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Ausgerechnet Orangen


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georg
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Anmeldedatum: 22.02.2008
Beiträge: 13319

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BeitragVerfasst am: 29.03.2012, 12:15    Titel: Ausgerechnet Orangen Antworten mit Zitat

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Heinz beschäftigte sich gerade damit, in einer ziemlich tief unten ihr Dasein fristenden Gemüseschaukiste Stangensellerie nachzufüllen. Er war ein gewissenhafter junger Mann und auch nicht dumm, aber in Zeiten wie diesen musste auch ein Schulabgänger mit „gutem“ Abiturerfolg zufrieden sein, wenn er einen solchen Gemüsejob ergattern konnte. In den wenigen Monaten seiner Einstiegskarriere im Topkaufmarkt hatte er es immerhin zum führenden Mitarbeiter in der weitläufigen Obst- und Gemüseabteilung gebracht. Andere gab es nämlich keine.
„Ich muss Sie dringend etwas fragen!“
Heinz blickte nur schräg von der Stangensellerie auf. Innerlich verwünschte er den Störenfried, obwohl die verdammte Stangensellerie eigentlich ein Ladenhüterdasein führte. Aber wenn er schon damit befasst war ...
Doch Heinz wusste, was sich für einen Topkaufmann gehörte und sagte: „Bitteschön“.
„Ich habe soeben alle Ihre Orangenkisten abgesucht“, sagte der Fremde. „Spanische, italienische und portugiesische waren leicht zu finden. Auch Grapefruits, Clementinen, Satsumas, Mandarinen, Zitronen sogar, das ganze Agrumenlexikon rauf und runter, und noch ein paar ...“
Was redet der Mensch soviel, dachte sich Heinz. Soll er sagen, was er will.
Er sah sich den Kunden etwas genauer an. Ein paar wirre Haarsträhnen über der Halbglatze, hageres Gesicht, vorstehende Backenknochen, und schmale, blasse Lippen. Alter undefinierbar.
So, als ob er des Topverkäufers Gedanken erraten hätte, setzte der Fremdling fort:
„Sie wollen wissen, was ich zu fragen habe. Unter den vielen erwähnten Agrumen waren keine Blutorangen. Diese aber sind die saftigsten und besten. Sie kennen sich natürlich besser hier aus, ich hoffe, Sie können mir das Gesuchte verschaffen.“
„Gestern waren noch welche da“, behauptete Heinz, obwohl er sich keineswegs sicher war. „Einen Moment bitte, ich sehe sofort nach.“
Die grünen Augen des Kunden leuchteten auf.
Halbherzig wühlte Heinz in den Orangenformationen herum, aber hinsichtlich Blutorangen war nichts zu machen. Der Obstbetreuer war sich schon vorher fast sicher gewesen, dass die letzten bereits vor zwei Tagen ihren Abnehmer gefunden hatten.
„Leider ...“
Doch dieses Wörtchen genügte dem seltsamen Fremdling. Er wartete nicht länger. Mit einem bösen, stechenden Blick, der Heinz erschauern ließ, wendete er sich abrupt um.
„Dann werden wir eben sehen, ob der Maximixmarkt drüben Blutorangen anzubieten hat!“ zischte er zornig, während er sich an den bei der Kassa wartenden Leuten vorbeidrängte.
Heinz sah ihm nach, statt sich wieder der Stangensellerie zuzuwenden.
Er registrierte erst jetzt den einem Talar gleichenden, schwarzen Mantel des Fremden und die spitzen, langen Ohren.
Als der Blutorangenliebhaber den Ausgang durchquert hatte, breitete er seine schwarzen, gezackten Schwingen aus und flatterte hinüber zum Maximixmarkt.

_________________
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Georg Rack, Aufbruch der Kerfe
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Helios53
Administrator
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Anmeldedatum: 20.10.2018
Beiträge: 22
Wohnort: Tirol

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BeitragVerfasst am: 27.10.2018, 15:17    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hätte eigentlich erwartet, dass er sich an Heinz selbst schadlos hält.
Heute sind auch die Vampire nicht mehr, was sie mal waren!
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georg
Moderator
Moderator


Anmeldedatum: 22.02.2008
Beiträge: 13319

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BeitragVerfasst am: 27.10.2018, 23:48    Titel: Antworten mit Zitat

Offengestanden: Ja!
Aber was ist nicht ist, kann noch werden.
Nach dieser dankwürdigen und sogar denkwürdigen Kurzgeschichtenkritik habe ich Mut gefasst.
Keine Selbstverständlichkeit, denn wenn ich den erwähnten Mut einmal verloren habe, dauert es nicht selten Jahre,
bis ich ihn wieder fasse. Dabei ist naturgemäß der befeuernde Rückstoß Pallas Athenens oder eines Forumsfreundes förderlich.
Und so habe ich beschlossen, eine Fortsetzung dieser story zu fabrizieren, die allen Erwartungen gerecht werden könnte.
Da aber der Mut allein nicht genügt, werde ich ein wenig Energie sammeln müssen, um diese Fortsetzung auch mehr als nur virtuell
zu setzen.
Werma schaun.
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Georg Rack, Aufbruch der Kerfe
http://www.amazon.de/Aufbruch-Kerfe-Georg-Rack/dp/3844881921/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1322065044&sr=8-1
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