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FRISCHES BLUT IM ALTEN TEMPEL


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Helios53
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Anmeldedatum: 20.10.2018
Beiträge: 22
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BeitragVerfasst am: 27.10.2018, 15:21    Titel: FRISCHES BLUT IM ALTEN TEMPEL Antworten mit Zitat

Frisches Blut im alten Tempel
© Helios53, III/2013


Kahle Granitmauern ringsum, man fragte sich wirklich, wie die das vor sechstausend Jahren – oder waren es siebentausend? – geschafft hatten, solche Hallen aus dem Fels zu meißeln. Und Gänge, Labyrinthe, Schächte. Und vor allem, mit welchen Werkzeugen? Hilti hilf! Wie ging das?

„… die sternförmig zur Mitte hin verlaufenden Vertiefungen dienten nach letzten Erkenntnissen als Blutrinnen. Durch das Loch in der exakt vermessenen Mitte des kreisrunden Raumes floss das Blut der Opfer in den darunterliegenden Raum, den wir uns als nächstes angucken werden“, sprach der einheimische Fremdenführer in gelangweiltem Tonfall. „Ob es sich dabei um Menschenopfer gehandelt hat, darüber kann nur spekuliert werden, die Opferaltäre, von denen Sie nur die Sockelsäulen sehen können, waren groß genug für Ziegen, Lämmer, Ochsen und natürlich auch Menschen. Wie dieses Heiligtum geschaffen wurde, ist völlig ungeklärt. Von mehreren Mysterologen, unter anderem dem bekannten Autor Frederick von Belgiken werden Außerirdische ins Spiel gebracht. Das ist aber reine Spekulation ohne wissenschaftliche Basis. Mumpitz! Über die Religion der alten Lotirer wissen wir noch nicht viel, denn seit der sensationellen Entdeckung dieses unterirdischen Heiligtums sind erst wenige Jahre vergangen. Bitte folgen Sie mir in die sogenannte Sakristei!“ Er schlurfte davon, bückte sich beim niedrigen Durchlass – die alten Lotirer waren wohl nicht größer als etwa eins vierzig gewesen – und die ganze Gruppe folgte ihm. Als alle draußen waren, schoss ich noch schnell ein Foto und wollte nachlaufen. Da sah ich den Lichtschein.

Flackernd leuchtete es aus einer Nische, magisch zog es mich an. Ein schmaler Gang, ein kleiner Raum, Biegung nach links, wieder ein Gang und ich erblickte Fackelschein. Aufgeregt betrat ich eine quadratische Halle, in deren Mitte eine schlanke Säule aufragte. Was war das? Rechts an der Wand drei Opferbecken, links drei Kammern, von steinernen Türen verschlossen. Die mittlere öffnete sich und ein kleiner, weißhaariger Mann trat heraus, nackt bis auf einen Lendenschurz aus Gold. Das interessanteste war, dass seine Haut grün schimmerte. „Swa chtasm ud erhi ni snureme Telihumgi, Dremlgnif?“ fragte er mich mit grimmiger Miene.

Ich starrte ihn verwundert an. Was war das für eine Sprache? Was wollte er? Er aber rief: „Kmomt dnu feritreg nhi!“ Aus den beiden äußeren Kammern sprangen zwei kräftige Männer, ganz in Blau. Wegen ihrer hochgetürmten Mützen erinnerten sie mich an Schlümpfe, sie waren aber gar nicht lustig, sondern packten mich, schleppten mich zu einer der Opferschalen. Dort ritzte der Alte meinen Hals mit einem Steinmesser, ließ das Blut in einen Totenschädel tropfen und vermischte es mit einer ekligen Flüssigkeit, die darin herumschwappte. Die beiden Blauen banden mich an die Säule. Der Alte hielt mir den Schädel an die Lippen. „Knirt! Knirt, Ürbelndrei knirt!“, forderte er in beschwörendem Singsang, also schluckte ich. Mann, war das Zeug ekelhaft! Die Hälfte rann mir übers Kinn auf das Hemd. Das gab Flecken! Noch ein Schlückchen, dann schwanden mir die Sinne.

„Was treibst du denn immer?“, schimpfte meine Frau. „Ständig muss man dich suchen oder auf dich warten. Und warum lehnst du da mit glasigem Blick an dem Handtuchhalter? Alle sitzen schon im Bus, alle warten nur auf dich. Kannst du nicht einmal sagen, wo du hingehst? Peinlich genug, dass ich auf die Herrentoilette musste, um dich zu finden. Bis ins Hotel hättest du es wohl noch ausgehalten, oder etwa nicht?“ Sie musterte mich kritisch, nahm mir eine Dose Cola aus der Hand. „Angepatzt hast du dich auch noch! Du bist ja schlimmer als ein Kind! Komm jetzt endlich!“ Sie eilte voraus.

Ich riss noch schnell zwei Blatt Toilettenpapier ab, um das Blut an meinem Hals abzutupfen und folgte ihr. „Hic kmom aj onsch, Gelinbli!“, murmelte ich. „Se tis hinct os, ewi ud knedst!“
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