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Literaturforum Österreich :: Thema anzeigen - Ein knuspriger Vorabend (Eine wahre Geschichte)
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Ein knuspriger Vorabend (Eine wahre Geschichte)


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ralfelinchen
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Beiträge: 1329

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BeitragVerfasst am: 25.12.2017, 00:35    Titel: Ein knuspriger Vorabend (Eine wahre Geschichte) Antworten mit Zitat


Ein knuspriger Vorabend


Der Einkauf war kein Riesenspaß
ich stand dort mit dem Metermaß.
Guck durch die Glastüren der Morgue
weil ich mich um das Dinner sorg.

Ich plante einen Gänsebraten
und dreimal lasse ich euch raten:
So knusprig saftvoll wie noch nie,
geht es nur auf: Rotisserie.

Drei Gäste macht die Auswahl enger.
zu kurz die eine, andre länger.
Der Toten Drehungsmaß am Bräter
erlaubt nur dreißig Zentimeter.

Am Ende stand ich - rot die Backe
und hackte rum an der Kloake.
Die Zeit flog auch im Nu dahin,
nun dreht sie heiß im Backrohr drin.

Doch wenig später kam der Schrecken
die Haxen blieben plötzlich stecken.
die Tote hatte sich gestreckt
als wär‘ zum Leben sie erweckt.

Ich zwick mit den Geflügelscheren
um das Desaster abzuwehren.
doch schaffte letztlich meine Bange
nur eine Übersetzungszange.

Nun raucht und schwitzt sie dumm im Rohr
und ich steh stirngeschweißt davor.
Die Gäste kommen fast vor Hunger um,
ich zieh das Tier vom Krematorium.

Mir schien sie viel zu braun und trocken
fast wie der Ötzi - ohne Locken.
Ich zog den Spies heraus mit Eile.
Und sie? Brach krachend in 12 Teile.

Die warf ich auf der Gäste Teller
schon waren die Gesichter heller.
Mit Rotkraut, Saft, Preiselkompott
macht ‘ich die Enten-Mumie flott.

Die Gäste kauen sachte krachend
und unterdrückt ein wenig lachend,
nun an dem rotbraunen Kadaver
und das ganz ohne viel Palaver.

_________________
Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen. (Ludwig Wittgenstein)


Zuletzt bearbeitet von ralfelinchen am 27.12.2017, 12:57, insgesamt einmal bearbeitet
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Einer_von_uns
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BeitragVerfasst am: 27.12.2017, 07:36    Titel: Re: Ein knuspriger Vorabend (Eine wahre Geschichte) Antworten mit Zitat

ralfelinchen hat Folgendes geschrieben:

Ein knuspriger Vorabend


Der Einkauf war kein Riesenspaß
ich stand dort mit dem Metermaß.
Guck durch die Glastüren der Morgue
weil ich mich um das Dinner sorg.

Ich plante einen Gänsebraten
und dreimal lasse ich euch raten:
So knusprig saftvoll wie noch nie,
geht es nur auf: Rotisserie.

Drei Gäste macht die Auswahl enger.
zu kurz die eine, andre länger.
Der Toten Drehungsmaß am Bräter
erlaubt nur dreißig Zentimeter.

Am Ende stand ich - rot die Backe
und hackte rum an der Kloake.
Die Zeit flog auch im Nu dahin,
nun dreht sie heiß im Backrohr drin.

Doch wenig später kam der Schrecken
die Haxen blieben plötzlich stecken.
die Tote hatte sich gestreckt
als wär‘ zum Leben sie erweckt.

Ich zwick mit den Geflügelscheren
um das Desaster abzuwehren.
doch schaffte letztlich meine Bange
nur eine Übersetzungszange.

Nun raucht und schwitzt sie dumm im Rohr
und ich steh stirngeschweißt davor.
Die Gäste kommen fast vor Hunger um,
ich zieh das Tier vom Krematorium.

Mir schien sie viel zu braun und trocken
fast wie der Ötzi - ohne Locken.
Ich zog den Spies heraus mit Eile.
Und sie? Brach krachend in 12 Teile.

Die warf ich auf der Gäste Teller
schon waren die Gesichter heller.
Mit Rotkraut, Saft, Preiselkompott
macht ‘ich die Enten-Mumie flott.

Die Gäste kauen sachte krachend
und unterdrückt ein wenig lachend,
nun an dem rotbraunen Kadaver
und das ganz ohne viel Palaver.[/b]



Da schrieb doch mal einer mit Witz und Freude,
wie eine Gans gebraten wurde heute.
Damit das Fest auch gelingt,
ist die Formulierung von Details umringt.

Gruß
Einer_von_uns
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Das die Menschen kleine Dinge für wichtig hielten, hat viel Großes hervorgebracht.

1793 Lichtenberg
mit der Verpflichtung für uns heute, das dieser Spiegel der Zeit nie blass werden möge.
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ralfelinchen
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BeitragVerfasst am: 27.12.2017, 13:03    Titel: Antworten mit Zitat

danke fürs lesen guter EvU. tatsächlich eine wahre geschichte, die sich am 23-12-2017 in der wohnung meiner verstorbenen geliebten Frau - Lucy abspielte. ich hatte tatsächlich den maßstab in den merkur-markt mitgenommen um eine entsprechend große resp. kleine weidegans zu erwerben. der rest ist aus dem gedicht relativ klar nachvollziehbar. bedauerlicher weise hatten wir - wie sonst üblich - keine fotos der knusprig-zerbrochenen gans gemacht. aber wir - meiun bester freund mit gattin und tochter und ich - schwankten zwischen hunger und gelächter hin und her und vergaßen einfach darauf. die beilagen u.a. eine fein reduzierte enten-sauce, preiselbeerkompott, maroni rotkraut und einige flaschen rijoa vom feinsten brachten ein wenig saft in die dürre!
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Einer_von_uns
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BeitragVerfasst am: 28.12.2017, 08:18    Titel: Antworten mit Zitat

ralfelinchen hat Folgendes geschrieben:
danke fürs lesen guter EvU. tatsächlich eine wahre geschichte, die sich am 23-12-2017 in der wohnung meiner verstorbenen geliebten Frau - Lucy abspielte. ich hatte tatsächlich den maßstab in den merkur-markt mitgenommen um eine entsprechend große resp. kleine weidegans zu erwerben. der rest ist aus dem gedicht relativ klar nachvollziehbar. bedauerlicher weise hatten wir - wie sonst üblich - keine fotos der knusprig-zerbrochenen gans gemacht. aber wir - meiun bester freund mit gattin und tochter und ich - schwankten zwischen hunger und gelächter hin und her und vergaßen einfach darauf. die beilagen u.a. eine fein reduzierte enten-sauce, preiselbeerkompott, maroni rotkraut und einige flaschen rijoa vom feinsten brachten ein wenig saft in die dürre!


Was viele nicht wissen, das eine Gans nicht älter wie ein Jahr sein sollte.
Bei Frischen wird die Schwimmhaut eingerissen mit Hand; geht das, so ist das eine junge Gans. Geht das nicht , so verschenkt man diese weiter. Man sagt für jedes Jahr älter muss diese eine Stunde länger braten und das mindestens. Wer also eine der zwei Führungsgänse erwischt hat, erkennt diese dann auch gefroren an dem nicht so runden, also eher gestreckten Wuchs. Im Alter legen die an Länge zu. Aber das mal nur so am Rande....


Gruß
Einer_von_uns
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ralfelinchen
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BeitragVerfasst am: 28.12.2017, 14:48    Titel: Antworten mit Zitat

interessant das entzog sich meiner kenntniss. ich hatte die tote aber in ungefrorenem zustand erworben...
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georg
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BeitragVerfasst am: 28.12.2017, 19:05    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, ihr lieben Haberer . .. wenn es was zum Habern gibt, bin ich gleich zur Stelle.
Jedenfalls sind Antiliden prächtige Proteinlieferanten . . .
wenn ich auch entrötend gestehe, dass mir Garnelen, Tintenfischlein, Austern ... diverseste Frutti di mare halt . . . bedeutend lieber sind als solche Vögel, die ja zum dunkelbraun-werden neigen und sogar einen angeborenen Instinkt dafür entfalten.
Aber die knusprige Dunkelhaut enthält ja die meisten Vitamine, und so zerknurpsle ich freudig, wenn die Gelegenheit da liegt, die Leiche.
So kräftig wird in den Vogelknorpel gebissen, dass die Knusperteilchen meterweit spritzen und ein guter Teil im Dekollete der Vis-a-vis Dame landet.

Nicht von ungefähr gebrauche ich das Wort "Antilidae". Könnte es sein, lieber Ralf, dass die Enten zweimal unauffällig aus dem Gefieder der Biogans hervorlugen?
Fast neige ich zum Verdacht, dass es sich in Wirklichkeit wirklich um eine Ente gehandelt hat.
Indes, das ist absolut kein Fehler.
Ja, und dass ich das wichtigste erwähne: das kulinarrische Gedicht ist ur-reizend!

~~~~

Er war sehr zäh (fast wie ein alter Greis), der Antler.
Lästerlich fluchend legte ihn auf Eis der Grantler.
_________________
.
Georg Rack, Aufbruch der Kerfe
http://www.amazon.de/Aufbruch-Kerfe-Georg-Rack/dp/3844881921/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1322065044&sr=8-1
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ralfelinchen
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BeitragVerfasst am: 30.12.2017, 22:51    Titel: Antworten mit Zitat

MEIN LIEBER ALTER FORENFREUND -

danke für dine berührenden zeilen. ich schließe meine beiträge hier mit dem wunsch dass niemand morgen auf dem glatteis ihre/seiner glitschigen gedankengänge entgleiten möge...

der eure bis in den rigor mortis
ralfelinchen

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