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Visionen vom Weiterleben nach dem Tod


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Leopoldine
Satz
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BeitragVerfasst am: 13.09.2017, 00:07    Titel: Visionen vom Weiterleben nach dem Tod Antworten mit Zitat

VISIONEN VOM WEITERLEBEN NACH DEM TOD
© Leopoldine

Sie werden mich fangen mit achtzig Jahren,
betäubt mich zum OP-Saal fahren,
mein Herz und alle Organe entreißen
und anderen Menschen transplantieren,
um mich zu verwerten und auszuprobieren,
wie lang ich gelebt hätte, wird sich erweisen.
Wie sinnvoll wird es, mich auszuschlachten,
Organe zu verschenken zu Weihnachten?

Das kostbare menschliche Material
legen sie nicht mehr ins Grab. Ideal
für Empfänger, sie zahlen Gebühren.
Das ist medizinische Zukunft von morgen,
man muss sich verschenken. Ach, Sorgen,
wie sie uns bisher erbärmlich berühren,
muss man sich zukünftig keine mehr machen.
Ab achtzig erwartet man schlimmere Sachen.

Der alte Mensch im neuen Jahrhundert
wird ausgenommen und ausgeplündert.
Abgewendet von den Religionen,
wird man die Menschen wieder zurückführen
zu den Heiden und öffnet Türen,
Menschenopfer zu bringen, statt Pensionen
an Alte zu bezahlen. Sie sparen,
und nutzen Menschen ab achtzig Jahren.

Visionen, vom Leben nach dem Tode,
aus dem Christentum, werden zur Mode
bei den Heiden, die nichts verlieren,
sie schläfern mich ein und beginnen zu teilen,
zugleich wird mich der Tod ereilen.
Ach, ich möchte viel lieber nicht so krepieren.
Ich habe kein Recht, mich dagegen zu wehren,
sie werden mein Leben mir nicht mehr gewähren.

*
_________________
Jedes Gedicht hat eine Botschaft.
Der „Magic Moment“ ist die Reaktion auf die Emotion eines anderen Menschen,
abhängig von der Empathie, mit der man an ein Werk herangeht.
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georg
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BeitragVerfasst am: 18.09.2017, 20:00    Titel: Antworten mit Zitat

"Wenns mich nur gruselte", sprachen Jakob/Wilhelm Grimm durch den Mund des rauhen Burschen, der auszog, das Gruseln zu lernen.

Habe ich es an Hand dieses nachdenklichen Textes gelernt?
Mag sein, ein wenig doch. Wie so vieles, spielt sich wohl auch das Grugelgrugel im Unterbewusstsein ab - zum Teil jedenfalls.

Bei diesem langen Gedicht hab ich Schwierigkeiten, das Vordergründige und das Metaphorische auseinanderzuhalten, aber das ist kein Fehler der Autorin.
Ein Gedicht kann in die Richtung gehen, dass man in Entzücken gerät, oder es wölbt dem Leser die Grübelfalten auf.

Der Mangel an Ersatzteilen muss katastrophal sein, wenn schon achtzigjährige ausgeschlachtet werden.
O.k., ich bin etliche Jahre jünger, aber sogar wer meine Organe noch eingepflanzt bekäme, hätte nichts mehr zu lachen.
Aber soweit ich es verstehe, ist ja die Transplantation von 80 Jahre alten Körperteilen symbolisch gemeint.

Auf Textkritik im Sinne von Alternativgedanken verzichte ich total, wie in einem anderen reply beteuert. Keine Bemerkungen, die hinsichtlich Aufbau, Folgerichtigkeit oder Rhythmus etwas auszusetzen hätten.
Naja, einmal ist keinmal ...
leopoldine hat geschrieben
Zitat:
sie schläfern mich ein und beginnen zu teilen,
zugleich wird mich der Tod ereilen.

Da in der Lyrik alles erlaubt ist, wäre es unpassend, an 12/9 Silben und Betonungskoordination zwischen diesen zwei Zeilen herumzukritteln.
Das nicht.
Man kann auch das eingeschläfert werden, in Teile zerlegt werden und bei dieser Gelegenheit zu sterben, alles miteinander symbolisch nehmen.
Man kann;
aber mancher Leser wird nach einer zeitlichen Abfolge suchen.
In diesem Sinn wäre es relativ human, erst mit der Zerstückelung des Organlieferanten zu beginnen, wenn man sicher weiß, dass er mausetot ist.

Man schläfert mich ein, und schon wird zerteilt -
kaum, dass den Menschen der Tod hat ereilt.

oder: ... kaum ist die Seele dem Körper enteilt ...

Natürlich ein aus dem Handgelenk gebeutelter Pausenfloh, ebenfalls ohne Betonungspräzision.
_________________
.
Georg Rack, Aufbruch der Kerfe
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Leopoldine
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BeitragVerfasst am: 18.09.2017, 20:59    Titel: Re: Visionen vom Weiterleben nach dem Tod Antworten mit Zitat

Zitat:
Das Problem ist nämlich, dass Du bei der Organentnahme nicht tot bist, nicht tot sein darfst, denn Organe von wirklich Toten sind unbrauchbar (außer der Hornhaut der Augen). - Wirklich Tote können auch nicht beatmet werden, nur aufgepustet.
Zum Leben gehört, genauso wie am Anfang die Geburt, am Ende in Würde sterben zu können, anstatt vor dem tatsächlichen Ende, mitten im Sterbeprozess ... oder sogar schlimmstenfalls ...


Obiges Zitat ist aus der Quelle: https://www.gutefrage.net/frage/organspende---wie-lange-max-nach-dem-tod


Zuletzt bearbeitet von Leopoldine am 22.09.2017, 13:44, insgesamt 2-mal bearbeitet
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georg
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BeitragVerfasst am: 18.09.2017, 22:52    Titel: Antworten mit Zitat

wie recht du doch hast. Du durchschaust und bist nicht naiv, ganz im gegensatz zu mir.
Mein Pech.
Aber was soll ich machen?
Mir gruselt einfach nicht, es geht mir wie dem erwähnten Protagonisten des Grimm-Märchens.

Wer blindlings an vermeintliche hohe Autoritäten glaubt, die sich anmaßen, solche dehnbaren Angelegenheiten wie den Todeszeitpunkt ex cathedra festlegen zu können, sollte nicht mit so beschönigenden Attributen wie "naiv" charakterisiert werden. Aber es lohnt sich nicht, etwas treffenderes zu ersinnen.
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Leopoldine
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BeitragVerfasst am: 19.09.2017, 09:08    Titel: Antworten mit Zitat

Winken

Zuletzt bearbeitet von Leopoldine am 22.09.2017, 13:41, insgesamt einmal bearbeitet
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georg
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BeitragVerfasst am: 19.09.2017, 14:04    Titel: Antworten mit Zitat

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