbert,
"des Genius Anflug" gefällt mir sehr ...
wie diese Formulierung allerdings in Zwaraplotzwarts Gedicht rhythmisch einzubauen wäre ... das ist eine andere Geschichte.
Aus dem Handgelenk schaff ichs nicht, aber dieser mein Körperteil leidet ja schon seit Jahren an Arthrose.

Gruß aus Arthritistan
georg


Der Anflug des Genius hier im Licht,
der alle Normen des normalen bricht!

Ich denk bei dem Sockel muss man aufpassen, das man nicht wieder unten böse aufschlägt, wenn man mal daneben liegt.

Gruß

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zwaraplotzwart
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BeitragVerfasst am: 26.01.2017, 09:22    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank für das Bemühen, ich lass es jetzt so!
zwara

ps

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georg
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BeitragVerfasst am: 04.05.2017, 01:24    Titel: Antworten mit Zitat

Ein kleines Bonmotterl ist mir noch eingefallen:
Besser man beschwert Papier mit einem Ammoniten ...
als man beschwert sich selbst, und zwar beim Salzamt.

Hab mit dieser nur bisweilen segensreichen Institution in den letzten Zeiten (wie diesen) sehr ambivalente Erfahrungen gemacht, um es noch viel zu höflich zu formulieren.
Aber ohne Schmäh ... wenn Mann bei einem Amt anruft oder auch bei sonstwem, der sich behörderer vorkommt als eine Behörde, und zwar zweimal, weil noch etwas unklar ist ... dann bekommt man mit schöner Regelmäßigkeit zwei um 180° divergierende Auskünfte.
O tempora, o Zores!
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Georg Rack, Aufbruch der Kerfe
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Kokochanel
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BeitragVerfasst am: 13.05.2017, 10:58    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen,

ja, der Verglech mit dem Ammoniten ist gut gewählt. Due große Frage, die dahinter steht ist, was ist Lyrik heute. Was ist Lyrik überhaupt.
Wann sind Worte Lyrik.
Sicherlich ist ein Gedicht als Perfektes ein Zusammenspiel von Wortkunst, Geist und Form.
Ansprechendes Gedicht mit
LG von Koko
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zwaraplotzwart
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BeitragVerfasst am: 23.05.2017, 11:08    Titel: Antworten mit Zitat

hi georg!
do is ma bis jetzt nix dazu eingfalln, außa dass bei uns (oiso bei de bürokraten) im blaupapierkölla, oda im aumt fia beschädigtes löschpapiea erschöpfend behaundlt wiad!

zu koko(usw)
was lyrik ist, heute , gestern, morgen, oder bedeutet, frägt sich wer zeit dazu hat, oder sich zumisst. für mich stellt sich diese frage nicht, da ich mich als einen irrläufer der sprachlichen gegebenheiten einshätze.

mit lieben grießen
da zwara

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